40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Nahe-Zeitung
  • » Eskalation nach Termin am Amtsgericht: Sarahs Lebensgefährte attackierte Polizisten
  • Aus unserem Archiv
    Kreis Birkenfeld

    Eskalation nach Termin am Amtsgericht: Sarahs Lebensgefährte attackierte Polizisten

    Einen Monat nach dem Fund der Leiche der 32-jährigen Sarah H. in einem Haus in Alt Rehse/Neubrandenburg gibt es noch immer keine neuen Erkenntnisse darüber, wann und wie die junge Frau, die bis Februar in Fischbach lebte, gestorben ist. Intensiv werde ermittelt, und für die Rechtsmediziner bedeute eine stark verweste Leiche extremste "Puzzlearbeit", heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung vonseiten der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg.

    Auf vielen Fotos aus der jüngeren Vergangenheit, die im Internet zu finden sind, wirkte Sarah nicht glücklich.
    Auf vielen Fotos aus der jüngeren Vergangenheit, die im Internet zu finden sind, wirkte Sarah nicht glücklich.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Nicht bestätigt wurde die in sozialen Netzwerken immer wieder auftauchende Information, dass der Anwalt des beschuldigten Lebensgefährten der jungen Frau Haftüberprüfung beantragt habe. Nach wie vor werde wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Gegenüber der Polizei habe sich der offenbar psychisch schwer kranke 51-Jährige, der mit der Reichsbürger-Bewegung sympathisiert, zu einem frühen Zeitpunkt eingelassen. Weitere Aussagen tätigte er nach Informationen unserer Zeitung bislang nicht.

    In den sozialen Netzwerken kehrt mit Blick auf Sarahs tragischen Tod keine Ruhe ein: Unzählige Posts beschäftigen sich mit Fragen und Hintergründen, die ihren Tod betreffen, zumal der Beschuldigte die Geschehnisse in Alt Rehse akribisch auf verschiedenen Facebook-Profilen dokumentiert hat. Material, von dem die Staatsanwaltschaft offenbar nicht viel hält: Da sei - wie in vielen anderen Fällen - so gut wie nichts zu verwerten. Die Ermittler machten ihre Arbeit und ließen sich dabei auch aus taktischen Gründen nicht in die Karten schauen.

    Der Beschuldigte liefert auf einem seiner Facebook-Profile eine unserer Zeitung vorliegende Chronologie von Ereignissen, in der er und in Teilen wohl auch Sarah das Amtsgericht Idar-Oberstein benennt und anklagt. Dazu gibt es auch ein Video, in dem er sich über das Amtsgericht auslässt. Kern seiner Erläuterungen: Am 12. März 2015 habe es eine Anhörung beim Amtsgericht wegen der Betreuung von Sarah - die angibt, von der Betreuerin ihres Vaters dazu überredet worden zu sein, sich ebenfalls von ihr in behördlichen Dingen betreuen zu lassen - gegeben. Eine Vorsprache beim Amtsgericht sei erfolgt: Ein Gutachter sei daraufhin zu Sarah nach Fischbach gekommen. Das Gutachten sei "vernichtend" geschrieben, heißt es in dem Dokument. Sarah erhielt eine Betreuerin in Behördendingen - jene, die sich auch schon um den Vater kümmerte.

    Verhandlung im Januar 2017

    Am 21. Dezember 2015 habe das Gericht in einem Anruf bei dem nun Beschuldigten den Vorschlag gemacht, dass Sarah doch zu ihm nach Alt Rehse ziehen solle. "Absurd! Völliger Unsinn", stellt Hans-Walter Rienhardt, Direktor des Amtsgerichts Idar-Oberstein, im Gespräch mit unserer Zeitung klar. Ganz im Gegenteil: Verbal sei Sarah seines Wissens angeraten worden, nicht zu dem nun Beschuldigten zu ziehen. Sie sei aus freien Stücken nach Alt Rehse gezogen. Das habe sich betreuungsrechtlich nicht verhindern lassen.

    Am 23. Dezember 2015 - jenem Mittwoch, den der Beschuldigte als "Hochzeitstag" mit Sarah nach Reichsbürgermaßstäben angibt - überschlagen sich die Ereignisse, wie in dem Papier nachzulesen ist: "Amtsgericht Idar-Oberstein, 11 Uhr, wollen Richter sprechen. Sekretärin rief Werksschutz. Direktor Amtsgericht kam Treppe runter und brüllte ‚was ist denn hier los‘. Werksschutz: ,Er ließ sich nicht abwiegeln, deswegen schmeißen wir ihn raus‘ - Fragen zum 4. Reich. Direktor: ,Ich weiß alles.‘ A. wurde die Lederjacke zerstört vom Werksschutz. Rausschmiss mit Gitarre. Trompetenspiel. Gericht rief die Polizei. Verfolgungsjagd." In einem Video erklärt Sarahs Partner, die Beamten hätten mit "brachialer Gewalt" ihm gegenüber agiert. Wie stellte sich jener 23. Dezember 2015, ein sonniger Wintertag, wirklich dar? Das Amtsgericht äußert sich hierzu nicht, verweist lediglich darauf, dass für Januar 2017 eine Verhandlung gegen Sarahs damaligen Lebensgefährten in Idar-Oberstein angesetzt ist. Der Vorwurf lautet "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und anderes".

