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    Langner gegen Flöck: Endspurt im Koblenzer OB-Duell

    Im aktuellen Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters wird wieder einmal klar: Es sind nicht nur die Inhalte, wegen derer ein Kandidat gewinnt. Eine mindestens genauso große Rolle spielt der Mensch, sein Auftreten, das, was der Wähler mit ihm verbindet und ihm zutraut. Wie wichtig ist es also, dies für sich zu nutzen? Wie viel Persönliches darf und muss es sein im Wahlkampf?

    Seit Monaten sind Bert Flöck (unter anderem oben links) und David Langner (unter anderem oben, 1. von rechts) im Wahlkampf. Dabei spielt jenseits der Inhalte auch ihre Person eine wichtige Rolle. 
    Seit Monaten sind Bert Flöck (unter anderem oben links) und David Langner (unter anderem oben, 1. von rechts) im Wahlkampf. Dabei spielt jenseits der Inhalte auch ihre Person eine wichtige Rolle. 
    Foto: Ditscher/Egenolf

    Eine Frage, vor der auch David Langner und Bert Flöck stehen, die am Sonntag in der Stichwahl um das OB-Amt aufeinandertreffen. Und eine Frage, die aktuell noch einmal eine besonders Brisanz bekommen hat, nachdem „Der Spiegel“ ein 17-seitiges Porträt über den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz veröffentlicht hat.

    Der „Spiegel“-Autor durfte Schulz mehr als 150 Tage lang auf seiner Wahlkampftour begleiten, er war ebenso auf den Marktplätzen der Republik dabei wie in der Parteizentrale oder auf der heimischen Terrasse in Würselen. Er kam dem Politiker nah wie wohl kein Journalist zuvor – ein Risiko, das Schulz trotz der Ablehnung seiner Berater zuließ. Politik sollte zugänglich sein, sich nicht abschotten.

    Nun ist der Koblenzer OB natürlich nicht der Kanzler, und die Wahlkampfmaschine eines Schulz ist nicht vergleichbar mit den Bemühungen von Flöck oder Langner. Aber dennoch bleibt die Frage: Wie viel müssen die Kandidaten von sich preisgeben, wie viel sollten die Wähler von ihnen wissen, um ihnen ihre Stimme geben zu können?

    Vor allem im Wahlkampf ist der OB-Kandidat eine öffentliche Person – und David Langner, der als klarer Favorit ins Rennen geht, findet das eigentlich auch nicht schlimm. Aber es gibt Grenzen. Dass er vor allem in diesen Wochen ständig beobachtet wird, sein Verhalten von allen bewertet wird, daran hat er sich gewöhnt. Er ist nie privat, egal ob er einkaufen oder abends essen geht. Immer wird geguckt: Grüßt der, ist der freundlich? „Das ist schon in Ordnung“, sagt Langner.

    Aber man kann es dabei manchen auch gar nicht recht machen, hat er erlebt und erzählt von einem Veranstaltungsbesuch auf der Festung. In der Pause wollte er sich etwas zu trinken holen. Die Schlange war lang, und um nur ja nicht in den Ruf zu kommen, er drängele sich vor, wartete er, wartete und wartete, bis die Dame hinterm Tresen irgendwann sagte: „Jetzt sind Sie aber mal dran, Sie stehen da schon so lang.“ Darauf sagte eine andere Wartende spitz „Der Herr Langner wird schon nicht zu kurz kommen.“ Was hätte er denn anders machen können?, fragt er sich im Rückblick. Es bleibt nur zu lächeln.

    Lächelnd winkt er auch ab, als die RZ bei ihm zu Hause ein Frühstückstreffen vereinbaren will. „Alles hat Grenzen“, sagt er. Nicht, weil er etwas zu verbergen habe – „Mein Wahlkampfteam hat sich auch schon bei mir getroffen.“ Aber zu Hause ist privat – und irgendwann braucht auch der OB-Kandidat mal Feierabend und einen Rückzugsort.

