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Koblenz

Kleingärtner in Koblenz müssen Nordtangente weichen

Die Nordtangente, die ab diesem Jahr gebaut wird, soll in erster Linie über das freie Feld zwischen Metternich und Bubenheim führen – bis auf eine Ausnahme. Die Kleingartenanlage Weinacker liegt genau da, wo die Verkehrsachse verlaufen wird.

Schon damals wurde ihm gesagt, dass man umziehen muss, wenn die Nordtangente kommt – und jetzt ist es so weit.
Schon damals wurde ihm gesagt, dass man umziehen muss, wenn die Nordtangente kommt – und jetzt ist es so weit.
Foto: Stephanie Mersmann

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

Und wenn die Bagger anrollen, müssen die Gartenfreunde, die seit über 40 Jahren hier ihre Parzellen pflegen, weichen.

"Schon 1992, als ich meinen Garten übernommen habe, hieß es: In zwei Jahren ziehen wir um", erinnert sich Ernst Kagerbauer, Vorsitzender des 1973 gegründeten Kleingartenvereins Weinacker. Seit Jahrzehnten war die Nordtangente im Gespräch – und ebenso lang war den Kleingärtnern klar, dass sie ihre Anlage am Metternicher Feld räumen müssen, wenn die Straße gebaut wird. Dementsprechend haben die meisten Mitglieder nur das Nötigste in ihre Gärten investiert, die meisten Holzlauben etwa stammen noch aus den Gründungsjahren, sagt Kagerbauer.

Die Verkehrsachse wird da verlaufen, wo seit 1973 die Anlage Weinacker liegt.
Die Verkehrsachse wird da verlaufen, wo seit 1973 die Anlage Weinacker liegt.
Foto: Stephanie Mersmann

Der mögliche Umzug war ständig Thema am Weinacker, bei jedem Treffen, jeder Versammlung, so der Vorsitzende. "Aber das die Straße jemals gebaut wird, hat keiner wirklich geglaubt." Groß war deshalb die Überraschung, als Innenminister Roger Lewentz im Sommer 2013 verkündete, dass das Land nun Mittel für die Verkehrsachse bereitstellen will. Und auf einmal schien alles, was lange im Raum stand, ganz schnell zu gehen. Planung und Vorarbeiten laufen längst, und wenn alles gut geht, können die Bauarbeiten in diesem Sommer beginnen. Der Pachtvertrag mit dem Kleingartenverein wurde mittlerweile gekündigt, "das war erst mal ein Schock", sagt Kagerbauer. Stadt und Land sind die Eigentümer der Flurstücke am Rand von Metternich, auf denen sich die 16 000 Quadratmeter große Gartenanlage befindet. Schon im Juni kündigte die Stadt den bestehenden Pachtvertrag mit dem Verein, weil die Fläche "zur Realisierung der Nordtangente" benötigt wird. Und der Verein wurde aufgefordert, die 32 Pachtverträge, die er wiederum mit seinen Mitgliedern geschlossen hatte, zu kündigen.

Foto: Stephanie Mersmann

Bis die Bauarbeiten an dieser Stelle wirklich losgehen, dürfen sie in ihren Gärten bleiben – aber eben auf Abruf. Jetzt hoffen die Hobbygärtner darauf, dass es möglichst bald eine neue Anlage für sie gibt. Die Stadt will für Ersatz sorgen, und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft auf der anderen Seite des Weinackerwegs. Seit einer ganzen Weile bemüht sich die Stadt, die Grundstücke für die neue Anlage zu erwerben. Und schon jetzt verfügt sie über so viele Grundstücke in dem Gebiet, dass die Anlage in ihrer bisherigen Größe dort wieder untergebracht werden könnte, teilt die Verwaltung auf Anfrage der RZ mit.

Die Frage, die die Kleingärtner nun bewegt, ist, wann ihre neuen Parzellen bezugsfertig sind. Zugesagt wurde ihnen bislang nur, dass sie spätestens vier Wochen vor Baubeginn an der Nordtangente informiert werden – doch dann sollte der Umzug weitgehend gelaufen sein, so Kagerbauer. "Man kann mit einem Garten schließlich nicht von einem Tag auf den anderen umziehen", manche Pflanzen etwa müssen im Frühling umgepflanzt werden, andere im Herbst.

Und auch Vorarbeiten sind auf dem Areal nötig, von denen der Vorstand hofft, dass die Stadt so viele wie möglich übernimmt. Eine Straßenanbindung muss her, und auch Wege innerhalb der Anlage, Anschlüsse an Wasser, Strom und Kanalisation sind nötig. Außerdem braucht der Verein einen Gemeinschaftsraum, ein kleines Büro, eine WC-Anlage, Räume für Gemeinschaftsgeräte, zählt Kagerbauer auf. Hier hoffen die Kleingärtner auch auf Spenden.

Grundsätzlich ist der Verein aber froh, wenn er überhaupt eine neue Anlage bekommt, in der er seinem Hobby nachgehen kann. Und: Es soll auch Platz geben, um irgendwann einmal wachsen zu können. "Die Nachfrage ist jedenfalls da."

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