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Koblenz/Diez

Verurteilter Mörder stach in JVA Diez auf Ehefrau ein: Thorsten S. gesteht Bluttat

Eugen Lambrecht

Es ist ein grauer Novembernachmittag als Thorsten S. seine Ehefrau im Besuchsraum der JVA Diez trifft. Die 30-Jährige hat ihre beiden Kinder im Schlepptau, S. eine Porzellanscherbe in der Socke. Knapp drei Stunden später zerreißt sich der 36-Jährige sein T-Shirt und beschimpft seine Frau als Ratte. Die liegt zu diesem Zeitpunkt bereits blutüberströmt am Boden. Mit Stichwunden an der Schläfe, am Hals, an der Brust, am Rücken und an ihren Armen.

Was geschah am 2. November 2017 hinter diesen Mauern? Seit Dienstag muss sich ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt Diez vor dem Landgericht in Koblenz verantworten. Ihm wird versuchter Totschlag an seiner Ehefrau vorgeworfen, die er während eines Besuchs mit einer Tonscherbe attackierte. Foto: Pohl
Was geschah am 2. November 2017 hinter diesen Mauern? Seit Dienstag muss sich ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt Diez vor dem Landgericht in Koblenz verantworten. Ihm wird versuchter Totschlag an seiner Ehefrau vorgeworfen, die er während eines Besuchs mit einer Tonscherbe attackierte.
Foto: Pohl

Was sich am 2. November vergangenen Jahres hinter den Mauern des Diezer Schwerverbrechergefängnisses abspielte, macht fassungslos. Jetzt hat am Landgericht Koblenz der Prozess um den Gewalteklat begonnen. Das Ehepaar sah sich erstmals wieder – in Sitzungssaal 128. Versuchter Mord, Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung: Als Staatsanwalt Tobias Erfgen die Vorwürfe gegen den 36-Jährigen auflistete, wischte sich das Opfer die Tränen aus dem Gesicht. Laut Anklage soll Thorsten S. seine Ehefrau zuerst in der Spielecke des Besuchsraumes vergewaltigt und dann sieben Mal auf sie eingestochen haben. Warum? Weil sich die 30-Jährige von ihm trennen wollte.

Zu Prozessbeginn gestand der hagere Mann mit dem schütteren Haar die Bluttat an seiner Ehefrau, beteuerte aber zugleich: „Ich wollte sie nicht töten. Ich wollte ihr einen Denkzettel verpassen.“ Der Grund: Einerseits die angekündigte Trennung, andererseits die Drohung, ihn wegen seines Handys bei der Gefängnisleitung zu verpfeifen. Den Vorwurf der Vergewaltigung stritt S. gänzlich ab. Der Sex sei einvernehmlich erfolgt, so wie bei vorangegangenen Besuchen auch. „Das ging ganz leicht“, erklärte S. im Plauderton. Mit einer Rasierklinge habe er ein Loch in seine Hose geschnitten, ebenso eins in den Slip seiner Frau. Dann hätte sie sich auf seinen Schoß gesetzt – während die Kinder spielten und ein Justizbeamter am anderen Ende des Raumes saß.

Das Ehepaar lernte sich im April 2014 über Facebook kennen. Thorsten S. schrieb der Frau mit einem Handy, das ins Gefängnis geschmuggelte wurde. Erst chatteten sie, dann besuchte sie ihn. Und am 13. September 2016 gab sich das Paar hinter Gittern das Jawort. Doch das Eheglück war nur von kurzer Dauer. Die Beziehung war geprägt von Eifersucht und ständigem Streit – der an jenem Novembernachmittag eskalierte.

Es ist bereits die zweite Bluttat an einer Frau, die Thorsten S. verübte. Im Herbst 2007 stach er mit einem Dolch vor einer Einkaufsgalerie in Pirmasens 37 Mal auf seine damalige Freundin ein. Auch sie hatte sich von ihm getrennt – und musste dafür mit ihrem Leben bezahlen. Das Landgericht Zweibrücken verurteilte den Mann zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Der Gewalteklat im Diezer Schwerverbrechergefängnis sorgte bundesweit für Schlagzeilen – und lässt viele Beteiligte bis heute nicht kalt. Eine Polizistin sagte im Prozess: „Ich habe schon viel gesehen. Aber das war herausragend, das wird in Erinnerung bleiben.“ Und ein Häftling, der zum Tatzeitpunkt mit seiner Frau im Besuchsraum war, resümierte: „Wie die Kinder da geschrien haben – das war der blanke Horror.“

Eigentlich sollte die 30-Jährige ebenfalls am ersten Prozesstag als Zeugin vernommen werden. Doch die Frau brach im Gerichtsgebäude zusammen – und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Ihre Anwältin Maike Naumiuk erklärte: „Das ist körperlich und mental sehr belastend für sie.“

Belastend dürfte der Fall auch für die JVA Diez sein. Die Anstalt geriet wegen des Gewalteklats massiv in die Kritik. Das Verfahren soll somit auch klären, ob Justizbeamte die Tat hätten verhindern können. Der Prozess geht am 29. Mai weiter.

Von unserem Reporter
Eugen Lambrecht

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