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    Kommentar: Nur Schulz hätte dieses TV-Duell retten können

    Es ist schon erstaunlich: Ausgerechnet an dem Abend, als die deutsche Fernsehdemokratie ihren Höhepunkt des Jahres hätte erleben können, bekam sie deutlich ihre Grenzen aufgezeigt. Statt 95 Minuten spannendes und scharfzüngiges TV-Duell gab es vor allem eines: eineinhalb Stunden langatmiges Geplänkel zwischen zwei Großkoalitionären, deren Unterschiede man fein säuberlich ziselieren musste, um sie überhaupt zu bemerken. Anstrengend.

    Christian Kunst
    Christian Kunst

    Unser Redakteur Christian Kunst zum TV-Duell

    Dass dieses sogenannte Duell so verlief, dafür sind vor allem die Fernsehmacher verantwortlich. Es ist ja schon problematisch genug, dass sich die Debatten der deutschen Demokratie seit Jahren in die Talkshows verlagert haben. Wer erinnert sich noch an bahnbrechende parlamentarische Debatten – wenn es nicht um Gewissensentscheidungen wie bei der Ehe für alle ging? Die TV-Demokratie führt sich jedoch ad absurdum, wenn sie sich von der Politik die Regeln der Debatten diktieren lässt. Von Erpressung war da mit Blick auf Kanzlerin Angela Merkel die Rede. Ein unrühmliches Machtspiel. Doch die großen Sender haben sich auch erpressen lassen, indem sie trotz für sie untragbarer Bedingungen nicht die Reißleine gezogen haben. Überhaupt kein TV-Duell wäre da sicherlich die bessere Alternative gewesen. Doch das haben sich die Sender nicht getraut. So konnte nur eine von diesem Format, das ohne störende Zuschauer und überraschende Fragen auskommen musste, profitieren: die Kanzlerin.

    Schlimmer noch: Die vier Moderatoren gaben das Heft des Handelns auch noch während des Duells aus der Hand. Sie ließen es zu, dass zwei Vertreter der seit vier Jahren regierenden Großen Koalition 95 Minuten über Nuancen einer gemeinsamen Politik redeten. Kaum ein Wort über die Zukunftsfragen wie Rente, demografische Entwicklung oder Pflege. Gerade jüngere Wähler dürften enttäuscht abgeschaltet haben, wenn sie überhaupt erst eingeschaltet haben.

    So verfestigt sich der Eindruck, dass Politik alternativlos ist. Dabei gibt es Alternativen. Doch die standen am Sonntag nicht vor der Kamera. Die Opposition, die vermeintlich kleinen Parteien, war bei Sat.1 am späten Donnerstagabend zu sehen. Dort wurden drei weibliche Vertreter von Grünen, AfD und der Linken mit der Frage belästigt, ob sie FDP-Chef Christian Lindner „scharf“ finden. Ein schlechter Softporno der TV-Demokratie. Überhaupt ist die Trennung zwischen Groß und Klein nicht mehr zeitgemäß – erst recht nicht in Zeiten der Großen Koalition.

    Der einzige, der das TV-Duell hätte retten können, war Martin Schulz. Er hätte Millionen Zuschauer überraschen können – mit einer Zukunftsagenda oder nur einer unvorhersehbaren Forderung, die lange die Schlagzeilen hätte bestimmen können. Ein Überraschungscoup. Etwas, womit Merkel nicht rechnen konnte. Und wenn es eine Absage an dieses TV-Duell gewesen wäre. Doch zu einer solchen Volte scheint Schulz nicht fähig. Ist das Format des TV-Duells jetzt tot? Keineswegs. Andere Länder zeigen, dass es Wahlen entscheiden kann. Wenn Fernsehsender und Herausforderer eines beweisen: Mut.

    E-Mail: christian.kunst@rhein-zeitung.net

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