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    Wechselwunsch ist historisch nachvollziehbar

    VG Rhaunen/Kirchberg. Der Wunsch einiger Ortsgemeinden – jetzt, da die Fusion der Verbandsgemeinden Rhaunen und Herrstein ansteht -, Rhaunen den Rücken zu kehren und nach Kirchberg in den Rhein-Hunsrück-Kreis oder in Richtung Bernkastel-Kues zu wechseln, kommt nicht von ungefähr. Ein Blick in die Historie zeigt, dass die nun wechselwilligen Ortsgemeinden Hausen, Schwerbach, Gösenroth, Oberkirn, Krummenau und Horbruch nicht ohne Grund hin zur Mosel schielen, gehörten sie doch viele Jahrzehnte zum Kreis Bernkastel.

    Ein Rückblick ins 18. Jahrhundert verdeutlicht dies. Der zwischen Napoleon Bonaparte und Kaiser Franz II. (Österreich) ausgehandelte "Frieden von Campoformio" (1797) bedeutete unter anderem, dass Franz II. auf die damalige österreichischen Niederlande verzichtet und den Rhein zwischen Basel und dem Fluss Nette südlich von Andernach als Ostgrenze Frankreichs anerkennt. Folglich wurde dem republikanischen Frankreich das gesamte linke Rheinufer und damit auch das Gebiet der heutigen Verbandsgemeinde Rhaunen übergeben.

    Allerdings sprach der Wiener Kongress im Jahr 1815 die Rheinlande dem Königreich Preußen zu, das sogleich die Verwaltungsgliederung einführte. Diese Gliederung besteht im Wesentlichen noch heute. So entstand bereits 1816 die Bürgermeisterei (später das Amt) Rhaunen. Allerdings gehörte sie dem Kreis Bernkastel an. Sie umfasste 14 Dörfer und bestand ohne Unterbrechung bis zur Gebietsreform 1970. Politisch kann die Bürgermeisterei Rhaunen als Nachfolgerin des Hochgerichts und als Vorgängerin der Verbandsgemeinde Rhaunen gelten, sodass eine gewisse politisch-geschichtliche Kontinuität durchaus gegeben ist – bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

    Eine gravierende Änderung ergab sich am 7. Juni 1969, als die Außengrenzen des ehemals zum Großherzogtum Oldenburg gehörigen Landkreises Birkenfeld verändert wurden. Der Kreis Birkenfeld verlor im Südosten die Gemeinden Buborn, Deimberg, Grumbach, Hausweiler, Herren-Sulzbach, Homberg, Kappeln, Kirrweiler, Langweiler, Merzweiler, Niederalben, Niedereisenbach, Offenbach am Glan, Pfeffelbach, Reichweiler, Ruthweiler, Thallichtenberg, Unterjeckenbach und Wiesweiler an den Landkreis Kusel und die Gemeinde Kirn-Sulzbach an die Stadt Kirn im Landkreis Bad Kreuznach.

    Gleichzeitig kamen aber im Norden die Gemeinden Allenbach, Bollenbach, Gösenroth, Hausen, Horbruch, Hottenbach, Krummenau, Oberkirn, Rhaunen, Schwerbach, Stipshausen, Sulzbach und Weitersbach (Verbandsgemeinde Rhaunen) sowie Asbach, Bruchweiler, Hellertshausen, Kempfeld, Schauren, Sensweiler und Wirschweiler-Langweiler aus dem Landkreis Bernkastel zum Landkreis Birkenfeld hinzu – ebenso die Gemeinde Börfink-Muhl aus dem Landkreis Trier. Letztere verlor jedoch ein gutes Jahr später am 7. November 1970 den Ortsteil Muhl an die Gemeinde Neuhütten im Landkreis Trier-Saarburg. An dieser Konstellation hat sich bis heute nichts geändert. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist das Ansinnen der vermeintlich abtrünnigen Gemeinden durchaus nachvollziehbar.

    Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

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