Archivierter Artikel vom 24.01.2011, 16:34 Uhr

Dunkles Milliardengeschäft mit Schwarzgeld und Schieberei

Steuerfahnder wühlen schon seit Jahren im Abfall. Im Visier sind Schrottgroßhändler, die vor allem Reste von Metall verarbeitenden Betrieben oder vom „Schrotti“ erhielten, wie die kleinen Händler im Jargon auch genannt werden.

Steuerfahnder wühlen schon seit Jahren im Abfall. Im Visier sind Schrottgroßhändler, die vor allem Reste von Metall verarbeitenden Betrieben oder vom „Schrotti“ erhielten, wie die kleinen Händler im Jargon auch genannt werden.

Der größte Teil des Schrotts entsteht in den Metall verarbeitenden Betrieben. Steuerfahnder schätzen, dass je nach Produkt bei der Herstellung zehn bis 70 Prozent des Rohmaterials am Ende nur noch als Schrott zu verwerten sind und deshalb die Versuchung groß ist, für diese Masse noch einen guten Preis zu erzielen. Häufig taucht jedoch nur ein geringer Teil des verhökerten Schrotts offiziell in den Büchern auf: „Von vier Containern ist einer für die Buchführung und drei sind für die Strohmänner“, berichtet ein erfahrener Fahnder.

Bundesweit sind allein zwischen 2003 bis 2007 rund eine Milliarde Euro an der Steuer vorbeigeflossen – wegen steigender Rohstoffpreise vor allem im Bereich Kupfer und Stahl. In Rheinland-Pfalz wurde deshalb eine Task-Force bei der Oberfinanzdirektion (OFD) tätig. Beamte sammelten inzwischen Material gegen 6500 Personen und es wurden viele Betriebe durchsucht. Dies lohnt. Die Fahnder spürten ohne den aktuellen Fall bereits Steuermehreinnahmen von etwa 10,6 Millionen Euro auf.

Problem der Fahnder: Strohmänner haben Angst, ihre eigentlichen Lieferanten zu nennen, weil sie „oft um Leib und Leben fürchten müssen, da mafiöse Strukturen für den nötigen Druck sorgen“, so die Oberfinanzdirektion. us