    Bert Flöck hat nach der Wahl am 24. September, bei der er deutlich schlechter abgeschnitten hat als Langner, zumindest die Konsequenz gezogen, dass er weniger Sachthemen in den Mittelpunkt stellen muss als seine Person. Doch was folgt daraus? In erster Linie schaut der Christdemokrat auf Fotos und Plakaten weniger ernst und gibt sich nahbarer als bislang. Für ihn ist ohnehin klar: Als Oberbürgermeister ist man nicht annähernd so weit weg von seinen Wählern wie zum Beispiel ein Kanzler. „Man ist ja permanent in der Stadt unterwegs und immer im Amt.“ Dass das nur geht, wenn die Familie mitzieht, ist für ihn klar, „die kann ja nicht acht Jahre lang zu Hause bleiben“.

    Nach einer Diskussion in der Familie hätten er, seine Frau und die beiden Töchter dann auch gemeinsam entschieden, dass ein Foto von ihnen auf dem heimischen Sofa im Wahlflyer abgedruckt wird. Auch bei Veranstaltungen sind sie oft dabei. Doch die Offenheit hat auch Grenzen: Homestorys im Wahlkampf habe er abgelehnt, ebenso wie ein Treffen mit der RZ bei sich zu Hause. Er findet: „Eine Familie gehört beim OB dazu, aber nicht, wie er wohnt.“

    Mit welcher Stimmung gehen die beiden Kandidaten in die letzten Tage vor der Stichwahl? Wir trafen uns mit David Langner und Bert Flöck zum Frühstück – in zwei Koblenzer Cafés. Was dabei herauskam: 

    Frühstück mit Bert Flöck

    Eins ist klar: Diese drei Wochen dürften nicht die leichtesten sein für Bert Flöck. Bei der Wahl am 24. September hatte der 59-jährige Oberbürgermeister-Kandidat ein überraschend schlechtes Ergebnis geholt, 25,6 Prozent gerade mal, deutlich weniger als sein Konkurrent David Langner. Nun also Stichwahl, Flöck gegen Langner – und der Favorit ist nicht er selbst, das weiß auch Bert Flöck.

    Bert Flöck in der Kaffeewirtschaft.
    Bert Flöck in der Kaffeewirtschaft.
    Foto: Sascha Ditscher

    An diesem Morgen in der Kaffeewirtschaft in der Altstadt, Kaffee und Croissant vor sich, lässt er sich das nicht anmerken. Im Gegenteil: Flöck wirkt so gelöst wie lange nicht, der sonst ziemlich reservierte Baudezernent lächelt viel, erzählt von diesen speziellen Tagen, zumindest ein wenig. „Ich habe von vornherein gedacht, dass die Wahl nach dem 24. September weitergeht, das hatte ich schon eingeplant“, sagt der Koblenzer. Alles gut also, kein Motivationsloch, keine Zweifel?

    „Es war nie eine Option für mich zu sagen: Ich lasse es jetzt“, sagt Flöck. Schließlich hätten ihm letztlich zahlreiche Koblenzer ihre Stimme gegeben, viele Menschen hätten ihm im Vorfeld geholfen, „und auch in anderen Städten wurden bei einer Stichwahl große Vorsprünge gekippt“. Dass es in der ersten Woche nach der Wahl oft so gewirkt hat, als sei der Kandidat auf Tauchstation gegangen, statt um jede Stimme zu kämpfen, stimmt nicht, sagt Flöck. Dass er online nicht wirklich aktiv war, keine Termine auf seiner Webseite standen und er auch sonst außerhalb des Rathauses kaum zu sehen war, lag daran, dass er arbeiten musste. „Ich war die Woche nach der Wahl im Büro“, sagt Flöck. Im Hintergrund hat er außerdem seinen Wahlkampf neu aufgestellt, neue Fotos gemacht, den Facebook-Auftritt und seine Webseite überarbeitet.

    Bert Flöck ist Verwaltungsmann durch und durch: 43 seiner 59 Lebensjahre verbrachte er in den Behörden von Koblenz. Nach seiner Schulzeit in Kärlich trat Flöck mit 16 Jahren in die Koblenzer Verwaltung ein, übernahm mit 31 Jahren die Leitung des Kulturamts, bevor er 1997 Gründungsgeschäftsführer der Koblenz-Touristik wurde. 2011 übernahm er die Leitung des Haupt- und Personalamts. 2016 wurde er dann vom Stadtrat zum Baudezernenten gewählt, damit ist er Mitglied des vierköpfigen Stadtvorstands. Bert Flöck ist Mitglied der CDU, besondere Funktionen innerhalb der Partei spielen in seiner Vita allerdings keine Rolle. Auch im OB-Wahlkampf tritt er nicht für die CDU an, die Partei unterstützt in aber. Flöck lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Pfaffendorf, außerdem hat er zwei erwachsene Kinder aus einer früheren Ehe. 

