Archivierter Artikel vom 05.04.2013, 06:00 Uhr
Moskau

Bericht: Russlands Vize in Erklärnöten

In der Zypern-Krise zeigte Russlands Vizepremier Igor Schuwalow kein Mitleid mit jenen superreichen Russen, die dort ihr Geld geparkt hatten und um ihr Vermögen fürchteten. Nun platzt aus dem internationalen Offshore- Leak die Nachricht herein: Ausgerechnet Schuwalows Ehefrau Olga soll auf den Virgin Islands Millionen gebunkert haben.

Das berichtet die britische Zeitung „Guardian“ unter Berufung auf die Datenbank, die das International Consortium of Investigative Journalists veröffentlicht hat. Ein Sprecher des Ehepaars bestätigte die Existenz der Offshore- Unternehmen. Dies sei allerdings lange bekannt und werde auch steuerlich angegeben.

Trotzdem ist der Fall ein Desaster für die Glaubwürdigkeit von Wladimir Putins Anti-Korruptionskampagne. Gerade hat der Kremlchef zwei Dekrete ausgegeben, wonach Politiker und Spitzenbeamte künftig keine Auslandskonten besitzen dürfen und ihre Vermögenswerte genauer offenlegen müssen. Auch wettern Politiker neuerdings gegen das Offshore- Prinzip.

Igor Schuwalow gilt als Putins Mann für Kontakte zur Wirtschaft.

Der 46-Jährige eröffnete in den 90er-Jahren eine Anwaltspraxis. 1997 wechselte er in den Staatsdienst. Sein Vermögen überführte er in eine Gruppe von Offshore-Firmen, die offiziell seiner Frau Olga gehören. Wie das „Wall Street Journal“ schon 2012 berichtete, soll das Ehepaar seinen Reichtum durch einen spektakulären Gazprom-Deal vermehrt haben: Im Jahr 2004 kaufte Schuwalows Trust Gazprom- Aktien im Wert von 17,7 Millionen Dollar.

Vier Jahre später sollen Schuwalows Offshore-Firmen die Anteile für 80 Millionen Dollar wieder abgestoßen haben. Der Vizepremier hat mehrfach betont, er habe nicht gegen geltendes russisches Recht verstoßen. Ermittlungen zur Rechtmäßigkeit des Deals wurden 2012 eingestellt.

Von unserer Moskauer Korrespondentin Doris Heimann