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Mayen

Bierhaus-Streit: Nach Drohanrufen kommen Investoren ins Grübeln über Standort Mayen

Die Auseinandersetzung um das geplante Bierhaus in Mayen wird härter. Gegner des Vorhabens schrecken offenbar selbst vor Drohanrufen bei den Geschäftsführern der M&R Gastro GmbH nicht zurück. Und das zeigt Wirkung:

Das Alte Rathaus in Mayen ist in der Diskussion.
Das Alte Rathaus in Mayen ist in der Diskussion.
Foto: Hilko Röttgers/Archiv

Die potenziellen Investoren kommen ins Grübeln. Für Gastronomen seien die Eröffnung eines neuen Geschäfts sowie das erste Jahr von entscheidender Bedeutung, erklärt Marco Raskob, einer von zwei Geschäftsführern der M&R Gastro. „Wenn man in einer Stadt eine gespaltene Situation hat, dann ist das nicht zuträglich.“

Und gespalten ist die Situation in Mayen allemal. Auf der einen Seite versammeln sich die Befürworter des Bierhauses – zum Beispiel im Internet bei Facebook. Dort gibt es die Gruppe „Pro Bierhaus in Mayen“, die gut eine Woche nach ihrer Gründung schon gut 2300 Mitglieder hat. Auf der anderen Seite steht etwa der Aktionskreis Altes Rathaus, der die geplante Gastronomie mit einem Bürgerbegehren verhindern möchte und schon mehrere Hundert Unterschriften gesammelt hat.

Und dann sind da noch jene, die offenbar an einer sachlichen Diskussion kein Interesse haben und stattdessen mit „angedeuteten Drohungen und Behauptungen fern ab von jeder Wahrheit“ arbeiten, wie Marco Raskob schildert. „Ich will mit keinem Mayener ein Problem haben“, sagt er. Aber einen solchen Gegenwind, wie er ihm derzeit entgegenbläst, „das habe ich noch nicht erlebt“.

Raskob spricht von einer Situation, in der sich die M&R Gastro für ihr Vorhaben rechtfertigen müsse. „Das Ganze hat einen Negativ-Touch, und irgendwann ist man in einem Sog drin, aus dem man nicht mehr herauskommt.“

Wer sind die Investoren?

Michael Müller und Marco Raskob sind die Geschäftsführer der M&R Gastro GmbH. Das Unternehmen betreibt derzeit drei Bitburger Bierhäuser in Bitburg, Bad Münstereifel und Prüm – wobei der Pachtvertrag in Prüm im Mai ausläuft. Das Unternehmen ist eine eigenständige Firma, die nicht zur Bitburger Braugruppe gehört, mit dieser aber eng zusammenarbeitet.

Gleichwohl will er sich der Situation stellen, sich mit Kritikern und Gegnern des Bierhaus-Vorhabens an einen Tisch setzen und versuchen, deren Bedenken auszuräumen. „Wenn wir es schaffen, die Ressentiments zu beseitigen, dann können wir die weiteren Schritte angehen“, sagt Raskob. „Sonst nicht. Ich nehme keinen sechsstelligen Betrag in die Hand, ohne zu wissen, was daraus wird.“

Spätestens Ende Mai muss eine Entscheidung auf dem Tisch liegen. „Sonst eröffnen wir an einem anderen Standort“, sagt Raskob. Eine Alternative zu Mayen werde bereits geprüft.

Vom Standort Mayen ist Raskob aber nach wie vor überzeugt. „So wie wir es konzeptioniert haben, würde sich das Bierhaus rentieren“, sagt er. Und davon hätte auch Mayen etwas: „Wenn ich als Investor der Meinung bin, dass ich in Mayen erfolgreich sein kann, dann wird die Stadt davon profitieren.“

Auch Kritiker melden sich zu Wort: Wir haben nicht gedroht

Sie würden stänkern, pöbeln, diffamieren und bedrohen – das hat Mayens Oberbürgermeister Wolfgang Treis einigen Bierhaus-Gegnern vorgeworfen. Darauf reagiert nun der Aktionskreis Altes Rathaus, der das Bierhaus mit einem Bürgerbegehren verhindern möchte. Die Mitglieder sehen sich in Misskredit gebracht.

„Wir erklären mit Nachdruck, dass wir gegenüber den Akteuren des Bierhaus-Projekts weder Drohanrufe getätigt, noch Beschimpfungen vorgenommen haben“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die gebotene sachliche Auseinandersetzung in dieser Sache verbietet uns ein solches Verhalten!“ OB Treis erwecke den Eindruck, dass die Anrufe und Beschimpfungen von den Rathaus-Freunden lanciert worden sind. Für den Aktionskreis bestehe „angesichts des erfolgreich begonnenen Bürgerbegehrens“ dazu aber gar kein Anlass. Vielmehr wirft der Aktionskreis die Frage auf, ob die anonymen Handlungen nicht auch den Zweck verfolgen könnten, die Rathaus-Freunde als Verdächtige erscheinen zu lassen, um das Bürgerbegehren zu behindern.

Auch der Zeitpunkt der Drohanrufe erscheint ihm suspekt: „Warum, so fragen wir, soll es acht Wochen nach dem Ratsbeschluss vom 6. Dezember zu Drohanrufen und Beschimpfungen gekommen sein? Wieso erst jetzt, kurz nach der Gründung der ,Pro Bierhaus‘-Gruppe bei Facebook?“ Der Aktionskreis sei und bleibe „eine Gruppe von Bürgern, die weder ,stänkern‘ noch ,pöbeln‘, sondern ihr demokratisches Recht auf Durchführung eines Bürgerbegehrens als ein legitimes ,Mittel des Meinungsausdrucks‘ wahrnehmen“ will, heißt es in der Stellungnahme abschließend.

RZ-KOMMENTAR: Was kommt als nächstes?

Unser Redakteur Hilko Röttgers kommentiert die jüngsten Entwicklungen im Konflikt um das Bierhaus Mayen

Es ist kaum zu fassen, welche Blüten der Streit ums Mayener Bierhaus treibt. Drohanrufe von selbst ernannten Bierhaus-Gegnern beim Investor, ein beschämter Oberbürgermeister und nun auch noch die Kritiker vom Aktionskreis Altes Rathaus, die sich verunglimpft fühlen und glauben, man wolle sie verdächtig machen, um ihr Bürgerbegehren zu torpedieren. Was kommt da wohl als nächstes? Bemerkenswert ist, dass sowohl die „Pro Bierhaus“-Gruppe bei Facebook als auch der Aktionskreis für sich selbst in Anspruch nehmen, die Ebene der Sachlichkeit zu achten. Darauf sollten sich die Verantwortlichen nun schleunigst gegenseitig verpflichten – vielleicht bei einem kühlen Bier –, bevor die Situation vollends entgleist.

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