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Koblenz

Südbrücke: Fehler am Gerüst führten zur Tragödie von 1972

19 Bauarbeiter opferten für die Südbrücke ihr Leben. Um Antworten auf die Frage, wie es zu den beiden Tragödien kommen konnte, wurde monatelang gerungen.

Die Südbrücke forderte während ihres Baus zahlreiche Todesopfer.
Die Südbrücke forderte während ihres Baus zahlreiche Todesopfer.
Foto: Archiv

Koblenz – 19 Bauarbeiter opferten für die Südbrücke ihr Leben. Um Antworten auf die Frage, wie es zu den beiden Tragödien kommen konnte, wurde monatelang gerungen. Im Falle des Unglücks vom 21. September 1972 gab es am Ende eine klare Antwort: Materialmängel und ein schwerwiegendes Versäumnis führten letztendlich dazu, dass sechs Menschen in den Tod stürzten und weitere schwer verletzt wurden. Darauf hat uns Werner Hilgert hingewiesen.

Der frühere Leiter des Ersten Kommissariats im Polizeipräsidium Koblenz war damals für die Untersuchung der Tragödie zuständig. Er erinnert sich noch gut an die aufwendigen Forschungen im Labor und an der Unfallstelle, an der Experten der Technischen Universität Hannover maßgeblich beteiligt waren. Nach mehreren Testreihen stand fest: Beim Aufstellen des Gerüstes war die sogenannte Beulsteife vergessen worden. Diese stellt gerade bei Baugerüsten sicher, dass die senkrechten Teile nicht einfach wegrutschen oder „ausbeulen“. Ferner ergaben die Recherchen, dass der damals zuständige Polier vergessen hatte, den Einbau eben dieser Beulsteifen anzuordnen. Juristisch belangt werden konnte der Mann für seinen Fehler übrigens nicht – er starb wenige Monate später bei einem Verkehrsunfall.

Deutlich komplexer war die Ursachensuche beim noch schwereren Unglück mit 13 Toten, das sich am 10. November 1971 am Rheinbauwerk der Südbrücke ereignete. Der Streit der Gutachter lief über Monate und Jahre, eine offizielle Begründung der Katastrophe, mit der alle an den rechtlichen Auseinandersetzungen Beteiligten hätten leben können, gab es übrigens nie. Allerdings wurden nach der Wiederaufnahme der Arbeiten in diesem Abschnitt im April 1973 die Bauteile deutlich stärker ausgelegt als es die statischen Berechnungen eigentlich erforderten. Die Folge: Die Fahrbahn lief nicht auf einer Ebene durch. Seitdem wird die Brücke gern mit dem Rücken eines Dackels verglichen. ka

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