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Grafschaft

Zeichen eines Umdenkens: Gülle auf Gemeindeflächen soll verboten werden

Frieder Bluhm

Wird die Gemeinde Grafschaft zum Vorreiter einer umweltschonenden Landwirtschaft? Aus dem Umfeld der Gülle-Gegner gibt es diese Forderung an die Politik. Diese zeigt sich entschlossen, neue Wege einzuschlagen. Ein Gülleverbot auf gemeindeeigenen Flächen soll ein Anfang sein.

Eine Mahnwache empfing die Politiker vor dem Rathaus.  Foto: Vollrath
Eine Mahnwache empfing die Politiker vor dem Rathaus.
Foto: Vollrath

Ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit begleitete den Umwelt-, Agrar- und Forstausschuss der Gemeinde Grafschaft bei seiner öffentlichen Sitzung am Mittwochabend im Ringener Rathaus. Nicht nur, dass sämtliche Zuschauerplätze besetzt waren. Eine Mahnwache der Bürgerinitiative (BI) Gülle-Stopp empfing die Ausschussmitglieder schon vor dem Rathauseingang. Ihre Forderung an die Politiker: Umweltinteressen vor Parteiinteressen stellen.

Auslöser der Aktion war insbesondere der Antrag des SPD, die Ausbringung von Gülle auf gemeindeeigenen Flächen zu verbieten. Die stumme Demonstration hatte sich indes schon aufgelöst, als der Tagesordnungspunkt eine Stunde nach Sitzungsbeginn aufgerufen wurde. Bei einer Gegenstimme wurde er angenommen, ebenso die Zusatzanträge von CDU und FWG. Letztere beantragte, auch die Ausbringung von Klärschlamm auf gemeindeeigenen Flächen zu verbieten. Die CDU schlug vor, das Verbot auf Importgülle zu beschränken. „Wir wollen keinem Viehalter untersagten, seine Gülle auszubringen“, betonte Leo Mattuscheck. Im Hauptausschuss und im Gemeinderat wird es demnächst voraussichtlich einen fraktionsübergreifenden Antrag auf Basis des SPD-Antrages geben.

Den hatte Günter Bach (SPD) zunächst ausführlich begründet. Er wies auf die Gefahr durch antibiotikaresistente Bakterien hin, auf die Geruchsbelästigung durch Gülle und die Verschmutzung des Trinkwassers durch eine viel zu hohe Nitratbelastung, die gesundheitsschädlich sei und das Ökosystem verändere, sodass die Artenvielfalt leide und für Insekten „karge Wüsten“ entstünden. „Ziel ist es, dass die Gemeinde Grafschaft eine Vorbildfunktion bezüglich des gesundheitlichen Schutzes ihrer Bürger einnimmt“, sagte Bach.

Dass es sich bei dem Gülleverbot um einen symbolischen Beschluss handelt, war allen Ausschussmitgliedern bewusst: Von 3500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in der Grafschaft sind nur etwa 20 Hektar aus Gemeindebesitz an Landwirte verpachtet. Gleichwohl sah sich Stefan Wuzél (FWG) herausgefordert, Bachs Ausführungen entgegenzutreten. „Was mich stört, ist der hier vermittelte Eindruck, dass alle Landwirte ihre Fläche vergiften“, machte der Landwirt deutlich. Das Gegenteil sei der Fall: Ein Landwirt versuche alles, die Fläche zu verbessern. Gegen „pauschale Angriffe“ und berufsschädigende Polemik wehre er sich, erklärte Wuzél. „Schade, dass so populistische Antrage gestellt werden.“

Ein Vorwurf, den Reinhold Hermann (FWG) umgehend zurückwies. Die Menschen in der Grafschaft hätten auch das Recht auf saubere Luft. Im Frühjahr habe es in Gelsdorf an 27 Tagen nach Gülle gestunken. „Wenn hier von Populismus gesprochen wird, finde ich das diffamierend“, sagte Hermann. Mathias Heeb (Grüne) wies darauf hin, dass es nicht zielführend sei, mit der Landwirtschaft auf Konfrontation zu gehen, wolle man den landwirtschaftlichen Charakter der Grafschaft erhalten. „Ich hoffe, dass wir am Runden Tisch den Dialog mit der Landwirtschaft fortsetzen“, sagte Heeb. Und auch Michael Schneider (CDU) mahnte, in der Diskussion seriös zu bleiben. Gemeinsam müsse man anfangen umzudenken und mit der Landwirtschaft im Gespräch bleiben.

Alle weiteren Beschlüsse, die allesamt das Ziel haben, die Artenvielfalt zu erhalten, wurden einstimmig gefasst. Für den detaillierten Antrag der CDU, ein Maßnahmenpaket für eine bienenfreundliche Gemeinde zu entwickeln, gab es Lob von der SPD. Zustimmung zum Antrag der FWG, geeignete Gemeindeflächen ökologisch aufzuwerten. Und auch der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, einen Arbeitskreis zu bilden, der Projekte im Rahmen der vom Land geförderten und im Ausschuss vorgestellten „Aktion Grün“ vorbereiten soll, fand einhellige Unterstützung. „Wir haben die große Chance, ein Leuchtturmprojekt zu installieren“, fasste Udo Klein (SPD) die Beschlusslage zusammen.

Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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