    Vielleicht musste Flöck aber doch auch den ersten Wahlabend verarbeiten, auch wenn er dieses Thema offensichtlich nicht so hoch hängen will. Am 24. September war er erst mit seiner Frau zu Hause und hat die ersten Hochrechnungen verfolgt, später ist er dann ins Rathaus gegangen, hat etwas gequält in die Kameras gelächelt und dem Wahlsieger dieses Abends gratuliert. Den Impuls, einfach zu Hause zu bleiben und vielleicht auch ein Glas zu viel zu trinken, hatte er nicht, sagt Flöck. „Man muss sich stellen, auch bei einem schlechten Ergebnis. Es nützt ja nichts, zu Hause zu bleiben.“

    In der vergangenen Woche jedenfalls hatte Flöck Urlaub und startete in den Wahlkampf-Endspurt. Im Internet, in Anzeigen und auf Plakaten will er eine andere Seite von sich zeigen, wie er es nennt, eine menschlichere, nahbarere. Statt im dunklen Anzug eher staatstragend in die Kamera zu blicken wie bislang, lächelt Flöck nun breit und reckt einen Daumen in die Höhe. Hat er sich bisher auf Sachthemen konzentriert, so will er nun als Person präsenter sein.

    Auch die CDU, die den unabhängigen Kandidaten Flöck unterstützt, will klarer machen, dass sie hinter ihm steht. „Im Haustürwahlkampf haben mir Leute gesagt: Ich wusste gar nicht, dass Sie von der CDU sind“, berichtet Flöck. Wenn sich das ändert, könnte das durchaus von Vorteil für den 59-Jährigen sein.

    Ob all das hilft, die Stichwahl am Sonntag zu gewinnen, kann Flöck letztlich nur hoffen. Noch heute sagt er: „Ich bin überrascht über das Stimmergebnis bei der ersten Wahl“, darüber, dass er viele Wähler mit den Sachthemen, auf die er gesetzt hatte, offensichtlich nicht erreichen konnte. „Vielleicht wollen die Wähler auch einfach einen jüngeren OB“, sagt er mit Blick auf den 42-jährigen Langner und lacht: „Das kann ich bis Sonntag dann auch nicht mehr ändern.“

    Egal, wie die Stichwahl ausgeht: Flöck wird es in keine persönliche Krise stürzen, sagt er. Selbst wenn er verlieren sollte, wäre er zwar enttäuscht, „aber die Wähler kennen mich als Person nicht wirklich, ich werde ja nicht als Mensch abgelehnt“. Ihm ist wichtig: Verbogen hat er sich nie in diesem Wahlkampf.

    Frühstück mit David Langner

    Noch immer strahlt er, wenn er an den Abend des 24. September denkt. Er leuchtet geradezu, auch heute noch. 42,8 Prozent im ersten Wahlgang, mit dieser Höhe hatte David Langner selbst nicht gerechnet. Jetzt ist er klarer Favorit für die Stichwahl am Sonntag – doch die eigentlich komfortable Ausgangssituation birgt natürlich auch Risiken. Vor allem die Gefahr, dass viele Leute denken, es sei alles schon gelaufen, und nicht mehr zur Wahl gehen. Deshalb ist Langner noch immer mitten im Wahlkampf.

    Frühstück mit David Langner
    Frühstück mit David Langner
    Foto: Sascha Ditscher

    Beim Frühstück mit der RZ im Café Miljöö ist der 42-Jährige aber total entspannt. Und er hat Hunger. Wie fast jeden Morgen ist er sehr früh aufgestanden, obwohl der Staatssekretär Langner noch Urlaub hat und es der Wahlkämpfer Langner deshalb auch ein bisschen ruhiger angehen lassen könnte. „Ich bin aber um halb 6 aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen“, sagt er. Vielleicht liegt das am gewohnten Rhythmus, denn wenn er nach Mainz fährt, klingelt ebenfalls um diese Zeit der Wecker. Vielleicht liegt es am Schnupfen, der ihn nun im Wahlkampf-Endspurt erwischt hat. Und vielleicht liegt es auch daran, dass er doch ein bisschen angespannt ist. Jedenfalls hat er heute Morgen die Zeit genutzt, um Mails zu beantworten. Und um laufen zu gehen – dabei kann er abschalten. Ohne Musik. Einfach nur laufen.

