Archivierter Artikel vom 20.12.2010, 07:14 Uhr

Von Kleist über Gaga bis Walser: Das Kulturjahr 2011

Theater gehen raus auf die Straße, Opernhäuser suchen nach neuen Stoffen, Museen locken mit großen Ausstellungen – in Zeiten knapper Kassen buhlen die Kulturmacher 2011 mehr denn je um die Gunst der Besucher. Literatur-Liebhaber können sich auf einen spannenden Bücherfrühling freuen – und Pop-Hörer auf ein neues Lady-Gaga-Album. Ein Ausblick aufs Kulturjahr.

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Alles überstrahlender Stern am Pop-Himmel: Lady Gaga bringt ein neues Album heraus.
Alles überstrahlender Stern am Pop-Himmel: Lady Gaga bringt ein neues Album heraus.
Foto: dpa

Theater gehen raus auf die Straße, Opernhäuser suchen nach neuen Stoffen, Museen locken mit großen Ausstellungen – in Zeiten knapper Kassen buhlen die Kulturmacher 2011 mehr denn je um die Gunst der Besucher. Literatur-Liebhaber können sich auf einen spannenden Bücherfrühling freuen – und Pop-Hörer auf ein neues Lady-Gaga-Album. Ein Ausblick aufs Kulturjahr.

Gedenkjahre: Zum 200. Mal jährt sich der Todestag des Schriftstellers Heinrich von Kleist, der am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee in Berlin erst seine Freundin Henriette Vogel, dann sich selbst erschoss. Kleist, seinerzeit ein literarischer Außenseiter, zählt heute mit Werken wie „Der zerbrochne Krug“ und „Das Käthchen von Heilbronn“ zu den Klassikern der deutschen Literatur. Im Gedenkjahr gibt es eine Reihe von Projekten: „Kleist: Krise und Experiment“ heißt etwa eine Ausstellung im Ephraim-Palais Berlin und im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder). Zugleich wird im kommenden Jahr an den 200. Geburtstag von Franz Liszt erinnert, Komponist eines gewaltigen Werks und begnadeter Klaviervirtuose. Gefeiert wird vor allem in Thüringen. Das Themenjahr unter dem Leitwort „Franz Liszt. Ein Europäer in Thüringen“ hat etwa 200 Konzerte, Wettbewerbe, Ausstellungen und Installationen im Programm. Liszt – Schwiegervater von Richard Wagner – starb 1886 in Bayreuth, das Jahr 2011 markiert also auch seinen 125. Todestag.

Klassik: A propos Bayreuth: Die Richard-Wagner-Festspiele werden am 25. Juli einen neuen „Tannhäuser“ in der Regie von Sebastian Baumgarten präsentieren. Doch fast mehr Interesse könnte rund um den Grünen Hügel das Israelische Kammerorchester erregen, das am 26. Juli ein Konzert mit Wagner-Musik in Bayreuth geben will – trotz vieler Kritik aus dem eigenen Land, in dem Wagner wegen antisemitischer Positionen noch immer sehr umstritten ist. Unumstritten dagegen sind die Opernstars Anna Netrebko, Erwin Schrott und Jonas Kaufmann: Gemeinsam stehen sie in München (29. Juli, Königsplatz), Wien (6. August, Stadthalle) und Berlin (16. August, Waldbühne) auf der Bühne. Dass die Oper nach neuen Stoffen und neuem Publikum sucht, beweist eine Uraufführung am Royal Opera House London: In dem Werk „Anna Nicole“ (Premiere 17. Februar 2011) geht es um das turbulente Leben des Nacktmodels Anna Nicole Smith.

Pop: Lady Gaga ist zurzeit das Maß aller Dinge im Musik- und Mode-Kosmos – und wird's wohl auch 2011 bleiben. Im Frühjahr soll mit „Born This Way“ ein neues Album der omnipräsenten, mit Preisen überhäuften Pop-Künstlerin erscheinen, die vielen Experten und Fans als neue Madonna gilt. Sexy, provokant, musikalisch aber durchaus gehaltvoll: Die New Yorker Künstlerin, geborene Stefani Germanotta, bleibt die absolute Trendsetterin in der Popmusik.

Schauspiel: Mit den Überlebenden von Amokläufen, der Verantwortung der Medien und der Gesellschaft beschäftigt sich eine Uraufführung am Schauspielhaus in Chemnitz: „Feuer mit mir“ aus der Feder des jungen Dramatikers Oliver Kluck hat am 18. Februar Premiere. Die Münchner Kammerspiele wagen sich 2011 auf die Straße: Der neue Intendant Johan Simons will das Ensemble rausholen aus den großen Theatersälen. So soll beispielsweise „Die Perser“ von Aischylos im Frühsommer in einem Münchner Stadtteil aufgeführt werden – mit älteren Einwohnern als Chor. Unterdessen inszeniert der große alte Mann des Theaters, Claus Peymann, mal wieder seinen alten Burgtheater-Freund und -Mitstreiter Thomas Bernhard. „Einfach kompliziert“ hat am 12. Februar am Wiener Burgtheater Premiere und kommt noch im selben Monat ans Berliner Ensemble.

Ausstellungen: Ausstellungshöhepunkt des nächsten Jahres dürfte eine große Renaissance-Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel werden. Im Bode-Museum ist von August bis November 2011 die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ zu sehen. Ein weiteres mit Spannung erwartetes Ereignis ist die Wiedereröffnung des Frankfurter Städels. Nach Umbau und Renovierung wird gleich eine Blockbuster-Schau gezeigt: „Beckmann und Amerika“ (ab 7. Oktober) über die bedeutenden letzten Schaffensjahre des in New York gestorbenen Künstlers Max Beckmann (1884–1950) und seine „Idee von Amerika“.

Literatur: Neue Bücher von Philip Roth, Martin Suter, Arno Geiger, Orhan Pamuk und Siri Hustvedt kündigen die Verlage an. Martin Walser wird „Muttersohn“ vorlegen; der neue Roman von Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa „Der Traum des Kelten“ soll im Sommer erscheinen. Neue Sachbücher zu Debattenthemen wie Islamismus, Terrorismus und Klimawandel versprechen einen spannenden Bücherfrühling. Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (12. bis 16. Oktober) ist Island. Dafür will das Land seine berühmten Mittelalter-Sagas neu ins Deutsche übersetzen lassen. Außerdem werden rund 100 Werke isländischer Autoren in deutschen Verlagen erscheinen.