Archivierter Artikel vom 13.01.2011, 19:45 Uhr
St. Goarshausen

Strömung an der Loreley lässt Tauchern keine Chance – Wasserschutzpolizei hörte Hilferufe

Alle Kräfte, die Feuerwehren, Hilfsdienste aus der Region und Polizei aufbieten konnten, waren im Einsatz, um an der Loreley ein gekentertes Tankschiff zu stabilisieren und nach vermissten Besatzungsmitgliedern zu suchen.

Alle verfügbaren Boote der Feuerwehren am Mittelrhein wurden alarmiert. Sie suchten den Fluss zwischen St. Goar und Spay nach den Vermissten ab.
Alle verfügbaren Boote der Feuerwehren am Mittelrhein wurden alarmiert. Sie suchten den Fluss zwischen St. Goar und Spay nach den Vermissten ab.
Foto: Suzanne Breitbach

St. Goarshausen – Alle Kräfte, die Feuerwehren, Hilfsdienste aus der Region und Polizei aufbieten konnten, waren im Einsatz, um an der Loreley ein gekentertes Tankschiff zu stabilisieren und nach vermissten Besatzungsmitgliedern zu suchen.

Das Hochwasser steigt und es tritt doch – entgegen allen vorherigen Meldungen – Schwefelsäure aus der gekenterten TMS „Waldhof“ aus – die Situation am Fuße der Loreley kann man per RZ-WebCam beobachten.

RZ-WebCam

Hilfsdienste wie das THW versorgen die Bootsleute vom Ufer aus, das herrschende Hochwasser auf dem Rhein macht derzeit alles schwieriger.

Suzanne Breitbach

Frischwasser wurde am Samstagnachmittag im Hafen Hunt in St. Goar durch das THW in den Tank an Bord des Bootes verladen ebenso wiee Lebensmittel, um die Rheinschiffer, denen die Reserven knapp wurden, zu versorgen.

Suzanne Breitbach

Nach der Havarie des Schwefelsäure- Tankschiffs am Donnerstag stauen sich auf dem Rhein, hier an der Uferstraße bei Bad Salzig, die mit Containern beladenen Frachtschiffe.

Thomas Frey, dpa

3400 Tonnen hochgiftige Substanz mit Stahlmantel liegen im Hochwasser führenden Rhein – auch für Experten ein kaum kalkulierbares Risiko.

dpa

Einsatzkräfte auf dem Rumpf der gekenterten „TMS Waldhoff“ : Die Experten suchen nach einer Strategie, die es erlaubt, das Schiff mit seiner giftigen Fracht gefahrlos ans Ufer zu ziehen.

dpa

Größtes Risiko: Was passiert, wenn der Tanker auseinander bricht und die Säure unkokntrolliert in den Rhein fließt?

dpa

Ein außerordentlicher Termin auch für Ministerpräsident Beck: Er kam schon am Mittag an die Unglücksstelle und informierte sich über die Lage.

dpa

Erste Auswertungen zeigen, dass das Schiff völlig normal gefahren war, bevor es am frühen Donnerstagmorgen vom Radar verschwand. Seither liegt es – nun eingermaßen stabil fixiert – im Rhein.

dpa

Die Taucher der Freiwilligen Feuerwehr Lahnstein, als sie von mehreren Überwachungsfahrten am Havaristen an der Loreley zur Einsatzleitung zurückkehrten.

dpa/Suzanne Breitbach

Um das Schiff zu bergen, wird nun ein Expertenteam gebildet, dem auch Fachleute eines Spezialunternehmens aus Bulgarien angehören sollen.

dpa/Suzanne Breitbach

Aus Duisburg und Rotterdam sollen nach Angaben von Beck vier Kräne herbeigeschafft werden, die in der Lage sind, solche schweren Lasten zu heben.

dpa

Schlepper versuchen am Donnerstag den gekenterten Tanker auf dem Rhein abzuschleppen.

dpa/Suzanne Breitbach

Die Unglücksstelle in einer Kurve ist ein Nadelöhr, das für die Schifffahrt als sehr anspruchsvoll gilt.

dpa/Suzanne Breitbach

Das Hochwasser am Nadelöhr des Mittelrheins macht die Fixierung des Schiffes noch schwerer – leichter Säureaustritt.

dpa

Das Hochwasser macht die Schifffahrt direkt an der Loreley-Skulptur noch schwieriger.

dpa/Suzanne Breitbach

An der Einfahrt zum Hafen St. Goarshausen hat sich der Krisenstab aufgebaut.

dpa/Suzanne Breitbach

Der Rhein an dieser für die Schiffahrt besonders schwierigen Stelle ist gesperrt.

dpa/Suzanne Breitbach

Der Bereich Boppard bis Oberwesel ist für den Schiffsverkehr voll gesperrt, an zahlreichen Liegeplätze wie in Bad Salzig ankern die Rheinschiffer.

dpa/Suzanne Breitbach

Das Hochwasser am Nadelöhr des Mittelrheins macht die Fixierung des Schiffes noch schwerer – leichter Säureaustritt.

dpa

Zudem befinden sich zwei vermisste Männer wahrscheinlich im Innern des Tankers, die zuerst geborgen werden sollen.

dpa/Suzanne Breitbach

Für die Rettungskräfte war es neben der Suche nach den Vermissten die Hauptanforderung, den Havaristen gegen Abtreiben zu sichern.

dpa/Suzanne Breitbach

Es werden Drähte am Rumpf angebracht, um das sich leicht bewegende Schiff festzuzurren.

dpa/Suzanne Breitbach

Derzeit ist es in der Fahrrinne stabilisiert.

dpa/Suzanne Breitbach

Um 5.12 Uhr kenterte das Güterschiff mit vier Mann an Bord. Zwei Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, von den anderen fehlt bislang jede Spur. Wahrscheinlich befinden sie sich noch im Schiffswrack.