    Bei Cappuccino, belegtem Brötchen, Obstsalat und gekochtem Ei erzählt Langer ein bisschen aus seinem Leben. Vom Jungen, der gemeinsam mit zwei jüngeren Brüdern in Pfaffendorf aufgewachsen ist. Anfangs war er ein zurückhaltendes, fast ängstliches Kind, erzählt Langner und lacht. Das kann man sich heute gar nicht mehr richtig vorstellen, so natürlich selbstsicher wirkt der 42-Jährige. Der Kontakt zu den Brüdern und auch zu den Eltern, die nicht mehr in Koblenz wohnen, ist im Übrigen nach wie vor eng. „Die sagen mir auch manchmal ganz schön die Meinung“, sagt Langner. „Freunde auch. Das finde ich gut.“

    David Langner (42) hat seine politische Karriere als Referent beim Landesverband der SPD in Mainz begonnen – das war 2003. Zuvor hatte er nach dem Abitur am Johannes-Gymnasium seinen Zivildienst gemacht und dann in Oldenburg, Marburg und Mainz Politikwissenschaft und Literaturwissenschaft studiert. 2004 zog er für die SPD, der er seit 1994 angehört, in den Stadtrat, setzte sich 2006 gegen drei Mitbewerber durch und ging als B-Kandidat in die Landtagswahl. Als A-Kandidat Roger Lewentz Staatssekretär im Innenministerium wurde, rückte Langner nach und kam in den Landtag. 2011 wurde er dann Vizepräsident der SGD Nord, 2013 wechselte er in das Amt des Staatssekretärs im Sozialministerium, gewann 2016 die Landtagswahl im Koblenzer Wahlkreis 9. Langner lebt in Güls, ist ledig und hat keine Kinder.

    Im Mittelpunkt zu stehen, ständig an seinem eigenen Konterfei an Plakatwänden entlangzugehen, daran hat sich der Koblenzer gewöhnt. Aber obwohl ihm Wahlkämpfe aus der Zeit als Koblenzer Ratsmitglied und später aus den Landtagswahlen vertraut sind, ist das im Moment natürlich schon etwas anderes: „Da war man eher Teil einer Liste, hier geht es klar um die eigene Person.“ Das ist manchmal ein komisches Gefühl, aber es gehört eben dazu. Bei manchen Anfeindungen allerdings braucht man auch ein dickes Fell – und wenn man die Wahl verlieren würde, erst recht: „Dann werden Familie und Freunde noch wichtiger, die hinter einem stehen, egal was passiert.“

    Doch die allermeiste Zeit macht auch der Wahlkampf Spaß. „Ich habe unheimlich gern mit Leuten zu tun“, sagt David Langner und berichtet von Begegnungen im Wahlkampf. Und man glaubt es ihm sofort, auch wenn er von früheren Jugendfreizeiten, von Kölsch-Abenden mit Freunden im Café Miljöö, von Urlauben und von Wahlkampfteam-Treffen erzählt. Nur manchmal, da braucht auch er seine Ruhe. Dann bleibt er zu Hause, selbst wenn einer aus dem Wahlkampfteam aufgeregt anruft und erzählt, dass „der Andere“ auch auf einem Termin oder einer Kirmes ist. „Dann ist das eben so.“

    Vielleicht hat Langner auch aus anderen Phasen seines Lebens gelernt, dass Arbeit und Politik nicht das ganze Leben sind. Denn eigentlich wollte er immer eigene Kinder haben, sagt er auf Nachfrage nachdenklich. Nun, vielleicht klappt das ja noch. Doch in der Zeit, in der andere im Freundeskreis heirateten und Kinder bekamen, da hat er im Landtag gerackert und sich kaum Zeit für sein Privatleben genommen. Vielleicht auch deshalb plant er heute stärker als früher freie Zeiten ein. Und Urlaube: Am allerliebsten in Dänemark oder Schweden, wo er am besten zur Ruhe kommen kann. Aber erst einmal will er Oberbürgermeister werden. Zum Lesen und draußen Entspannen bleibt auch später noch Zeit.

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