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Bendorf-Sayn

Japanische Paare sollen auf Schloss Sayn Ja sagen

Das im neugotischen Stil wiedererrichtete Schloss Sayn wird besonders in den Frühlings- und Sommermonaten immer wieder zur Kulisse zahlreicher Hochzeiten von Paaren aus der Region. Diese werden sich die prächtigen Säle aber schon bald mit Brautpaaren aus Fernost teilen müssen. Denn speziell japanische Trauzeremonien sollen künftig auf Schloss Sayn angeboten werden und noch mehr Touristen anlocken.

Bei einer japanischen Hochzeit, die auf Schloss Sayn modern interpretiert wurde besiegelt das Brautpaar die Ehe in einer Zeremonie. Es wird Reiswein an die Gäste gereicht.
Bei einer japanischen Hochzeit, die auf Schloss Sayn modern interpretiert wurde besiegelt das Brautpaar die Ehe in einer Zeremonie. Es wird Reiswein an die Gäste gereicht.
Foto: Damian Morcinek

Von unserem Redakteur Damian Morcinek

Einen Vorgeschmack darauf gab es jetzt mit einer von japanischen Schauspielern inszenierten Hochzeit im Roten Salon. Als fernöstliche Laute erklingen, lässt ein Japaner im farbenprächtigen Kimono, dessen Gesicht mit einer Furcht einflößenden roten Fratze bedeckt ist, sein Schwert durch die Luft gleiten. Mal sind seine Bewegungen sanft, mal gleichen sie einer schnellen Attacke, sodass seine feuerrote Mähne wild umherfliegt. Nach dem Ritus des Shugen-do, einer alten bis ins 7. Jahrhundert zurückreichenden Religion, in der sich Buddhismus und Shintoismus mit asketischen und naturmagischen Praktiken verbinden, bekämpft der Mann tanzend die bösen Geister und jagt alles Schlechte hinfort. Erst dann betritt zunächst der Bräutigam im schwarzen Kimono, gefolgt von der Braut in einem traditionellen weißen Gewand, den Raum. Mehrfach verneigen sie sich vor den anwesenden Gästen. Dann lässt das Paar Chrysanthemenblüten in ein mit Wasser gefülltes Gefäß gleiten. Während ein Priester zeremonielle Worte in Landesprache spricht, besiegeln die Brautleute das Bündnis der Ehe mit einem Schluck Reiswein aus besonderen Gläsern aus Tokio.

"Wir erleben hier ein Ereignis der besonderen Art – etwas, das wir in fast 700 Jahren Schlossgeschichte noch nie erlebt haben", betont Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, der sich auf viele solcher Zeremonien und ein steigendes Angebot in Sayn freut. "So ein Schloss braucht Events. Mann kann so ein historisches Gemäuer nur erhalten, wenn man es mit Leben füllt", erläutert der Schlossherr. Dabei macht er kein Geheimnis daraus, dass die Idee zur japanischen Trauzeremonie in Sayn diesmal nicht aus der eigenen Schlossverwaltung stammt. Vielmehr hatte Yasuhiko Osaka, ein Freund des Fürstenhauses und Botschafter des deutsch-japanischen Freundeskreises Burg und Schloss Sayn, den Einfall. "Er hat sich in das Schloss verliebt und sich gedacht, dass man mehr Japaner hierherbringen müsste."

Denn mit der Hochzeitsfeier wollen die japanischen Organisatoren in Kooperation mit dem Fürstenhaus nicht nur ästhetische und kulturelle Werte des traditionellen und modernen Japans in Sayn vorstellen, sondern auch eine Kulturen verbindende Brücke zu deutschen Hochzeitszeremonien und -bräuchen schlagen. Die Pflege deutsch-japanischer Beziehungen liegt Yasuhiko Osaka seit Jahren am Herzen. 2011 wurde der Japaner, der während Reisen als Student in den 1960er-Jahren mit Deutschland in Kontakt kam, dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Von der Zeremonie auf Schloss Sayn sind auch zahlreichen Fotos sowie ein Video für die japanischen Medien entstanden. Demnächst wird in Fernost die Werbetrommel für Hochzeiten im Roten Salon gerührt. Und vermutlich werden die ersten Buchungen nicht lange auf sich warten lassen, denn immer mehr japanische Hochzeitspaare werden von der romantischen Atmosphäre deutscher Burgen und Schlösser angezogen. "Wir werden sehen, was auf uns zukommt", sagt Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn mit einem Lächeln.

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