Archivierter Artikel vom 17.07.2010, 10:08 Uhr

Hemd, Hut und Hose sind der beste Sonnenschutz

Immer dasselbe Bild: Steigen die Temperaturen, fallen die Hüllen. Das ist nicht nur in ästhetischer Hinsicht oft problematisch. Wer meint, der Hitze am besten mit möglichst wenig Textilien beizukommen, sollte sich ein Vorbild an den Menschen nehmen, die in wirklich heißen Ländern zu Hause sind.

Immer dasselbe Bild: Steigen die Temperaturen, fallen die Hüllen. Das ist nicht nur in ästhetischer Hinsicht oft problematisch. Wer meint, der Hitze am besten mit möglichst wenig Textilien beizukommen, sollte sich ein Vorbild an den Menschen nehmen, die in wirklich heißen Ländern zu Hause sind. Sie wissen genau: Vor starker Sonne schützt Kleidung am besten. Tuch, Hut, Sonnenbrille oder auch ein Sonnenschirm sind kein modischer Schnickschnack, sondern ein Strahlenschutz.

Diese Tatsache greift auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf: „Jedes Hemd, jede Hose wirkt als Sonnenschutz. Wie stark, hängt von der Webdichte und den Farben ab. Je dichter das Gewebe und je kräftiger die Farben, desto besser der Schutz.“ Sinnvoll können Spezialtextilien sein, die das UV-Licht filtern. Allheilmittel sind sie aber nicht, schränken die Verbraucherschützer sein.

Kleidung als Lichtschutz ist auch für Hautarzt Dr. Claus Oster-Schmidt aus Altenkirchen das A und O. „Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene“, betont er. „Für besonders gefährdete Menschen gibt es mittlerweile auch hervorragende Sonnenschutztextilien, vom Hemd bis zum Hut,“ sagt Oster-Schmidt. Zusätzlicher Schutz wie Sonnencreme, -milch oder -spray ist eine sinnvolle Ergänzung, vor allem, wenn man wenig Kleidung trägt, etwa am Strand. „Aber hier ist es wichtig, großzügig beim Eincremen zu sein.“ Wer annimmt, eine 200-Milliliter-Flasche genügt für die Familie beim Badeurlaub, riskiert schwere Verbrennungen. „Genügend eincremen heißt: 30 bis 40 Gramm für den ganzen Körper.“ Grob gerechnet bedeutet das: mindestens drei bis vier Esslöffel Sonnenmilch auftragen. „Schon beim Eincremen des Gesichts darf nicht gespart werden“, unterstreicht der Hautarzt. Wer zu Hautallergien neigt, sollte nach Rücksprache mit seinem Arzt oder Apotheker auf physikalischen Sonnenschutz zurückgreifen, also Mittel, die das Sonnenlicht reflektieren. Das erledigen Pigmente von Titandioxid und Zinkoxid. „Für Kinder sind solche Präparate ohnehin am besten geeignet,“ sagt Oster-Schmidt.

Sonne und Medikamente, ein anderer wichtiger Punkt, vertragen sich nicht immer. „Patienten, die bestimmte Antibiotika nehmen oder Herzpräparate, müssen sich erkundigen, ob dadurch die Lichtempfindlichkeit erhöht wird. Das gilt auch für Menschen, die Bluthochdruck haben und sogenannte Diuretika nehmen. Das heißt: Diese Menschen sollten sich nicht ohne ausreichenden Schutz länger in der Sonne aufhalten.“ Vorsicht ist auch bei Johanniskraut-Präparaten geboten, die es in Apotheken und Reformhäusern gibt. Diese „Stimmungsaufheller“ erhöhen die Sonnenbrandgefahr enorm.

Was ist von Sonnenschutzkapseln zu halten? „Zusätzlich ja, aber wirklich nur zusätzlich. Viele meinen immer, eine Pille nehmen, und dann ist es gut. So ist es eben nicht. Aber, wie gesagt, sie können eine gute Ergänzung sein.“

Was sind die Hauptfehler, die wir in der Regel alle machen? Dr. Oster-Schmidt: „Viele unterschätzen die Folgen eines Sonnenbrandes. Die Haut vergisst sozusagen nichts und die Folgen können sich in Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Das heißt: Sonnenschutz ist enorm wichtig und Eltern müssen auch hier ein Vorbild für ihre Kinder sein.“ Hinzu kommt: „Die Strahlung der Sonne ist durch die Ozonschicht-Verdünnung intensiver geworden. Ich habe Patienten, die beispielsweise aus der Türkei stammen und sagen: Früher habe ich nie einen Sonnenbrand gehabt. Und jetzt muss ich wirklich aufpassen.“

Was wünscht sich ein Hautarzt in puncto Sonnenschutz? „Dass die vornehme Blässe wieder in Mode kommt. Punkt zwei ist, dass bei aller Liebe zur Reisewut von uns Deutschen manche vernünftiger wären. Also keine Reisen unternehmen in Gegenden, die ihnen und ihrer Haut einfach nicht bekommen.“

Von unserem Redakteur Jochen Kampmann