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    Koblenz

    Vor 20 Jahren stand Koblenz schon wieder unter Wasser

    Schon wieder Land unter: Nur etwas mehr als ein Jahr nach dem "Jahrhunderthochwasser" an Weihnachten 1993 erwischte es die Menschen der Region zum Jahresbeginn 1995 erneut und hart. Mit einem Wert von 9,22 Meter in Koblenz erreichte das Hochwasser Platz vier der höchsten Pegelstände. Nur 1993 (9,49 Meter), 1926 (9.30 Meter) und 1920 (9,23 Meter) stand das Wasser noch höher.

    Der Kaiser holt sich nasse Füße: Nach Weihnachten 1993 erwischte es die Menschen der Region zum Jahresbeginn 1995 erneut und hart.
    Der Kaiser holt sich nasse Füße: Nach Weihnachten 1993 erwischte es die Menschen der Region zum Jahresbeginn 1995 erneut und hart.
    Foto: Thomas Frey

    Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

    Doch mit Ranglisten hatten die Koblenzer damals wenig im Sinn - sahen sie sich doch nach nur 13 Monaten schon wieder mit Fluten in den Straßen der Stadt konfrontiert. Und die Besonderheit dieses Hochwassers war vor allem, dass es so lange andauerte.

    Üblicherweise liegt der Pegel in Koblenz im Schnitt bei weit unter 2,50 Meter. Im Zeitraum von Ende 2000 bis Ende 2010 war der Schnitt 2,34 Meter. Sprungartig stieg 1995 das Wasser über das übliche Maß. Die Ursachen: Zunächst hatte es überdurchschnittlich hohe Niederschläge vom 21. bis zum 30. Januar gegeben, berichtet das Landesamt für Wasserwirtschaft in einem Bericht von 1995. "Im Januar fielen in Rheinland-Pfalz 291 Prozent des langjährigen mittleren Januarniederschlags."

    Ein weiterer Faktor kam hinzu: In den Mittelgebirgen war zunächst noch eine hohe Schneedecke zu finden, dann aber setzte am 22./23. Januar Tauwetter ein, und der Schnee schmolz fast komplett. Das geht aus einem Bericht auf der Informationsplattform Undine hervor, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde entwickelt wird. Ergebnis: Es kam "zu einem steilen Anstieg der Wasserführung", vor allem am Mittel- und Niederrhein sowie an den Nebenflüssen Main, Nahe, Mosel und Sieg. Ein Beispiel: An der Untermosel stieg der Wasserstand am 23./24. Januar mit einem Tempo von fünf Metern in 24 Stunden. Erreicht war der Höchststand von 9,22 Meter in Koblenz am 30. Januar 1995. In Köln lag der Pegel bei 10,69 Meter - und damit sogar noch sechs Zentimeter höher als beim Weihnachtshochwasser 1993. In Koblenz hätte auch die Schutzwand, die künftig eine deutliche Entschärfung in Lützel, Neuendorf und Wallersheim bringen soll, angesichts dieser Wassermassen nichts verhindern können. Denn diese bietet Schutz nur vor zehnjährigen Hochwassern, für eine Pegelhöhe bis 8,45 Meter.

    Das 1995er Hochwasser hatte für viele gravierende Folgen. Bis zu einem Pegel von 6,50 Meter in Koblenz dürfen Schiffe den Rhein befahren. Zwischen Emmerich und Koblenz musste der Schiffsverkehr 1995 laut Undine-Bericht für zehn Tage pausieren, zwischen Mainz und Koblenz für sieben Tage. Zusammen mit den weiteren Ausfällen insgesamt wurde in dem Bericht der Schaden allein für die Schifffahrt mit 50 Millionen Mark beziffert. Die Gesamtschäden in Koblenz und der Region sind schwer zu beziffern. Im deutschen Rheineinzugsgebiet insgesamt wurde dieser im Undine-Bericht auf 550 Millionen Mark geschätzt. Tragisch vor allem: Fünf Todesopfer waren zu beklagen.

    Nach 1995 gab es noch etliche weitere Hochwasser, mit denen die Region zu kämpfen hatte, aber an die von 1993 und 1995 reichte glücklicherweise keins heran. Der höchste Pegel des neuen Jahrtausends war am 4. Januar 2003 mit 8,18 Meter zu verzeichnen.

    Bedeutet natürlich jedes Hochwasser für die betroffenen Anlieger Ärger und Probleme, hätte das von 2011 daneben noch zur Katastrophe für das Großprojekt der vergangenen Jahre in Koblenz werden können. Im Januar 2011 stiegen die Pegel, das Wasser überschwemmte die Ufer - und die Baustellen für die Bundesgartenschau gerieten ins Stocken. Und das drei Monate vor der Eröffnung. Es ging glimpflich aus: Mitte Januar wurden 7,30 Meter erreicht. Die Verzögerungen konnten wieder aufgeholt werden, bis zur Buga-Eröffnung im April 2011 war alles fertig.

     

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