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    London

    20 Jahre “WWW” (2) – Düstere Zukunft für das Internet?

    Es wächst und wächst… Das globale Netz verbreitete sich binnen 20 Jahren von null auf mindestens 200 Millionen „Knoten“. Während unser Planet nur Platz für eine begrenzte (wenn auch riesige) Anzahl von Bewohnern bietet, scheint das boomende Internet keine physischen Grenzen zu kennen. Es ist etwas anderes, was heute den Computer-Gurus Sorgen macht.

    Netzwerkkabel
    Das Internet kennt viele verschlungene Pfade - manche Inhalte finden sich plötzlich in ganz anderen Zusammenhängen wieder, die nie beabsichtigt waren.
    Foto: DPA

    London - Es wächst und wächst… Das globale Netz verbreitete sich binnen 20 Jahren von null auf mindestens 200 Millionen „Knoten“. Während unser Planet nur Platz für eine begrenzte (wenn auch riesige) Anzahl von Bewohnern bietet, scheint das boomende Internet keine physischen Grenzen zu kennen.

    Es ist etwas anderes, was heute den Computer-Gurus Sorgen macht: die wachsende Verwundbarkeit des Datensystems und seine Fragmentation. „Das Web wurde zu einem universellen und mächtigen Instrument, weil es auf dem egalitären Prinzip aufgebaut wurde“, warnte im vergangenen Herbst der „WWW“-Erfinder, Sir Tim Berners-Lee. „Doch das Netz, wie wir es kennen, ist in Gefahr, weil manche seiner erfolgreichsten Teilnehmer damit begonnen haben, dieses Prinzip zu verwerfen“.

    Die Rede ist von Konzernen wie Apple, Google & Co, die mit ihren Apps und anderen Software-Produkten das Netz „aufsplittern“ und isolierte „Informationsinseln“ schaffen, die nicht für alle zugänglich sind. „Wenn Millionen Menschen iPads und iPhones kaufen, dann kaufen sie auch Apples beschränkte Sichtweise des Internet“, urteilt die Zeitschrift „New Scientist“ in ihrer neuen Ausgabe. Sie nennt als Beispiel die verbreitete Flash-Multimediaplattform, die von der High-Tech-Firma boykottiert werde: Dadurch verbaue Apple seinen Kunden den Zugang zu vielen Webseiten, die diese Technologie benutzen würden, so „New Scientist“. „Ähnliche Ausgrenzungen sind sichtbar in Googles Betriebssystem Android, Amazons Kindle und im Facebook-Netzwerk, die sich vom Rest des Internet abgeschottet haben“.

    Die andere Gefahr sei die Umstrukturierung des dezentralisierten Netzes etwa durch die kommende „Cloud“-Technologie, die den Nutzern erlaube, große Datenmengen auf entfernten Servern in einer digitalen „Wolke“ auszulagern. Diese bequeme Lösung berge zwei Risiken, urteilt „New Scientist“: Erstens sei das Risiko von schweren Datenpannen in einem Internet voller „Wolken“ viel höher als in einem dezentralisierten Internet. Zweitens wachse die Wahrscheinlichkeit des kriminellen Missbrauchs. Es sei leichter, eine „Datenfestung“ vor Hackern zu verteidigen als viele miteinander verbundene Informationshaufen, die irgendwo im Netz gelagert würden, erklärt der US-Sicherheitsexperte Craig Labovitz. „Ein einziges schwaches Glied reicht, um in diese Struktur einzudringen“. Das zukünftige Netz könnte damit wesentlich instabiler und unsicherer werden, warnen die Fachleute.

    Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Markatsiev

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