Archivierter Artikel vom 02.04.2012, 16:25 Uhr
Berlin

Was sucht der Hase im Pfeffer? Lexikon der Hasen-Phrasen

Warum man von Angsthasen spricht, kann sich jeder denken. Warum der Hase im Pfeffer liegt, ist schon schwieriger. Und warum jemand, der seine Unschuld beteuert, von sich sagt «Mein Name ist Hase» – darauf kann man von allein nun wirklich nicht kommen.

Die Vorderläufe putzig erhoben, steht er derzeit wieder millionenfach im Regal – der Osterhase. Daneben gibt es aber auch noch alte Hasen, Angsthasen, Betthasen oder falsche Hasen. Ein kleines Lexikon der Hasen-Phrasen, erstellt mithilfe des Instituts für Deutsche Sprache.

Alter Hase: Ist Wolfgang Schäuble in der Politik und Thomas Gottschalk im Showgeschäft. Ein erfahrener Könner – so wie der Hase, der es im Abschütteln von Fuchs und Jäger mit den Jahren zu großer Meisterschaft gebracht hat.

Angsthase: Bezieht sich darauf, dass der Hase in freier Wildbahn vor Menschen davonläuft, weil sie ihm oft in meuchlerischer Absicht entgegentreten. Ob der Hase tatsächlich so etwas wie Angst verspürt, lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdschutzverbands in Berlin: «Als Biologe kann ich aber sagen, dass der Hase auf passive Abwehr setzt: Tarnung und Flucht. In beidem ist er besonders gut.»

Betthase: Spielt auf die Fortpflanzungsfreudigkeit des Hasen an. Schon bei den alten Ägyptern vertrat die Häsin als Begleiterin der Gottheit Unut das Prinzip der Fruchtbarkeit.

Da liegt der Hase im Pfeffer: Eine viele Jahrhunderte alte Redewendung. Heißt so viel wie: Das ist der entscheidende Punkt. Hasenpfeffer war früher eine scharfe Soße, in die der Hase eingelegt wurde. Es gibt unterschiedliche Theorien dazu, wie aus dieser Bezeichnung für ein Gericht die Redewendung entstanden ist. Vielleicht war ursprünglich gemeint, dass früher oder später jeder Hase auf dem Teller landet. Am Ende kreuzt der Mann im grünen Rock seine Schneise, ein Schuss ertönt, und das Hasenleben ist zuende. Das ist letztlich das Entscheidende.

Falscher Hase: Ist ein Braten aus Hackfleisch. Die meisten Leute kamen früher ihr ganzes Leben lang nie in den Genuss eines Hasenbratens. Es reichte nur für einen «falschen Hasen» – zum Beispiel aus einer Katze!

Hasenfuß: Heute ein anderes Wort für Angsthase. Ursprünglich war die Bedeutung aber eine andere, die sich bis heute im Englischen erhalten hat: Dort bezeichnet ein «hare foot» einen flinken Läufer, ist also positiv gemeint. Hasen bringen es auf Spitzengeschwindigkeiten von 75 Kilometern in der Stunde.

Mein Name ist Hase: Geht auf den Heidelberger Jurastudenten Victor von Hase (1834-1860) zurück. Ein Freund desselben erschoss 1854 einen Gegner im Duell. Von Hase verhalf ihm zur Flucht nach Frankreich, indem er ihm seinen Studentenausweis gab. Damit konnte der Duellant über die Grenze. Die Sache flog jedoch auf, und von Hase musste sich vor Gericht verantworten. Zu Beginn der Verhandlung erklärte er: «Mein Name ist Hase. Ich verneine die Gegenfragen – ich weiß von nichts.» Diese Worte machten zunächst bei den deutschen Burschenschaften die Runde, gingen dann in den allgemeinen Sprachgebrauch über und fanden sogar Eingang ins Niederländische: «Mijn naam is Haas», ist dort ebenfalls eine geläufige Wendung.

Wissen, wie der Hase läuft: Ein erfahrener Jäger kann einschätzen, in welche Richtung der Hase flieht, und lässt sich von seinem Hakenschlagen nicht beeindrucken.

Institut für Deutsche Sprache