Archivierter Artikel vom 10.01.2012, 19:03 Uhr

Trainingslager-Tagebuch (5): Kollege Grützner ist auf einem gutem Weg

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Spätestens um halb acht jedoch droht sie im Hilton Sa Torre Mallorca aus den Fugen zu geraten. Dann geben sich im kleinen Fitnessraum des 05-Domizils vier Mainzer Journalisten ein Stelldichein. Der Crosstrainer scheppert, die Laufbänder dröhnen, das Ergometerrad ächzt.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Spätestens um halb acht jedoch droht sie im Hilton Sa Torre Mallorca aus den Fugen zu geraten. Dann geben sich im kleinen Fitnessraum des 05-Domizils vier Mainzer Journalisten ein Stelldichein. Der Crosstrainer scheppert, die Laufbänder dröhnen, das Ergometerrad ächzt.

Während sich andere mit den bereitgelegten Handtüchern den reichlich fließenden Schweiß abwischen, zweckentfremdet der Kollege Rehberg das Seinige, indem er damit das Display seines Rades verhüllt. „Ich lass’ mich doch von den Zahlen nicht unter Druck setzen“, brummt er und strampelt weiter. Das hindert ihn jedoch nicht daran, am Ende seiner Übung auf die grün leuchtende elektronische Anzeige zu deuten und zu verkünden: „45 Minuten. 17,1 Kilometer. 430 Kalorien.“

AZ-Kollege Grützner ist derweil längst vom Band gestiegen, widmet sich den Hanteln oder macht es sich auf der Gymnastikmatte unbequem. Lat-Zug, Liegestütze, Sit-ups – alles, was die Muskulatur begehrt. Sollte das Gerücht stimmen, wonach es das Ziel des einstigen Sportstudenten ist, sich einen Oberkörper anzutrainieren, wie ihn 05-Torwart Heinz Müller durch die Gegend trägt, ist er auf einem ziemlich guten Weg. Jetzt müssten sich nur noch ein paar Leute finden, die ihn ein wenig in die Länge ziehen.

Doch auch bei den MRZ-Schreibern zeichnen sich erste Erfolge ab. Der eine sortiert beim Abendessen unter Verweis auf eine Walnussallergie alle Walnüsse aus dem Walnusssalat, den er als Vorspeise geordert hat – lässt aber auf die Frage, was passieren würde, wenn…, Taten folgen und keine Reste auf dem Teller. Ohne, dass er auch nur einmal japsen müsste.

Der andere hat offenbar seine jahrzehntealte chronische Rotweinunverträglichkeit herausgeschwitzt und betreibt eine auf mehrere Abende angelegte umfassende empirische Studie, ob dies auch tatsächlich auf alle spanischen und mallorquinischen Rebsorten und Anbaugebiete zutrifft.

Beim Kollegen Rehberg zeigt das um spätabendliches Powerwalking unter sternenklarem Himmel ergänzte Fitnessprogramm übrigens auch seine teure Seite: Eines nicht allzu fernen Tages wird er ein halbes Vermögen zum Herrenausstatter seiner Wahl tragen, um den etwas geräumig gewordenen Inhalt des Kleiderschrankes zu ersetzen.

Morgens um zehn, wenn die Journalisten den Frühstückstisch verlassen, fragt der gerade eintreffende 05-Vorstandsberater Werner Wehner fast schon routinemäßig, aber immer wieder aufs Neue erstaunt: „Wie kann man denn jetzt schon so fit sein? Ihr habt doch gestern Abend auch noch länger in der Bar gesessen.“

Wir werden uns hüten, ihm einen Tipp zu geben. Für mehr als vier Leute ist im Fitnessraum kein Platz.

Peter H. Eisenhuth