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Biologe im Interview: Für Stechmücken war es ein traumhaftes Jahr

Hitze, Regen, Hochwasser: Den Mücken am Oberrhein bietet dieser Sommer nahezu traumhafte Bedingungen. Vor allem die Vielzahl der Rhein-Hochwasserwellen sorgt dafür, dass besonders viele Larven schlüpfen.

Stechmücke lauert an einer Wand: Die Plagegeister können sich in diesem Jahr über besonders gute Bedingungen freuen. Foto: dpa
Stechmücke lauert an einer Wand: Die Plagegeister können sich in diesem Jahr über besonders gute Bedingungen freuen.
Foto: dpa

Es könnte das zweit- oder drittstärkste Jahr in der Geschichte der 1976 gegründeten Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) sein, sagt der wissenschaftliche Kabs-Direktor Norbert Becker. Das Interview:

Vor fast 40 Jahren nahm die Kabs die Arbeit auf. Rangiert der Einsatz 2014 unter den ersten zehn?

Auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr hatten wir zwar eine höhere Hochwasserspitze, und deshalb war die Überschwemmungsfläche größer. Aber dieses Jahr zeichnet sich dadurch aus, dass wir kurz nacheinander vier Hochwasserwellen hatten. So etwas hatten wir seit 30 Jahren nicht mehr im Juli. Das ist ein Extremjahr. Es würde auf jeden Fall unter die Top fünf kommen. Wahrscheinlich ist es sogar Top zwei oder Top drei.

Machen Sie das an der Zahl der geschlüpften Larven fest?

Deren Zahl war in diesem Jahr besonders hoch. Das hat einen bestimmten Grund: Wir hatten drei kleinere Hochwasserspitzen im Mai, die waren so knapp über vier Meter. Da schlüpften Mücken und legten ihre Eier in den Überflutungsflächen des Rheins ab. Und bevor am 14. Juli die erste von diesen vier größeren Wellen kam, hatten wir eine Trockenphase. Es war sehr warm, und plötzlich wurden die Eier in den Rheinauen überschwemmt. In dieser Situation ist der Schlüpfanreiz für die Larven besonders hoch. Deswegen haben wir dann mehrere Hundert Larven pro Liter. Das heißt, pro Hektar hatten wir oftmals zwei-, drei, vierhundert Millionen Mücken. Und wenn man da bei der Bekämpfung ein paar Hektar übersieht, dann heißt es, dass in einem Bereich die Mücken plageerregend stechen.

Der Biologe Norbert Becker (65) hat die Gründung der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) im Jahr 1976 als Student miterlebt, seit 1981 ist er wissenschaftlicher Direktor der Kabs. Der promovierte und habilitierte Wissenschaftler ist zudem Dozent an der Uni Heidelberg und Geschäftsführer der European Mosquito Control Association.
Der Biologe Norbert Becker (65) hat die Gründung der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) im Jahr 1976 als Student miterlebt, seit 1981 ist er wissenschaftlicher Direktor der Kabs. Der promovierte und habilitierte Wissenschaftler ist zudem Dozent an der Uni Heidelberg und Geschäftsführer der European Mosquito Control Association.

Welche Bereiche im Kabs-Gebiet waren besonders betroffen?

Alle. Es sind sogar Gebiete, die mit dem Rhein nicht so korrespondieren, betroffen gewesen. Dort, wo wir bekämpft haben, ist die Situation erträglich bis sehr gut. Insgesamt kann man sagen: Wir haben vom Kaiserstuhl bis hoch nach Bingen – also in unserem gesamten Gebiet – Hubschraubereinsätze gehabt. Die Haupteinsatzgebiete liegen zwischen Au am Rhein und Bingen. Außerhalb des Bekämpfungsgebietes brummt es gewaltig in diesem Jahr.

Wie viel Fläche haben Sie in diesem Jahr bekämpft?

Von dem Mittel, mit dem wir die Larven bekämpfen, haben wir bis heute 237 Tonnen ausgebracht. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Im ganzen vergangenen Jahr waren es 300 Tonnen. Bislang haben wir das Mittel in diesem Jahr mit dem Hubschrauber auf 12 000 Hektar verteilt. Hinzu kommen 2000 bis 3000 Hektar, die vom Boden aus bearbeitet wurden.

Kommt der Klimawandel den Mücken entgegen?

Ja, wobei ich lieber von Klimaextremen als vom Klimawandel spreche. Als ich anfing, hatten wir immer das gleiche Muster: Wir hatten im Frühjahr die Hochwasserspitze wegen der Schneeschmelze und im Sommer eine Hochwasserwelle, die durch aufgelagerte Spitzen entstand. Jetzt ist diese Sommerwelle oft gar nicht so extrem, stattdessen haben wir Zickzackereignisse durch Starkregen. Also monsunartige Regenfälle und Hitzeperioden hinterher. Das zusammen ist ideal für die Stechmückenentwicklung. Und das haben wir in diesem Juli massiv gehabt. Davon profitieren vielleicht auch die exotischen Mücken wie die asiatische Tigermücke oder der japanische Buschmoskito.

Wie viele Tiere haben Sie in diesem Jahr, salopp gesagt, um die Ecke gebracht?

Nehmen Sie 15.000 Hektar mal 200 Millionen Larven je Hektar. Ich schätze mal, dass wir drei Billionen Mücken umgebracht haben.

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