Archivierter Artikel vom 25.02.2011, 13:30 Uhr
Koblenz

Detlef S.: Natascha hat alles so gewollt – Gutachten im Missbrauchs-Prozess öffentlich verlesen

Der Angeklagte im Koblenzer Kindesmissbrauchs-Prozess steht zu seinem Teilgeständnis, er habe seine leibliche Tochter hundertfach missbraucht. Die 28-jährige Stieftochter und achtfache Mutter seiner Kinder, Natascha S., allerdings habe alles so gewollt – ihr Verhältnis, die gemeinsamen Kinder, die Besuche bei fremden Männern. Detlef S. sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Stiefkinder. Im Zeugenstand sagte heute ein 61-jähriger Mann aus, er habe Sex mit den Töchtern von S. gehabt, die im dieser als „Bekannte“ vorgestellt habe.

Fühlte sich von den Fragen des Gutachters überfordert: Detlef S. vor Gericht in Koblenz neben seinem Anwalt Thomas Dueber
Fühlte sich von den Fragen des Gutachters überfordert: Detlef S. vor Gericht in Koblenz neben seinem Anwalt Thomas Dueber

Koblenz – Der Angeklagte im Koblenzer Kindesmissbrauchs-Prozess steht zu seinem Teilgeständnis, er habe seine leibliche Tochter hundertfach missbraucht. Die 28-jährige Stieftochter und achtfache Mutter seiner Kinder, Natascha S., allerdings habe alles so gewollt – ihr Verhältnis, die gemeinsamen Kinder, die Besuche bei fremden Männern. Detlef S. sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Stiefkinder. Im weiteren Verlauf des Prozesstages wird ein Zeuge auftreten, der Sex mit den Töchtern von S. gehabt haben soll.

Wieder großer Publikumsandrang auch am zweiten Tag des Missbrauchprozesses von Fluterschen im Koblenzer Landgericht. Doch bereits nach kurzer zeit wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

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Der Stiefsohn des Angeklagten Detlef S., Björn B. (Foto), sagte aus, ebenso wie die leibliche Tochter des 48-jährigen Familienvaters.

Jens Weber

Die Anwältin der Tochter

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Nach der Aussage der Tochter von Detlef S. dramatische Szenen im Landgericht Koblenz: Detlef S. hat dort die Taten an seiner heute 18-jährigen Tochter eingeräumt.

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Zuvor hatte er den Saal verlassen müssen.

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Staatsanwalt

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Detlef S. (2. v.r. ) im Gerichtssaal des Landgerichts Koblenz in der Anklagebank neben seinem Anwalt Thomas Düber (r). Während der Vorsitzende Richter Winfried Hetger (3. v.l. ) an seinem Platz steht. Der Angeklagte hat zugegeben, der Vater der sieben Kinder seiner Stieftochter zu sein.

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In 325 Fällen von 350 legte Detlef S. ein Teilgeständnis ab.

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Zwei Tage intensive Gespräche mit dem Angeklagten

Am sechsten Gerichtstag vor dem Koblenzer Landgericht steht die Aussage des psychologischen Gutachters an, der den Angeklagten Detlef S. in der Justizvollzuganstalt (JVA) Koblenz besucht hatte. Zwei Tage lang sprach er mit dem 48-Jährigen; das Ergebnis dieser Gespräche sollte ein Bild des Mannes und seines Lebenslaufs geben.

Zunächst stellte der Verteidiger des Angeklagten fest, sein Mandant stehe zu seinem Teilgeständnis. „Es ändert sich nichts daran“, sagte der Anwalt am Freitag im Landgericht.

Im Gespräch mit dem Gutachter hatte der Familienvater dieses Teilgeständnis vorher größtenteils widerrufen. Sein Mandant habe ihm berichtet, er sei bei der Unterredung überfordert gewesen, sagte der Verteidiger. Der 48-Jährige aus Fluterschen im Westerwald hatte an früheren Prozesstagen zugegeben, seine Tochter jahrelang missbraucht und für Sex an andere Männer verkauft zu haben.