Wasserschutzpolizei hörte Hilferufe im Dunkeln

Thomas Bredel, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Wasserschutzpolizeistation St. Goar, sah in der Dunkelheit zum Unfallzeitpunkt das größte Problem bei der Rettung der Schiffbrüchigen: „Beim Annähern an das gekenterte Schiff hörten wir zuerst nur Hilferufe aus einer Richtung. Dann erkannten wir im Scheinwerferlicht einen Mann, der sich an der Reling festklammerte, Ihn konnten wir an Bord nehmen. Von den anderen drei keine Spur.“ Ein zweiter Schiffbrüchiger wurde von einem anderen Schiff aufgenommen.
Da auch von den Suchmannschaften entlang des Rheins keine guten Meldungen hereinkamen, schwand die Hoffnung, die beiden anderen Verunglückten noch lebend zu finden, auf ein Minimum. Gerd Holzhäuser, stellvertretender Feuerwehrinspekteur des Rhein-Lahn-Kreises und Leiter des Einsatzabschnitts Feuerwehr, schloss nicht aus, dass sich „doch noch einer der beiden im Schiff befinden könnte, und da kommt jede Hilfe zu spät“.

Riesiges Aufgebot von Hilfskräften kam an die Unglücksstelle

In die Suche nach den Vermissten hatte die Wasserschutzpolizei auch alle sonstigen Schiffe und Boote eingebunden, die talwärts in Richtung Koblenz unterwegs waren. Von den Feuerwehren eingesetzt waren fast alle Einheiten links und rechts des Rheins. Die Feuerwehr aus Lahnstein rückte mit dem Gefahrstoffzug und der Taucherstaffel an, um das Tankschiff zu untersuchen.
Die Berufsfeuerwehr Koblenz und die Einheit St. Goarshausen waren mit ihren Feuerlöschbooten im Einsatz. Die Landespolizeischule stellte notwendiges Gerät zur Einrichtung einer Einsatzleitung zur Verfügung, das Polizeipräsidium Koblenz schickte sein Einsatzleitfahrzeug, mit dem ein Nachrichtendienst mit Internetverbindung eingerichtet wurde.

BASF-Experten entschärften Situation:Stoff weder explosiv noch brennbar, noch leicht flüchtig#Die Wasserschutzpolizei war mit Booten aus Bingen, St. Goar und Koblenz im Einsatz. Die BASF hatte aus Ludwigshafen, wo das Tankschiff gestartet war, Experten geschickt, um bei der Behandlung der Ladung, 2500 Tonnen Schwefelsäure, beratend zur Seite zu stehen. Sie entschärften die Situation, indem sie erklärten, dass der Stoff weder explosiv noch brennbar, noch leicht flüchtig sei.

Die Einsatzkräfte am Parkplatz unterhalb des Loreleyfelsens hatten sehr schnell Zelte und die notwendige Technik aufgebaut für die Einsatzbesprechungen und für die Pressekonferenz, zu der etliche Fernseh- und Rundfunkanstalten sowie Printmedien ihre Vertreter entsandt hatten.
Sehr willkommen war die Schnelle Einsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, die ein Verpflegungszelt aufgebaut und den ersten heißen Kaffee angeboten hatte. Für die Boote der Feuerwehren und der Wasserschutzpolizei waren rasch Anlegestellen im Hafen geschaffen worden. Aber die waren nicht oft belegt.
Tauchen war zu gefährlich – der Havarist schlingerte zu stark

Die Boote waren vielmehr draußen rund um den Havaristen im Einsatz, denn die Taucher der Feuerwehr Lahnstein waren ständig dabei, das verunglückte Schiff zu untersuchen. Tauchen aber durften sie zunächst noch nicht, weil das Schiff in seiner Seitenlage instabil schlingerte. Es wurde von Schleppern festgehalten, bewegte sich aber ständig. „Wirklich unnötig und mit hoher Selbstgefährdung wollen wir ja auch nicht unbedingt bei dieser Temperatur ins Wasser. Da hilft auch der Neoprenanzug auf Dauer nicht allzu viel“, sagte einer der Taucher. Später wurde das Schiff mit Tauen am Ufer festgebunden.

Auch Radaraufzeichnungen konnten Ursache für Kentern nicht erklären
Zur Unglücksursache konnte Martin Mauermann, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, noch keine genauen Angaben machen: „Wir haben die Radaraufzeichnungen zwar Bild für Bild wie einen Film ausgewertet, aber es haben sich keine Hinweise auf eine Unfallursache ergeben, auch war kein anderes Schiff beteiligt.“