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Pyeongchang

Jacqueline Lölling in Pyeongchang: Auf dieser Bahn fährt die Skeletonpilotin aus Brachbach um Gold [Teil 6]

Marco Rosbach

Der Mensch, der Schlitten, die Bahn: Diese drei Faktoren spielen zusammen, wenn für die besten Skeletonpiloten der Welt der Kampf um olympisches Gold beginnt. Kennen die Fahrer im Weltcup die meisten Eiskanäle mit den Jahren aus dem Effeff, betreten sie im Alpensia Sliding Centre in Pyeongchang weitgehend Neuland. Die Olympiabahn ist schön, aber auch ganz schön anspruchsvoll. Und sie ist die große Unbekannte im Zusammenspiel der drei entscheidenden Faktoren.

Hier soll für Jacqueline Lölling der olympische Traum in Erfüllung gehen: Auf der gefürchteten Bahn im Alpensia Sliding Centre fahren am Freitag und Samstag die Skeletonpilotinnen um Gold, Silber und Bronze. Vor einem Jahr gewann die Brachbacherin hier das letzte Weltcuprennen der Saison. Fotos: dpa
Hier soll für Jacqueline Lölling der olympische Traum in Erfüllung gehen: Auf der gefürchteten Bahn im Alpensia Sliding Centre fahren am Freitag und Samstag die Skeletonpilotinnen um Gold, Silber und Bronze. Vor einem Jahr gewann die Brachbacherin hier das letzte Weltcuprennen der Saison. Fotos: dpa
Foto: picture alliance

Erst einen Wettkampf hat es in Pyeongchang gegeben, alles weitere mussten sich die Fahrer, Männer wie Frauen, in den wenigen Trainingseinheiten auf die Schnelle erarbeiten. Heimvorteil genießt allein der südkoreanische Überflieger Sungbin Yun, der bei den Männern der klare Favorit ist. Bei den Frauen ist das anders. Hier spielen die Gastgeber der Spiele keine Rolle. Dafür geht Jacqueline Lölling zumindest mit den besten Erinnerungen an den Eiskanal von Pyeongchang an den Start: Die 23-jährige Pilotin aus Brachbach hat vor Jahresfrist den vorolympischen Weltcup gewonnen und sich durch diesen Erfolg damals zum ersten Mal auch die Gesamtwertung gesichert. Das ist zumindest ein kleiner Vorteil, wenn am Freitag und Samstag (jeweils ab 12.20 Uhr) bei den Frauen in vier Läufen die Entscheidung fällt.

Der Mensch

Mit 23 Jahren ist Jacqueline Lölling zwar eine der ganz jungen Pilotinnen im Feld, aber unbestritten auch eine der besten Fahrerinnen – und für viele sogar die beste. Sie startet langsam, zeigt dann aber ein beispielloses Gespür für Schlitten und Eis, wodurch sie meist die höchsten Geschwindigkeiten erreicht und so trotz schwachen Beginns in schöner Regelmäßigkeit Top-Platzierungen einfährt. All ihr Talent, ihre Fokussierung und ihr Trainingsfleiß würden der amtierenden Weltmeisterin aber nichts bringen, wenn es am richtigen Material hapern würde. Dessen ist sich auch Lölling bewusst.

Der Schlitten

„Das Material spielt natürlich eine sehr große Rolle“, sagt die Pilotin aus Brachbach. „Ich glaube, man könnte der beste Fahrer und der schnellste Starter sein, aber wenn man ganz falsches Material unter sich hätte, würde es trotzdem nicht reichen.“ Wie die aktuellen Erfolge zeigen, passt es bei der deutschen Mannschaft. Von einem „Riesenfortschritt“ spricht Lölling mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre.

Ob Bob, Rodeln oder Skeleton: Es hat Tradition im Kufensport, dass die Deutschen bei der Entwicklung der schnellsten Renngeräte ganz weit vorne sind. Viele Erfolge gehen dabei auf das Konto des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten, kurz FES. Gefördert durch das Bundesministerium des Innern, entwickeln die Berliner Wissenschaftler Sportgeräte für den Spitzensport – vom Kanu über das Bahnrad und den Klappschlittschuh bis hin zu Bob, Rodel oder Skeletonschlitten. Konkurriert FES im Bobsport inzwischen mit dem österreichischen Hersteller Wallner (die deutschen Piloten dürfen selbst entscheiden), sind die Zuständigkeiten im Skeleton eindeutig. „Das läuft alles über die FES“, erklärt Jacqueline Lölling, die in die Entwicklung ihres Schlitten mit eingebunden ist. „Jeder kann seine individuellen Vorstellungen mit einbringen. Ich glaube, das ist ein guter Weg.“