Dem Mann wird auch vorgeworfen, seine Stieftochter, mit der er sieben lebende Kinder hat, und einen Stiefsohn missbraucht zu haben.

Richter lässt Öffentlichkeit bei Verlesung des Gutachtens zu – Applaus im Saal

Schon kurz nach Beginn der Verlesung wird der Gutachter vom Anwalt des Angeklagten, Thomas Dueber, unterbrochen: Er beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit. Diesem Antrag jedoch wird – zum Erstaunen und zur Genugtuung vieler im Sitzungssaal – nicht stattgegeben.

Und so verliest der Gutachter ein Schriftstück voller Geschichten aus dem Leben des Detlef S., das auch an skurrilen Details keinen Mangel hat.

Wesentlich zu erwähnen bleibt: Detlef S. habe die ihm vorgeworfenen sexuellen Übergriffe zunächst komplett bestritten und auch die bereits gestandenen widerrufen. Dann jedoch habe er gesagt: Ja, das mit der leiblichen Tochter stimme.

Detlef S.: Natascha wollte Sex – mehr als er selber

Demgegenüber blieb er strikt dabei, seine Stieftochter Natascha habe er nicht gegen ihren Willen missbraucht: Sie habe unbedingt Sex haben wollen, mehr manchmal als er selber.

Überhaupt habe er seine Kinder nie geschlagen – und schon gar nicht mit Gegenständen.

Angeklagter sieht sich als Opfer eines Komplotts

Auf die Frage des Gutachteres, wie er sich denn dann die Aussagen der Stiefsöhne erkläre, meinte Detlef S.: Die drei Söhne und Natascha haben eine Komplott gegen ihn geschmiedet.

Und welches Motiv er dahinter vermute? Natascha wolle eben um jeden Preis vermeiden, dass ihr neuer Freund und die Mutter erfahren, dass sie freiwillig die acht Kinder von ihm bekommen habe. „Die stecken alle unter einer Decke!“, das habe Detlef S. immer wieder betont.

Prostitution: Natascha wollte unbedingt zu den Männern

Auch zum Thema Prostitution äußerte sich der Angeklagte: Natascha wollte unbedingt zu den Männern gebracht werden. Unglaublich leid tue ihm das mit der eigenen Tochter; mit der habe er Dinge getan, die nicht wieder gutzumachen sind.

Detlef S.: Sehnsucht nach seiner leiblichen Tochter

Mit gesenktem Kopf habe der Angeklagte während dieser Gespräche meist dagesessen, auch geweint habe er hin und wieder. Erst in der JVA sei ihm aufgegangen, was er da so alles getan habe. Er wünsche sich sehr, dass ihn seine Tochter besuchen komme.

Männer haben immer freiwillig gezahlt

Aber zur Prostitution gezwungen habe er niemanden – er habe kein Geld verlangt, die Männer hätten das alles freiwillig gezahlt. Und Natascha habe ihn sogar erpresst, damit er sie dorthin bringe: „Entweder du fährst mich zu den Männern, oder ich sag der Mutter, dass die Kinder von dir sind.“

Was immer Natascha rede, sei falsch. Trotzdem, so Detlef S., wolle er nicht, dass sie deswegen bestraft werde.

Zeuge gesteht Sex mit Töchtern

Im weiteren Verlauf trat ein 61-jähriger Mann in den Zeugenstand. Er sagte aus, Sex mit der Tochter und der Stieftochter des Angeklagten Detlef S. gehabt zu haben. Die beiden seien ihm von dem 48-Jährigen als «Bekannte» vorgestellt worden. Er habe weder Hinweise auf das Alter der Mädchen noch auf die Verwandtschaft zu Detlef S. gehabt.

Der 61-jährige Zeuge ist in einem gesonderten Verfahren vor dem Landgericht Koblenz wegen sexuellen Missbrauchs in 53 Fällen angeklagt.