40.000
Aus unserem Archiv

WM-Kolumne: Große Chance bei Wahl des WM-Gastgebers 2026 vertan

Natürlich nicht Marokko! Nur Fußball-Romantiker mit geradezu frühkindlicher Naivität haben ernsthaft daran geglaubt, dass sich die auf Gewinnmaximierung getrimmte Fifa-Familie für ein nordafrikanisches Land als WM-Gastgeber 2026 entscheidet.

Klaus Reimann.
Klaus Reimann.

Nein, starten wir lieber den x-ten Versuch, den Fußball ins Sportlerherz der Nordamerikaner und Kanadier zu implantieren. Das ist zwar nach der WM 1994 schon einmal grandios gescheitert. Aber was soll's. Ist ja auch nicht so wichtig. Hauptsache, die Kasse stimmt.

Mag der Fifa-Kongress mit dem Votum aus rein pekuniärer Sicht eine folgerichtige Entscheidung getroffen haben. Für den Fußball ist es eine Niederlage. Und für Nordafrika allemal. Eine WM in Marokko wäre eine große Chance gewesen. Mit dabei zu sein im Konzert der Großen, hätte das Selbstwertgefühl der Menschen dort stärken, ihnen Aufgabe und Perspektive geben können. Die Welt zu Gast in Marokko – das hätte so etwas wie Aufbruchstimmung im Armenhaus Nordafrika vermittelt. Hilfe zur Selbsthilfe statt der Suche nach dem Lebensglück irgendwo auf dem europäischen Kontinent.

Wird nicht so oft beim Thema Migration davon gesprochen, Fluchtursachen in den Regionen zu bekämpfen, aus denen gerade die jungen Leute zu uns strömen? In der Hoffnung auf ein besseres Leben? Vor allem diese Chance hat die Fifa den Menschen in Marokko mit ihrer Wahl genommen. Fußball verbindet – aber längst nicht alle!

E-Mail an den Autor: klaus.reimann@rhein-zeitung.net

Analysen, Kolumnen und Kommentare
Meistgelesene Artikel