Lahnstein

Architekt prägte Region Mittelrhein: Auch Herrenhaus in Niederlahnstein von ihm erbaut

Johann Claudius von Lassaulx erbaute das Herrenhaus (Wohnhaus) der Hohenrheiner Hütte in Niederlahnstein, das heute noch nahe der Ruppertsklamm am Lahnufer in Niederlahnstein steht. Foto: Bernd Geil/Stadtverwaltung Lahnstein
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Johann Claudius von Lassaulx erbaute das Herrenhaus (Wohnhaus) der Hohenrheiner Hütte in Niederlahnstein, das heute noch nahe der Ruppertsklamm am Lahnufer in Niederlahnstein steht. Foto: Bernd Geil/Stadtverwaltung Lahnstein

Vor 175 Jahren starb der Bauinspektor, Architekt und Denkmalpfleger Johann Claudius von Lassaulx. Daran erinnert der Lahnsteiner Stadtarchivar Bernd Geil.

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Demnach wurde Johann Claudius von Lassaulx am 27. März 1781 als ältestes von sieben Kindern des Juristen Peter Ernst von Lassaulx (1757–1809) in Koblenz geboren. Sein Vater verhandelte 1792 als Bürgermeister von Koblenz mit dem General der französischen Besatzungstruppen über die Schonung der Stadt, was von dem noch amtierenden trierischen Kurfürsten als Hochverrat ausgelegt wurde und zu seiner Inhaftierung führte. 1801 rehabilitiert, wurde Peter Ernst von Lassaulx zum Amtmann von Ehrenbreitstein ernannt und erhielt als Entschädigung den Arnsteiner Hof in Niederlahnstein. Hinzu kaufte er 1803 die Ruine Lahneck, um sie als malerisches Ensemble zu pflegen.

Auch für Hochbau zuständig

Unterdessen wurde Johann Claudius von Lassaulx 1816 zum Koblenzer Stadt- und Bezirksbauinspektor berufen. Zusammen mit Ferdinand Nebel war er für den Hochbau zuständig. Der Aufgabenbereich umfasste Entwürfe und Bauausführungen öffentlicher Gebäude und Einrichtungen. Lassaulx betreute die Stadt und den Landkreis Koblenz, ab 1831 auch die Landkreise St. Goar, Simmern und Kreuznach. Daneben wirkte er als Städtischer Baumeister in Koblenz und war Mitglied der Baukommission (Prüfung von Baugesuchen).

Weit bedeutender jedoch war seine Arbeit als Architekt von Kirchen- und Profanbauten sowie als Denkmalpfleger. In seinem Wirkungskreis baute Lassaulx rund 20 Kirchen neu auf und bestimmte wesentlich deren Innenausstattung, von Altarentwürfen über Orgelprospekte bis hin zur großflächigen Ausmalung.

Herrenhaus in Niederlahnstein

Mit der Einführung der Schulpflicht in der Rheinprovinz 1825 bestand zudem ein großer Bedarf an Schulgebäuden. Bis 1834 wurden 20 Schulen von Lassaulx errichtet. Daneben baute er das Rheinmuseum in Koblenz, Pfarrhäuser, Hospitäler und Wohnhäuser, darunter das 1828 erbaute Herrenhaus (Wohnhaus) der Hohenrheiner Hütte in Niederlahnstein, das heute noch nahe der Ruppertsklamm am Lahnufer steht.

Von zahlreichen Kirchen und Gebäuden fertigte er präzise Bauaufnahmen an, führte auch weitreichende Restaurierungsmaßnahmen, darunter an der Basilika St. Kastor in Koblenz. Er baute zudem den Königsstuhl in Rhens neu auf.

Lassaulx architektonisches Werk trägt dabei ganz eigene, aus verschiedenen Stilrichtungen kombinierte Züge. Die markante Gestaltung der Außenfassaden mit großen Rundbogenfenstern, rhythmischen Segmentbogenfriesen, Blendbögen, Lisenen und Zierfriesen lassen an zahlreichen Gebäudetypen seine Handschrift erkennen. Besonders auffällig ist die Anwendung einer facettenreichen, auf byzantinische und italienische Vorbilder zurückgreifende Strukturpolychromie, in der die unterschiedliche Farbigkeit des heimischen Steinmaterials konsequent zur ornamentalen Belebung von Fassaden eingesetzt wird.

Auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. bot Lassaulx auch die Wiederrichtung des 1844 eingestürzten Turmes der Johanniskirche oder ihre vollständige Wiederherstellung an. Der König hatte kurz zuvor Schloss Stolzenfels zu seiner Sommerresidenz ausgebaut und schaute als Nachbar auf die Ruine. Er versprach, sich an der Hälfte der Baukosten zu beteiligen, andernfalls die Ruine aufzukaufen, um sie nach seinen Wünschen zu restaurieren.

Nassauische Regierung dagegen

Während die Gemeinde Niederlahnstein zum Verkauf bereit war, da ihr der Ausbau der Barbarakirche wichtiger war, war die nassauische Regierung in Wiesbaden anderer Meinung: Die Gemeinde dürfe ein so ehrwürdiges Denkmal nicht veräußern und müsse bereit sein, für seine Erhaltung etwas zu tun. Da kein Konsens gefunden wurde, machten Regierung und Oberpräsidium gemeinsam dem preußischen König ein drittes Angebot: Der König bezahle komplett die Wiederherstellung der Johanniskirche nach eigenen Wünschen, aber sie verbleibe nebst Geläut und Friedhof im Eigentum der Gemeinde und „darf nicht zu einem dem katholischen Gottesdienst fremden Gebrauch zugeführt werden“. Dieses Angebot lehnte der König allerdings ab, sodass zu Lassaulx Lebzeiten die Johanniskirche Ruine blieb.

Am 14. Oktober 1848 verstarb Johann Claudius von Lassaulx und wurde in Weißenthurm beigesetzt. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Architekten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch sein Wirken hat er als Architekt und Denkmalpfleger die Region des Mittelrheins nachhaltig geprägt. red