Archivierter Artikel vom 03.03.2012, 11:39 Uhr
Frankfurt

Amateure sind gespannt auf den Medienprofi Niersbach

Der Medienprofi wird von den Amateuren besonders beäugt. Die Reaktionen auf Wolfgang Niersbachs Wahl zum DFB-Präsidenten fielen zwar durchweg positiv aus, doch beobachten gerade die Vertreter der Landesverbände ganz genau, wie sich der neue Chef um die „Kleinen“ kümmern wird.

H.-D. Drewitz
H.-D. Drewitz
Foto: imago sportfotodienst

Frankfurt – Der Medienprofi wird von den Amateuren besonders beäugt.

Walter Desch
Walter Desch
Foto: Frey-Pressebild

Die Reaktionen auf Wolfgang Niersbachs Wahl zum DFB-Präsidenten fielen zwar durchweg positiv aus, doch beobachten gerade die Vertreter der Landesverbände ganz genau, wie sich der neue Chef um die „Kleinen“ kümmern wird. „Wir dürfen gespannt sein, wie die Amateure bei ihm angesiedelt sind“, sagte Walter Desch, der Präsident des Fußballverbandes Rheinland. „Er kommt als Hauptamtlicher ja schließlich aus dem Lager der Profis.“

Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger, seit mehr als 20 Jahren ein enger Freund Deschs, habe in seiner Amtszeit „immer besonders die kleinen Verbände gepflegt“. Die fachliche Qualifikation des Neuen stellt Desch in keiner Weise infrage. „Niersbach ist sehr geeignet, er kennt sich bestens aus.“ Auch Hans-Dieter Drewitz, Präsident des Südwestdeutschen Fußballverbandes, begrüßt die vorhersehbare und einstimmige Wahl. „Er kann alle Aufgaben aus dem Stand übernehmen. Wolfgang Niersbach ist voll im Stoff drin“, sagte Drewitz. „Er ist im Gegensatz zu Theo Zwanziger eher der Managertyp, und das kann sehr befruchtend sein.“ Harald Strutz, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga und Präsident des FSV Mainz 05, bescheinigt dem neuen starken Mann großes Verhandlungsgeschick. „Er ist eine großartige Lösung“, erklärte Strutz. „Wie auch der neue Generalsekretär Helmut Sandrock wird er von beiden Lagern, von Profis und Amateuren, akzeptiert. Wolfgang Niersbach kommt locker rüber, kann aber auch dominant sein.“

Von Letzterem kann Hans E. Lorenz ein Lied singen. Der heutige Vorsitzende des DFB-Sportgerichts und gelernte Sportjournalist wurde vor vielen Jahren vom damaligen DFB-Pressechef Niersbach mal in den Senkel gestellt, weil er sich mit seinem Kamerateam nicht an die Vorgaben gehalten hatte. „Er kann sehr energisch sein“, bestätigte der Mainzer Lorenz. „Und das ist gut: In diesem Amt muss man Diplomat sein, aber auch Flagge zeigen.“

So stießen die Vertreter der 21 Landesverbände und jede Menge Sport-Prominenz auf den neuen Präsidenten an. Lothar Matthäus ließ sich die Häppchen schmecken, HSV-Idol Uwe Seeler schüttelte viele Hände, Franz Beckenbauer sowieso. Auch Günter Netzer, Wolfgang Overath, Rudi Völler, Ligapräsident Reinhard Rauball und Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, gaben sich die Ehre. Die 54er-Weltmeister Horst Eckel und Hans Schäfer wurden mit großem Applaus begrüßt.

„Er ist überall auf der Welt akzeptiert. Da kann Deutschland stolz sein, einen solchen Präsidenten zu haben“, sagte Netzer über Niersbach. „Ein hervorragender Kommunikator, er lebt den Fußball wie sonst niemand“, lobte Bundestrainer Joachim Löw. „Ich glaube, es wird eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit. Er hat die Fähigkeit, Konflikte spielerisch und mit Leichtigkeit zu lösen. Egal, wo er hinkommt, kennt er jemanden.“ jd