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Rheinland-Pfalz

Alarmkette: Was passiert eigentlich nach einem Notruf – und wo steckte in Hachenburg der tödliche Fehler?

Nach dem Horrorunfall von Hachenburg stellen sich viele Menschen die Frage, wie schnell die Alarmierung nach dem Notruf eigentlich funktioniert und warum der herannahende Zug nicht gestoppt werden konnte. Besonders brisant: Im aktuellen Fall, bei dem ein neunjähriger Junge starb, wurde die betroffene Verkehrsgesellschaft Vectus nach eigenen Angaben überhaupt nicht gewarnt. Das hätte die Deutsche Bahn tun müssen – und die schweigt nun auf alle Fragen.

Rheinland-Pfalz. Nach dem Horrorunfall von Hachenburg stellen sich viele Menschen die Frage, wie schnell die Alarmierung nach dem Notruf eigentlich funktioniert und warum der herannahende Zug nicht gestoppt werden konnte.

Besonders brisant: In dem aktuellen Fall, bei dem ein neunjähriges Kind starb, wurde die betroffene Verkehrsgesellschaft Vectus nach eigenen Angaben überhaupt nicht gewarnt.

Einer ihrer Regionalzüge erfasste den Traktor auf den Gleisen, in dem der Junge eingeklemmt war. Der Unfall ereignete sich sechs Minuten nach Eingang des Notrufs und möglicherweise wenige Sekunden nach einem Halt in Hachenburg auf der Strecke Hachenburg–Limburg.

Notbremsung half nicht mehr

Der Vater alarmierte um 10.03 Uhr die Rettungsleitstelle, die in Montabaur für den Westerwald zuständig ist. Gegen 10.09 Uhr näherte sich ein Zug der Verkehrsgesellschaft Vectus der Unfallstelle. Die Notbremsung der Zugführerin half nicht mehr: Der Zug erfasste den Traktor mit dem eingeklemmten Jungen.

Wird Unfall an Bahnschienen gemeldet, folgt Reaktion „innerhalb von Sekunden“

Wir sprachen über die Alarmierungskette mit dem Polizeipräsidium Koblenz (der Notruf 110 geht bei der Polizei ein), der Koblenzer Berufsfeuerwehr mit der Integrierten Rettungsleitstelle (diese wird über die 112 alarmiert) und mit der Bundespolizei, die bei Unfällen auf Bahngelände immer zuständig ist. Feuerwehr wie Polizei versichern: Wird ein Unfall auf oder an Bahnschienen gemeldet, wird „innerhalb von Sekunden“ sofort die Bundespolizei informiert, damit Züge noch rechtzeitig angehalten werden können.

Bundespolizei informiert Deutsche Bahn

Die Bundespolizei schaltet dazu die Rettungsleitstelle der Deutsche Bahn AG in Frankfurt ein. „Sie kann sofort Kontakt mit Lokführer oder Fahrdienstleiter aufnehmen oder Signale auf Rot stellen und so die Strecke sperren“, erklärt Klaus Leidinger von der Trierer Inspektion der Bundespolizei. Ob allerdings auch andere Bahnunternehmen wie Vectus über diese Leitstelle alarmiert werden, kann nur die Bahn AG wissen.

Bahn AG mauert bei Fragen nach Hachenburger Unglück

Doch die Bahn in Frankfurt mauert nach dem Unfall in Hachenburg. Grundsätzlich, so heißt es allenfalls, wird so schnell wie möglich der jeweilige Streckenabschnitt gesperrt. Wie dies gesteuert wird, „ist wegen des laufenden Verfahrens der Staatsanwaltschaft“ nicht zu erfahren, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Und: „Wir sagen derzeit nichts.“ Der Pressesprecher will im Zusammenhang mit dem Unglück und den Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft auch lieber anonym bleiben. Ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Vectus erklärt am Firmensitz in Limburg: „Wir sind am Ende der Kette.“ Aber der Geschäftsführer Horst Klein erklärt unserer Zeitung unmissverständlich: „Uns hat kein Notruf erreicht. Daher konnten wir unseren Zug auch nicht rechtzeitig stoppen lassen.“

Idealfall: In acht Minuten soll Hilfe vor Ort sein – egal ob per 112 oder 110

In der Aufregung denkt der eine Betroffene bei einem Unfall an den Notruf 112 (Integrierte Leitstelle, nicht polizeiliches Hilfeersuchen), der andere an 110 (Polizei). Ist dies eine Fehlerquelle, wenn es um Minuten gehen kann? Das rheinland-pfälzische Innenministerium versichert: „Nein. Es ist mit Feuerwehr und Polizei vereinbart, dass ein Notruf sofort und ohne nennenswerten Zeitverlust an die zuständige Leitstelle weitergegeben wird.“ Dies versichern auch Feuerwehr und Polizei, die im Notfall die Rettungsdienste alarmieren. In der Regel sollte die Hilfe in acht Minuten vor Ort sein, aber Markus Opel, stellvertretender Feuerwehrchef in Koblenz, weiß auch: Das ist je nach Tageszeit oder Entfernung auf dem Land der Idealfall. Die sogenannte Acht-Minuten-Frist läuft aber auch erst nach Abschluss des Gesprächs, bei dem der Notfall gemeldet wurde. Im Koblenzer Polizeipräsidium gilt jedenfalls die Devise: „Lieber mehr Hilfe anfordern als einmal zu wenig.“

Die Bahnlinie Hachenburg–Limburg war derweil weiter gesperrt. Heute Morgen sollen die Züge aber wieder planmäßig über die reparierten Gleise rollen.

Von unserer Redakteurin Ursula Samary

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