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Wie funktioniert das Riesenteleskop, mit dem man einen Golfball auf dem Mond fotografieren könnte?

Die im Event Horizon Telescope (EHT) eingesetzte Technik heißt Very-Long-Baseline Interferometrie, kurz VLBI. Dabei beobachten mehrere weit voneinander entfernte Radioteleskope den gleichen Himmelskörper auf der gleichen Frequenz. Die Messdaten werden von Computern aufgezeichnet und mit äußerst genauen Zeitmarkierungen, „Zeitstempeln“, versehen. Die Aufzeichnungen werden über das Internet oder mit Datenträgern, meist Festplatten, in ein Rechenzentrum transportiert und dort mit ausgefeilten mathematischen Methoden zu einem Bild zusammengerechnet. Den sehr leistungsfähigen Computer nennt man Korrelator. Das kombinierte Ergebnis kann winzige Details auflösen, so, als ob das Bild von einem hunderte Kilometer durchmessenden Einzelteleskop aufgenommen worden wäre. Mit dieser Auflösung könnte man vom Erdboden aus einen Golfball auf dem Mond identifizieren.

Für das EHT-Projekt beobachten acht Radioteleskope weltweit sechs verschiedene Schwarze-Loch-Kandidaten, darunter Sagittarius A* (gesprochen „A Stern“) im 25.000 Lichtjahre entfernten Zentrum unserer Heimatgalaxie, der sogenannten Milchstraße und ähnliche, noch viel gewaltigere Objekte in fernen Galaxien, die zwischen 13 und 3500 Millionen Lichtjahre weit weg sind. Die Teleskope stehen in Südspanien, in Chile, auf Hawaii, in Arizona, Mexiko und am Südpol. Die gewonnenen Daten werden während der Messungen vom 4. bis 14. April auf vielen Dutzend handelsüblichen 8-Terabyte-Festplatten gespeichert und zu den beiden Korrelatoren des Projektes verfrachtet. Außer im Fall des Südpolteleskops geschieht das über normale Paketunternehmen. Ein Korrelator befindet sich MPIfR in Bonn , der zweite am Haystack Observatory im US-Bundesstaat Masachussetts.

Diese VLBI-Technik kann man auch umgekehrt verwenden, indem man bekannte Himmelsobjekte anvisiert und aus den geringfügig unterschiedlichen Laufzeiten der Signale zum Beispiel die Bewegung Kontinentalplatten messen kann, auf denen die einzelnen Radioteleskope stehen. Die Genauigkeit in dieser Erdvermessung, Geodäsie, liegt dabei im Millimeterbereich. Jochen Magnus

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