Archivierter Artikel vom 17.01.2011, 22:42 Uhr
St. Goarshausen

Schwarzes Loch an der „Waldhof“ gefährdet Bergung

Die Bergung der „Waldhof“ verzögert sich nicht nur erheblich, die Lage des gekenterten Schiffs wird auch instabiler. Die gewaltigen Kräfte, die im Rhein wirken, sind dafür verantwortlich.

Ein sogenannter Höhenschichtplan nach Messungen des Messschiffs "Unkelstein" an der Waldhof: Dunkelblaue Flächen zeigen eine Wassertiefe von mehr als 5,10 Meter, an den schwarzen ist der Rhein tiefer als 7.50 Meter. Die Strömung hat dort ein Strudelloch in den Grund gegraben.<br />
Ein sogenannter Höhenschichtplan nach Messungen des Messschiffs „Unkelstein“ an der Waldhof: Dunkelblaue Flächen zeigen eine Wassertiefe von mehr als 5,10 Meter, an den schwarzen ist der Rhein tiefer als 7.50 Meter. Die Strömung hat dort ein Strudelloch in den Grund gegraben.

St. Goarshausen – Die Bergung der „Waldhof“ verzögert sich nicht nur erheblich, die Lage des gekenterten Schiffs wird auch instabiler. Die gewaltigen Kräfte, die im Rhein wirken, sind dafür verantwortlich.

Im Rhein klafft ein schwarzes Loch. So zeigt es eine Aufnahme eines Sonargeräts von der Stelle, an der die „Waldhof“ auf Grund liegt. „Bei Flächenpeilungen wurde festgestellt, dass entlang des gesunkenen Tankschiffs ein mehrere Meter tiefer Kolk in der Rheinsohle entstanden ist“, erklärt dazu Martin Mauermann, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Bingen. Die schwarzen Stellen auf der Aufnahme zeigen, dass die starke Strömung des Rheins den Kolk, also das entstandene Strudelloch, auf mehr als 7,50 Meter vertieft hatte.

Das kann erhebliche Folgen haben: „Es besteht die akute Gefahr, dass die Waldhof in den Kolk abgleitet“, so Mauermann. Weil die Stabilität gefährdet ist, sind auch die eigentlich für den Dienstag geplanten Versuchsfahrten wieder abgeblasen worden.

Damit nicht genug: Auch die Erfolgsaussichten der Bergung hängen maßgeblich davon ab, dass das Tankschiff in einer stabilen Position liegt. Am Dienstag sind deshalb zunächst einmal neue Sicherungsmaßnahmen an dem gesunkenen Schiff geplant. Danach könnte vielleicht am Mittwoch die Schiffahrt wieder versuchsweise aufgenommen werden – während die Lage der Waldhof“ vermessungstechnisch überwacht wird.

Die Bergung verzögert das nicht – da ist nämlich ohnehin noch Warten angesagt: Zwar wurden Spezialschiffe von Mammoet Maritime bereits am Freitag angefordert. Zwei Schiffe aus Duisburg sind aber erst am Montag aufgebrochen, weil sie zuvor nicht unter einer Brücke durchgepasst hätten. Die beiden weiteren Schwimmkräne aus den Niederlanden werden erst am Mittwoch die Fahrt rheinaufwärts antreten. Sie benötigen etwa eine Woche Fahrzeit bis nach St. Goarshausen.

Die Bergung selbst wird dann drei bis vier Wochen dauern, schätzen Fachleute. Die Experten sind dagegen bereits „vor Ort“ und bereiten den eigentlichen Bergungsakt vor. Am Montag hieß es, dass aus Sicherheitsgründen die Hafenbereiche in St. Goarshausen und die Bürgersteige am rechten Rheinufer in unmittelbarer Nähe zu dem havarierten Schiff für Schaulustige gesperrt werden.