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    Kommentar: Ditib scheidet als Partner für Islamunterricht im Land aus

    Ditib-Imame spionieren im Auftrag des türkischen Staats ihre deutschen Moscheegemeinden aus. Sie liefern Informationen über die Gülen-Bewegung nach Ankara - aus Nordrhein-Westfalen, aus Bayern und aus dem Westerwald. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) scheidet damit als Partner des Landes Rheinland-Pfalz für islamischen Religionsunterricht an Schulen aus. Die unterbrochenen Verhandlungen sollten ganz abgebrochen werden.

    Carsten Zillmann
    Carsten Zillmann

    Carsten Zillmann zur Spionage von Ditib-Imamen

    Seit dem Militärputsch in der Türkei diskutiert Rheinland-Pfalz über die Rolle von Ditib. Ist der Verband eine apolitische Glaubensgemeinschaft, die fest auf dem Boden des deutschen Grundgesetzes steht oder ist es der viel zitierte verlängerte Arm der Türkei? Zwei Gutachten liegen vor. Tenor: alles nicht so wild. Die Imame werden zwar vom türkischen Staat entsendet und bezahlt, der Einfluss auf die Gemeinden ist aber klein, beschränkt sich lediglich auf religiöse Fragen.

    Die Dokumente, die "Cumhuriyet" und "Welt" nun veröffentlicht haben, zeichnen ein konträres Bild. Das Netzwerk der Imame ist eine Art zweiter Geheimdienst, der neben den "offiziellen" Agenten des türkischen Nachrichtendienstes MIT Jagd auf die Anhänger des Predigers Fethullah Gülen macht. Dessen Erzfeind Recep Tayyip Erdogan ruft die Imame zum Spitzeln auf. Deutlicher könnte eine Abhängigkeit kaum sein.

    Für viele Muslime in Rheinland-Pfalz ist das ein schwerer Rückschlag. Ein flächendeckender Religionsunterricht, der für die Integration absolut notwendig ist, rückt damit in weite Ferne. Ditib ist der größte und bestorganisierte Vertreter islamischer Interessen. Das Land Rheinland-Pfalz sollte nun dem nordrhein-westfälischen Weg folgen und sich seinen Kooperationspartner einfach selbst kreieren.

    Das Grundgesetz fordert eine religiöse Vereinigung als Partner, um Religionsunterricht an staatlichen Schulen zu erteilen. Nordrhein-Westfalen hat dazu einen Beirat für den islamischen Religionsunterricht gegründet, der diese Rolle einnimmt. Darin tummeln sich Vertreter verschiedener islamischer Vereine. Das Konstrukt wird kritisiert: Islamische Vertreter sprechen von einer staatlich aufgezwungenen "Verkirchlichung". Das System ist sicher nicht ideal, aber praktikabel. Und besser als ein verkappter Geheimdienst mit Moscheeanschluss ist es allemal.

    E-Mail: carsten.zillmann@rhein-zeitung.net

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