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Mainz

"Meine CDU lässt mich fremdeln" – Gersters Autobiografie

Am 1. September kommt die Autobiografie des früheren rheinland- pfälzischen CDU-Chefs Johannes Gerster in den Buchhandel. Darin schildert er seine Stationen in Mainz, Bonn und Jerusalem und kritisiert seine eigene Partei: "Meine CDU lässt mich fremdeln."

Johannes Gerster
Johannes Gerster
Foto: dpa

Mainz – Am 1. September kommt die Autobiografie des früheren rheinland- pfälzischen CDU-Chefs Johannes Gerster in den Buchhandel. Darin schildert er seine Stationen in Mainz, Bonn und Jerusalem und kritisiert seine eigene Partei: "Meine CDU lässt mich fremdeln."

Der frühere rheinland-pfälzische CDU-Chef Johannes Gerster legt seine Autobiografie vor und kritisiert darin die eigene Partei. In dem Buch, das er am 1. September in Mainz vorstellt, schreibt der ehemalige Herausforderer von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD): "Meine CDU lässt mich fremdeln". Zur Präsentation der 328-seitigen Autobiografie "Nicht angepasst. Mein Leben zwischen Mainz, Bonn und Jerusalem" hat sich auch die rheinland-pfälzische Spitzenkandidatin Julia Klöckner angesagt.

Der 69-jährige Gerster, der heute Präsident der Deutsch- Israelischen Gesellschaft ist, beklagt "das mangelhafte programmatische Profil der einstmals großen Parteien, die auch darauf zurückzuführende Zersplitterung der politischen Landschaft und insbesondere die politische Austauschbarkeit meiner eigenen Partei". Es gebe "eine wachsende Nachfrage nach Orientierung und Wertevermittlung, die bisher von meiner Partei verkannt wird: Die CDU läuft Gefahr, zu einer Partei der Beliebigkeit zu werden", schreibt er.

Dass das einst tiefschwarze Rheinland-Pfalz noch immer vom roten Ministerpräsidenten Beck regiert wird, "ist auch Schuld der CDU im Lande", ergänzt Gerster mit Blick auf die internen politischen und finanziellen Querelen seiner Partei in Rheinland-Pfalz.

Allerdings seien die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im März 2011, Julia Klöckner, und CDU-Fraktionschef Christian Baldauf "erste Wahl". Sie hätten "die realistische Chance, die Landespartei wieder auf die Beine zu stellen". Der 61-jährige Beck muss sich laut Gerster warm anziehen: "Nach 20 Jahren SPD-Regierung sind die Abnutzungserscheinungen klar zu erkennen." Die 37 Jahre alte Klöckner "ist nicht nur jünger als Kurt Beck, sie verkörpert auch einen neuen, frischen Politikstil, der Zukunft hat".

Es soll also anders laufen als für Gerster selbst: Bei der Landtagswahl 1996 war er es, der als temperamentvoller Ministerpräsidenten-Kandidat gegen Beck antrat, aber seinem SPD- Widersacher unterlag. Der frühere langjährige Bundestagsabgeordnete Gerster wurde CDU-Fraktionschef im Mainzer Landtag. Schon ein Jahr später aber stieg der Oppositionsführer mit dem Spitznamen "Dampfwalze" aus der Landespolitik aus und ging als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel nach Jerusalem. Neun Jahre blieb er dort, bis er 2006 in seine Geburtsstadt Mainz zurückkehrte. Seitdem hat er etliche Vorträge über den Nahost-Konflikt gehalten.

Gerster ist ein Onkel zweiten Grades der ZDF-Moderatorin Petra Gerster und ihres Bruders Florian Gerster, einst Chef aller Arbeitsagenturen. Johannes Gersters Autobiografie kommt laut Verlag am 1. September in den Buchhandel, mit einer Erstauflage von 7000 Exemplaren.

Der Generalfeldmarschall der Mainzer Ranzengarde schildert darin seine Kindheit in der Landeshauptstadt, den politischen Aufstieg, wichtige Untersuchungsausschüsse auf Bundesebene, die Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung sowie die Bemühungen um einen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern.

Bereits vor einem halben Jahrhundert ist Gerster in die CDU eingetreten. Nun bilanziert er: "Manche meinen, ich sei ein Hans-im- Glück: In Bonn kein Regierungsamt, in Rheinland-Pfalz kein Ministerpräsident, in Mainz kein Oberbürgermeister. In einem Punkt finde ich diesen Vergleich passend: Ich selbst fühle mich am Ende sehr glücklich. Ich hatte ein abwechslungsreiches, ja spannendes Leben." Dabei sei er stets unabhängig und unangepasst geblieben.

Was bleibt, ist auch die Freude des dreifachen Vaters über die eigene Familie samt sieben Enkelkindern. Auf der letzten Seite seiner Autobiografie zitiert Gerster eine alte Weisheit: "Die Sterne am Himmel und die strahlenden Augen von Kindern sind das Einzige, das uns vom Paradies geblieben ist." Heute erfülle ihn ein Gefühl der "Dankbarkeit und noch einmal Dankbarkeit".

Von Jens Albes

- Johannes Gerster: "Nicht angepasst. Mein Leben zwischen Mainz, Bonn und Jerusalem", ISBN 978-3-937782-95-9, 328 Seiten, 19,90 Euro, im Buchhandel ab 1. September

- Johannes Gerster ( www.johannes-gerster.de)

- Leinpfad Verlag ( www.leinpfad-verlag.de)

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