    Nach Informationen unserer Zeitung trat der Beschuldigte gegen 11 Uhr ins Amtsgericht ein und verlangte nach einer bestimmten Richterin. Die war jedoch nicht anzutreffen. Der Eindringling wurde zunehmend aggressiv, polterte rum und schlug mehrfach mit einer Gitarre auf einen Wachmann im Amtsgericht ein. Zudem sang er laut. Er bleibe so lange, bis er einen Richter sprechen könne. Mehr oder weniger zufällig kam Rienhardt die Treppe runter.

    Der Beschuldigte im Fall Sarah war offensichtlich nicht in der Lage, sich sachlich zu äußern, verlangte von Rienhardt dessen Dienstausweis, den dieser vorzeigte. Das Papier erkannte der Mann vor dem Hintergrund seiner persönlichen Reichsbürgergesinnung nicht an. Sarah war während der ganzen Zeit anwesend, schwieg allerdings.

    Betreuerin erstattete Anzeige

    Die Polizei wurde gerufen, war sehr schnell vor Ort. Der Beschuldigte flüchtete. Die Polizei wollte dessen Auto, das in der Nähe des Gesundheitsamtes geparkt war, stoppen. Der Fahrer ließ seine Fensterscheibe runter und begann, Trompete zu spielen. Dann gab er Vollgas und fuhr direkt auf einen Polizisten, der auf der Straße stand, zu. Der Beamte, der eine schusssichere Weste trug, konnte sich mit einem Sprung zur Seite retten. Mit mehr als 130 Stundenkilometern raste der Beschuldigte in Richtung Naheüberbauung. Die Polizei brach die waghalsige Verfolgung ab - auch, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Einige Stunden später trafen die von Idar-Oberstein aus informierten Polizisten den Mann und Sarah vor der Haustür in Alt Rehse an.

    Nach Informationen unserer Zeitung gab es am 4. Januar 2016 einen Beschluss des Amtsgerichts Idar-Oberstein: Sarahs Betreuerin hatte Anzeige gegen den 51-Jährigen, der sie täglich mehrmals anrief und massiv belästigte, erstattet. In einem Gewaltschutzverfahren wurde geklärt, dass der Alt Rehser dies umgehend zu unterlassen hat. Am 18. Januar wechselte das Betreuungsverfahren für Sarah an das Amtsgericht Waren (Müritz). Am 25. Januar stellte Sarah einen Antrag zur Aufhebung der Betreuung. Ob und inwieweit dem Antrag stattgegeben wurde, dazu äußert sich das Amtsgericht zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

    Sarah H.: Chronik eines einsamen Lebens Drama geht weiter: Prozess um zu Tode gefolterte Sarah H. wird neu verhandelt  [Update]Fall Sarah: Anwalt Hötger setzt auf RevisionAuch Nebenkläger Hötger legt Revision ein - Wie es im Fall Sarah weitergehen kannZu Tode gefoltert: Nach Revision kommt Fall Sarah vor den Bundesgerichtshofweitere Links
    Idar-Oberstein Birkenfeld
    Meistgelesene Artikel
    UMFRAGE
    UMFRAGE Jamaika ist passé: Wie soll's weitergehen?

    Nach der Aufkündigung der Jamaika-Gespräche durch die FDP: Wie soll es nun weitergehen?

    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Stefan Conradt (sc)
    Redaktionsleiter
    Tel. 06781/605-43
    E-Mail
    Vera Müller (vm)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-52
    E-Mail
    Bettina Schäfer (bet)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-56
    E-Mail
    Andreas Nitsch (ni)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-45
    E-Mail
    Axel Munsteiner (ax)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-44
    E-Mail
    Peter Bleyer (pbl)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-58
    E-Mail
    Silke BauerSilke Bauer (sib)
    Redakteurin
    0171-2976119
    E-Mail
    Jörg Staiber (jst)
    Reporter
    Tel. 06781/605-63
    E-Mail
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Regionalwetter
    Mittwoch

    4°C - 11°C
    Donnerstag

    10°C - 14°C
    Freitag

    8°C - 13°C
    Samstag

    2°C - 9°C
    epaper-startseite
    Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 201

    Die Kandidaten im Wahlkreis 201: Porträts, Interviews und Aktionen

    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Anzeige