Archivierter Artikel vom 21.01.2014, 06:18 Uhr
München

ADAC-Skandal: Vertrauen in Autoklub bröckelt

Der Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ hat größere Dimensionen als bislang angenommen. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter schönte nach eigener Aussage nicht nur 2014, sondern auch die Jahre zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen.

Das sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair in München. Er kündigte umfassende Aufklärung an. Der Automobilklub will zudem seine Strukturen reformieren und für mehr Transparenz sorgen. Weitere personelle Konsequenzen soll es zunächst nicht geben. „Dieser Vorgang tut uns leid, er trifft den ADAC ins Mark, weil wir als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Organisationen galten, dieser Ruf ist jetzt angeschlagen“, erklärte Obermair.

Das Image des Automobilklubs hat Risse: Mit Aufklärung will der ADAC nach dem Skandal Vertrauen zurückgewinnen.
Das Image des Automobilklubs hat Risse: Mit Aufklärung will der ADAC nach dem Skandal Vertrauen zurückgewinnen.
Foto: Jens Weber

„Wir werden das lückenlos nach innen und nach außen aufarbeiten.“ Auch wolle man externe Prüfer dazuholen. Obermair bat die rund 19 Millionen ADAC-Mitglieder um Entschuldigung. „Wir sind jetzt in der Bringschuld, die Reputation wiederherzustellen.“ Dazu gehöre auch, dass man eine Studie zur Pkw-Maut erneut bei einem Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegeben habe. Auch Ramstetter selbst zeigte sich einsichtig: „Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

„Daraus ziehe ich die Konsequenzen und übernehme die Verantwortung.“ Ramstetter hatte nach Angaben Obermairs bereits am Freitag, einen Tag nach der Preisverleihung „Gelber Engel“, ein Geständnis abgelegt, die alleinige Verantwortung übernommen und seine Posten geräumt. Der 60- Jährige war auch Chefredakteur der Zeitschrift „Motorwelt“. Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoklub in Europa und der größte Verein in Deutschland.

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. „Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. „Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung“, sagte er.

Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. „Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“, sagte Seehofer. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zu Einnahmen aus der Maut gehabt. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wirft dem ADAC Arroganz und Selbstherrlichkeit vor.

„Man schottet sich ab“, sagte er. Offensichtlich aufgrund des Systems entwickelten sich Dinge, „die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen“.