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Windhagen

"Hätten Bock zum Gärtner gemacht": Rüddel wird nicht Fraktionschef in Windhagen

Michael Fenstermacher

Ist der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel (CDU) dabei, seine heimische Machtbasis zu verlieren? Zwar hat sich auch sechs Tage nach Bekanntwerden kein prominenter CDU-Politiker kritisch zu den brisanten Aussagen zu Wort gemeldet, die Rüddel laut dem bisherigen CDU-Fraktionschef Axel Schülzchen in persönlichen Gesprächen getätigt hat. Daheim in Windhagen hat Rüddel aber offenbar eine Kraftprobe innerhalb der CDU-Ratsfraktion verloren und muss deren Führung Lothar Köhn überlassen, der sich nun prompt kritisch äußert.

Erwin Rüddel
Erwin Rüddel

„Er wollte das gern“, bestätigt der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsvereins, dass Rüddel selbst Ambitionen auf den Chefposten hatte. Aber, so Köhn: „Wir hätten damit ja den Bock zum Gärtner gemacht.“ Das sei innerhalb der Fraktion auch unstrittig gewesen. Rüddels Aussagen, mit denen er sich unter anderem zur wichtigsten öffentlichen Person im Kreis Neuwied erklärt und angedroht haben soll, einem Unternehmen schaden zu wollen, lässt Köhn zwar bewusst unkommentiert: „Ich möchte dazu nichts sagen“. Zugleich stellt er aber klar, dass er die von Schülzchen zitierten Äußerungen nicht anzweifelt. „Ich halte Axel Schülzchen für integer und glaubwürdig“, betont er. Das Gesagte „spiegelt die Dinge in Relation wider.“ Höchst bedauerlich findet Köhn den Verlust Schülzchens als Fraktionschef und Ratsmitglied. „Er war definitiv unser bester Mann“, erklärt er. Klar sei für ihn, dass er als Schülzchens Nachfolger einen transparenten Führungsstil pflegen werde. Dazu gehöre es auch, Meinungsäußerungen von CDU-Mitgliedern in Fraktion und Rat zuzulassen. Rüddel dagegen soll Schülzchen vor dessen Rücktritt massiv dafür kritisiert haben, dass dieser eine kritische Äußerung eines CDU-Ratsherrn gegenüber Ortschef Josef Rüddel zu dessen Fällaktion am Hohlweg zugelassen hatte.

Eine Fällaktion am Hohlweg in Windhagen war eines der Themen, über die es zum Bruch zwischen Axel Schülzchen und Erwin Rüddel kam.  Foto: Fenstermacher
Eine Fällaktion am Hohlweg in Windhagen war eines der Themen, über die es zum Bruch zwischen Axel Schülzchen und Erwin Rüddel kam.
Foto: Fenstermacher

Für Thomas Stumpf, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Windhagener Rat, ist unterdessen noch nicht ausgemacht, ob bei einem CDU-internen Machtkampf „der Rüddel-Clan“ oder die Gegenseite die Oberhand behalte. Herausstellen werde sich dies wohl erst in der anstehenden Mitgliederversammlung. Köhn habe als neuer Fraktionschef eine Chance verdient, so Stumpf, der daran aber gleich eine Forderung für die nächste Ratssitzung am morgigen Donnerstag, 17. Mai, knüpft. Als „vertrauensbildende Maßnahme“ solle die CDU-Fraktion eine Erklärung abgeben, in der sie ihr Mitglied Rüddel zurechtweist und sich von dessen Positionen distanziert. „Andernfalls werden wir das einfordern“, sagt Stumpf, der besonders die im Raum stehende Drohung Rüddels gegen ein Unternehmen, dem sich Schülzchen verbunden fühlt, für skandalös hält. Auch wenn diese Äußerung möglicherweise im Eifer eines Wortgefechts gefallen sei: „Dann erwarte ich, dass er zu seinem Fehler steht und sich entschuldigt.“

Zu spät dafür ist es aus Sicht von Roland Kohler, Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen. „Wir fordern den Rücktritt von allen politischen Ämtern“, betont er. An der Darstellung Schülzchens hat er keine Zweifel, „weil sie unseren Erfahrungen entspricht.“ „Die Missachtung demokratischer Grundsätze ist bei Herrn Rüddel notorisch“, berichtet Kohler. Das gipfele sogar regelmäßig in persönlichen Anfeindungen, die sich Rüddel aber aus taktischen Gründen nur in nicht öffentlichen Sitzungen herausnehme. „Das System Windhagen ist völlig von der CDU beherrscht“, meint Kohler, und das könne für Bürger, die sich nicht einordnen, zu „Repressalien bis ins persönliche Umfeld hinein“ führen. So hat er auch einen Satz in Schülzchens persönlicher Erklärung verstanden, in der dieser für den Fall einer Konfrontation mit Rüddel „Kolateralschäden für Personen und Einrichtungen, denen ich verbunden bin“ befürchtet. „Da liegt der Hund begraben“, sagt Kohler.

Eine neutrale Position wahren will unterdessen der CDU-Ortsvereinsvorsitzende und Erste Ortsbeigeordnete Martin Buchholz, der keinen Hehl aus seinen Ambitionen macht, Nachfolger von Josef Rüddel als Ortschef zu werden. Auch er bedauert aber den Rückzug Schülzchens und berichtet von mehreren Vermittlungsversuchen zwischen ihm und Rüddel, die leider erfolglos geblieben seien.

In der nächsten Sitzung des Windhagener Gemeinderats am Donnerstag, 17. Mai, ab 19.30 Uhr geht es unter anderem um die Baumfällarbeiten am Hohlweg, einen der Auslöser des Bruches zwischen Rüddel und Schülzchen.

Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

Demuth: Streit ist interne Angelegenheit

Als interne Angelegenheit betrachtet die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth (CDU) die Auseinandersetzung zwischen Erwin Rüddel und Axel Schülzchen. „Ich schließe mich den Einschätzungen von Fredi Winter und Michael Christ an“, erklärte sie gestern gegenüber der RZ und fügte hinzu, sie sei am Montag tagsüber nicht zu erreichen gewesen, weil sie bis Donnerstag mit dem Bildungsausschuss des Landtags in Estland ist. Den zurückgetretenen CDU-Fraktionschef Schülzchen kritisiert sie für die Veröffentlichung von Inhalten persönlicher Gespräche mit Rüddel – auch wenn er damit auf Ärgernisse habe hinweisen wollen.

„Da hätte es andere Wege gegeben“, sagte Demuth. Möglichkeiten zur Vermittlung seien nicht ausgeschöpft worden. Rüddel erlebe sie als „sehr fleißigen Abgeordneten“, der im Wahlkreis „omnipräsent“ sei. mif

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