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Bingen

Einsatz kam entgegen: Rettungswagen stoppt auf der A60 kranken Giesterfahrer

Rettungsdienst als Retter in anderer als gewohnter Art: Mit Blaulicht hat die Besatzung eines Rettungswagens auf der Autobahn A60 einen Geisterfahrer gestoppt – und Schlimmeres verhindert. "Man kommt nicht zum Nachdenken", sagt der Fahrer.

Doppelter Einsatz für den privaten Rettungsdienst Corneli: Rettungsassistent Daniel Weinen stoppte auf der A60 zunächst einen Geisterfahrer, ehe der Mann dann noch versorgt und ins Krankenhaus gebracht wurde. Foto: Corneli (Archiv)
Doppelter Einsatz für den privaten Rettungsdienst Corneli: Rettungsassistent Daniel Weinen stoppte auf der A60 zunächst einen Geisterfahrer, ehe der Mann dann noch versorgt und ins Krankenhaus gebracht wurde.
Foto: Corneli (Archiv)

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Es war gerade ruhig für Daniel Weinen (29) und seine Kollegin. Sie kamen von der Uniklinik Mainz, der Rettungsassistent von Corneli steuert den Rettungswagen des Unternehmens aus Münster-Sarmsheim zurück Richtung Standort. Aktuell kein Einsatz, wenig Verkehr auf der A60 Sonntagmorgens um kurz nach 5. Beide ahnen noch nicht, dass ihnen der nächste Einsatz gerade entgegenkommt, dass bei der Polizei deshalb Autofahrer aufgeregt anrufen.

Weinens Kollegin füllt auf dem Beifahrersitz Papiere aus, deshalb fällt ihr auch zunächst nicht auf, dass und warum Weinen am Steuer sich wundert. Unweit der Anschlussstelle Ingelheim-West Lichter in der Ferne. "Ich hatte sicher ein Fragezeichen auf der Stirn, ich war mir nicht sicher, ob der wirklich auf unserer Seite ist."

Als es keine Zweifel mehr gibt, ist für den Mommenheimer keine Zeit mehr, groß nachzudenken. Weinen macht das Blaulicht und den Warnblinker an, fährt halb auf der linken, halb auf der mittleren Spur dem Geisterfahrer entgegen, der auf der linken Spur näher kommt. "Wenn man auf zwei Spuren fährt, wird die Situation unübersichtlicher für andere, es wird langsamer gefahren." Und er muss auch an die Möglichkeit denken, dass der Geisterfahrer Gas gibt und doch versucht, durchzubrechen. "Ich war auch darauf gefasst. Dann kommt es nicht zum Frontalzusammenstoß, sondern zum Rammen." Fahrsicherheitstraining macht sich an dieser Stelle und bei der Absicherung bezahlt.

Das Auto wird zum Glück langsamer, der Fahrer registriert auch die Handzeichen, hält an – ganz dicht an der Leitplanke. Der Rettungswagen bleibt auf den beiden Spuren stehen – und auf die Besatzung kommt jetzt noch ihre gewohnte Arbeit zu. "Es war direkt zu erkennen, dass der Fahrer gesundheitliche Probleme hatte." Der Mann spricht kaum Deutsch, aber es hat noch andere Ursachen, dass er sich schlecht verständlich machen kann. Er ist stark überzuckert, wird die Polizei später mitteilen. Und loben: "Nur durch den besonnenen und geistesgegenwärtigen Einsatz der Rettungskräfte konnte ein schwerer Verkehrsunfall vermieden werden." Weinen sagt: "Da gab es nicht viel zu überlegen. Und wir haben mit dem Blaulicht ja die besten Chancen."

Die Polizei sperrt die Autobahn kurzzeitig voll, um den Wagen des Geisterfahrers – ein 55-Jähriger Kurierfahrer aus Polen – von seinem gefährlichen Platz zu fahren. Der Mann fährt derweil mit seinen Rettern weiter – ins Krankenhaus nach Ingelheim. Seine gesundheitlichen Probleme bewahren ihn vor einem nicht: Die Polizei erstattet Anzeige wegen Straßengefährdung.

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