Die Verbindung zum Eis: Jacqueline Lölling tüftelt selbst mit, um den optimalen Schlitten zu entwickeln.
Die Verbindung zum Eis: Jacqueline Lölling tüftelt selbst mit, um den optimalen Schlitten zu entwickeln.
Foto: picture alliance

Innerhalb der deutschen Skeletonmannschaft gib es „kleine Teams im Team“, wie es die 23-Jährige formuliert. „Zusammen mit der FES entwickeln wir die Schlitten.“ Zur Seite steht Lölling dabei Wolfram Lösch, der auch Axel Jungk, den besten deutschen Fahrer bei den Männern, betreut. Nach der Entwicklung werden die Schlitten auch in Berlin gefertigt, dann folgen Messungen im Windkanal und immer wieder Anpassungen – bis das Ergebnis möglichst perfekt ist. Denn am Material sollen die deutschen Piloten im Weltcup oder gar bei den Olympischen Spielen nicht scheitern.

Die Bahn

Der Eiskanal im Alpensia Sliding Centre in Pyeongchang hat aus Sicht von Jacqueline Lölling einen großen Vorteil: Er ist lang genug. Denn die 23-Jährige benötigt eine gewisse Distanz, um ihre fahrerische Stärke Meter für Meter immer deutlicher auszuspielen. Eine kurze Bahn, etwa die in Igls bei Innsbruck, ist für sie indes von Nachteil, hier kann sie gegen die Schnellstarterinnen nicht mithalten, was in den beiden jüngsten Wintern zu eher durchwachsenen Ergebnissen führte.

Die 1376 Meter bis ins Ziel führen in Pyeongchang durch 16 Kurven. „Die Bahn hat ihren ganz eigenen Charakter“, findet Lölling. „Es gibt verschiedene Schlüsselstellen.“ Besonders denkt sie hier an Kurve zwei und Kurve neun, wobei letztgenannte Passage spätestens seit dem Malheur von Rodler Felix Loch jedem TV-Olympioniken ein Begriff ist. „Diese Passagen sind in allen drei Sportarten in der Eisbahn sehr schwierig, hier können sich definitiv Rennen auch entscheiden“, hat die Brachbacherin bereits nach den ersten Trainingseinheiten berichtet, als Lochs Patzer noch Zukunftsmusik war. Verglichen mit ihren Erfahrungen, die sie vor der Saison in der Trainingswoche sammeln konnte, findet Lölling, dass die Bahn „besser steht“, wie sie es formuliert. Vor allem gefällt ihr – bei allen Unwägbarkeiten –, dass „man gut fahren können muss, was vielleicht auch für mich ein Vorteil ist“. Der Start sei natürlich auch auf dieser Bahn wichtig. „Aber die Bahn ist lang genug und schwierig genug, um da noch Zeit rauszufahren.“

Vor einem Jahr ist Jacqueline Lölling das sehr gut gelungen, seit dem Weltcup hält sie den Bahnrekord. „Es gibt mir natürlich ein Stückweit Selbstvertrauen, dass ich weiß, dass ich hier schnell fahren kann und die Bahn schon gut beherrscht habe“, sagt die 23-Jährige. „Trotzdem ist jedes Jahr anders, jede Woche anders. Aber ein Stück Selbstvertrauen gibt mir das schon.“ Daraus gilt es am Freitag und Samstag Kapital zu schlagen.

Von unserem Redakteur Marco Rosbach

Auf dem Weg zu Gold

Skeletonpilotin Jacqueline Lölling aus Brachbach gehört im südkoreanischen Pyeongchang zu den großen deutschen Goldhoffnungen. Bis zu ihrem Wettkampf stellen wir die 23-Jährige, ihren Werdegang und ihr Umfeld vor.

Teil 1: Das Abenteuer beginnt
Teil 2: Der Weg nach oben
Teil 3: Der große Rückhalt
Teil 4: Der Bundestrainer
Teil 5: Die Vertraute
Teil 6: Die Materialfrage
Teil 7: Der große Tag

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