Archivierter Artikel vom 14.04.2017, 14:45 Uhr
Cambridge/Bonn

Alles im Kasten? Weltweite Bilderjagd auf Schwarze Löcher abgeschlossen

Nach rund zehn Tagen intensiven Spähens ins All mit der Hoffnung auf ein erstes Bild von einem schwarzen Loch sind die deutschen Beteiligten des „Event Horizon“-Teleskop-Netzwerks optimistisch. Die Beobachtungen mit dem IRAM-Teleskop in der spanischen Sierra Nevada, an dem die deutsche Max-Planck-Gesellschaft beteiligt ist, hätten „reibungslos“ funktioniert, teilten die Verantwortlichen mit. Das Wetter sei „exzellent für die Jahreszeit“ gewesen.

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Auf gleich sechs Pressekonferenzen präsentierten die Forscher des „Event Horizon“-Teleskopnetzwerks (EHT) am Mittwoch zeitgleich die Aufnahme des schwarzen Lochs in der fernen Galaxie M87. Der Bereich, in dem das Material der Akkretionsscheibe um das Loch herum in Richtung der Erde rast, ist heller. Dort, wo die Materie sich von der Erde wegbewegt, fällt die Aufnahme dunkler aus. Foto: Event Horizon Telescope – Jochen Magnus, Alan Roy, MPIfR

Jochen Magnus, Alan Roy, MPIfR

Das internationale ALMA-Teleskop (oben) steht in 5000 Meter Höhe in den chilenischen Anden. Es besteht aus 66 „Schüsseln“ zwischen 7 und 12 Metern Durchmesser. Sie empfangen Wellen im Millimeter- und Submillimeterbereich.

ESO/B. Tafreshi (twanight.org)

Das APEX-Teleskop in der chilenischen Atacama-Hochwüste Es wurde vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) mitentwickelt uns war ein Prototyp der ALMA-Antennen . So erfolgreich, dass APEX noch immer in Betrieb ist und ständig verbessert wird. Wie ALMA nimmt es an den Aufnahmen der Schwarzen Löcher im Rahmen des Event Horizon Telescope-Projekts (EHT) teil.

Alan Roy, MPIfR

Schnee schaufeln ist in 5100 Metern Höhe extrem anstregend.

Alan Roy, MPIfR

Astronom Dr. Alan Roy im Kabelgewirr der APEX-Antenne.

MPIfR

Die acht am Event Horizon Telescope-Projekt teilnehmenden Radioteleskope.

MPIfR

Besuch in einer Denkfabrik, im Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Die Wissenschaftler debattieren auch schon mal im Flur und pinnen ihre Formeln auf die Glaswand des Treppenhauses.

Jochen Magnus

Im Rechenzentrum des MPIfR in Bonn werden die Daten der acht Teleskope miteinander verknüpft (korreliert).

Jochen Magnus

Professor Michael Kramer, einer der drei Direktoren des MPIfR und Spezialist für Fundamentalphysik, legte zusammen mit dem holländischen Astronom Heino Falcke den Grundstein für das „Black Hole Cam“-Projekt, das sich nun am weltweiten Event Horizon Telescope beteiligt.

Jochen Magnus

Astronom Dr. Alan Roy vom MPIfR betreut das APEX-Teleskop und beobachtet dort.

Jochen Magnus

Elektronik-Ingenieur Michael Wunderlich arbeitet an Spezialelektronik für Radioteleskope, hier an einem Analog/Digitalwandler, der die Signale aus der Antenne digitalisiert. Nur eine Handvoll Institute weltweit planen die Schaltungen und nur wenige Firmen können die Mikrometer-Feinstrukturen überhaupt bauen.

Jochen Magnus

Professor Eduardo Ros, einer dem am EHT beteiligten Astronomen, zeigt ausgemusterte Spezialhardware, die früher einmal die Daten verschiedener Teleskope zusammenrechnete (korrelierte). Heute übernehmen das handelsübliche Prozessoren – allerdings gleich viele hundert gleichzeitig. Früher mussten teure Spezialchips dafür hergestellt werden.

Jochen Magnus

So ähnlich könnte das Schattenbild des Schwarzen Lochs („Sagittarius A*“) im Zentrum der Milchstraße aussehen.

MPIfR

Auch an den anderen Teleskop-Standorten weltweit seien die Bedingungen bei Technik und Wetter gut gewesen. „Ob die Daten an allen acht Standorten allerdings tatsächlich einwandfrei aufgenommen wurden, wird sich erst in ein paar Monaten klären, wenn alle Daten zusammengeführt werden konnten.“ Die Beobachtungen des „Event Horizon“-Teleskop-Netzwerks waren vom 5. April bis zum Karfreitag angesetzt gewesen.

Dabei könnte ein Bild entstanden sein, das erstmals ein Schwarzes Loch zeigt – einen schwarzen Kreis mit einem hellen Ring. Der Ring stellt Gas und Staub dar, die von dem Loch extrem beschleunigt und schließlich verschlungen werden. Bis ein solches Bild veröffentlicht werden könnte, würden allerdings Monate vergehen, da die Datenauswertung sehr aufwendig ist. Im vergangenen Jahr war der Versuch, ein solches Bild aufzunehmen, gescheitert. dpa