Archivierter Artikel vom 23.02.2011, 08:29 Uhr
Fluterschen

Missbrauchs-Prozess Fluterschen in Koblenz: Protokoll vergeblicher Hilferufe: Adoptivsöhne machten Verdacht gegen Detlef S. schon 2002 öffentlich

Das Missbrauchsdrama von Fluterschen – am 10. August 2010 war es endlich vorbei. Detlef S. (48) hatte seine Tochter (18) jahrelang missbraucht. Doch dann nahm sie allen Mut zusammen. Sie schrieb ihm einen Brief, machte ihm schwere Vorwürfe und beschimpfte ihn als ein „krankes, pädophiles Stück Scheiße“. Dann zeigte sie ihn an. Detlef S. wurde sofort festgenommen.

Fluterschen. Das Missbrauchsdrama von Fluterschen – am 10. August 2010 war es endlich vorbei. Detlef S. (48) hatte seine Tochter (18) jahrelang missbraucht. Doch dann nahm sie allen Mut zusammen. Sie schrieb ihm einen Brief, machte ihm schwere Vorwürfe und beschimpfte ihn als ein „krankes, pädophiles Stück Scheiße“. Dann zeigte sie ihn an. Detlef S. wurde sofort festgenommen.

Doch das Drama hätte vielleicht früher beendet werden können. Immer wieder gab es Hilfeschreie aus Detlef S.' Großfamilie. Das Protokoll:

Februar 1998: Die Staatsanwaltschaft Koblenz und das Jugendamt des Kreises Altenkirchen erfahren erstmals von Vorwürfen gegen Detlef S. Der Bruder seiner Ehefrau zeigt ihn bei der Polizei in Straßenhaus (Kreis Neuwied) wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen an. Die Adoptivkinder von Detlef S., Björn und Natascha, hatten ihm zuvor erzählt, dass Detlef S. sie häufig grundlos schlage. Doch bei der Polizei ziehen beide ihre Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft stellt ihr Ermittlungsverfahren ein.

Frühjahr 2002: Die Adoptivsöhne von Detlef S., Björn und Jens (Name geändert), ziehen in Fluterschen aus. Detlef S. hatte vergeblich versucht, dies zu verhindern. Er schlägt das Zimmer von Jens kurz und klein. Der zeigt ihn wegen Sachbeschädigung an. Die Anzeige wird eingestellt. Jetzt erzählte er: „Man teilte mir schriftlich mit: ,Den Staat interessiert es nicht, wenn Vater und Sohn sich streiten.'“

Mai 2002: Laut seinen Adoptivsöhnen prügelt Detlef S. seine Frau bewusstlos. Sie bestätigt das gegenüber der Polizei. Doch kurz später zieht sie ihre Aussage zurück.

August 2002: Jens gibt dem Jugendamt den Hinweis, dass Detlef S. seine neunjährige Tochter sexuell missbraucht. Laut dem Jugendamt wurde sie daraufhin gynäkologisch untersucht – ohne Befund. Auch ihre Klassenlehrerin habe nichts Außergewöhnliches an ihr beobachtet. Die Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen schnell wieder ein.

Oktober 2002: Björn kommt zum Jugendamt nach Altenkirchen und sagt: „Ich ertrage nicht mehr, was in Fluterschen passiert!“ Detlef S. schlage seine Kinder. Und: Er sei der Vater von Nataschas Kindern – diese Meinung hätten alle in Fluterschen. Björn schlägt vor, seine Geschwister an einen Ort zu bringen, wo kein Alkohol getrunken und nicht geprügelt wird. Unklar ist, ob Björn Detlef S. wegen Körperverletzung anzeigte. Die Akten wurden inzwischen vernichtet.

November 2002: Detlef S. und seine Frau zeigen Jens und Björn wegen Verleumdung an.

haw