Archivierter Artikel vom 13.11.2010, 11:16 Uhr
Washington/Seoul

Obama kehrt mit leeren Händen zurück

Oft kommt zum Schaden die Schadenfreude. Barack Obama, im eigenen Land als Verlierer des G 20-Gipfels geschmäht, bekommt es gerade schmerzlich zu spüren.

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Da half auch die Überredungskunst wenig: Der G 20-Gipfel in Seoul endete für US-Präsident Barack Obama mit einem Fiasko. 
Foto: dpa
Da half auch die Überredungskunst wenig: Der G 20-Gipfel in Seoul endete für US-Präsident Barack Obama mit einem Fiasko.
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Washington/Seoul. Oft kommt zum Schaden die Schadenfreude. Barack Obama, im eigenen Land als Verlierer des G 20-Gipfels geschmäht, bekommt es gerade schmerzlich zu spüren. „Auf der Weltbühne abgelehnt“, kommentierte die „New York Times“ und fügte hinzu, dass sowohl China als auch Deutschland und Großbritannien die Vereinigten Staaten herausforderten. „Die USA verlieren an Einfluss“, titelte das „Wall Street Journal“ und zeichnete das Bild eines Präsidenten, der dem Zielband der Konferenz entgegenhumpelt, gezeichnet von den Blessuren, die er in Seoul erlitt.

Es ist ein Moment der Ernüchterung. Nach der Schlappe bei den Kongresswahlen kehrt Obama mit leeren Händen aus Asien zurück. Peking widerstand seinem Druck, die eigene Währung aufzuwerten. Im Verein mit Berlin wehrte es sich erfolgreich gegen das Ansinnen, Handelsüberschüsse auf vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen. London, eisern sparend, stellte sich gegen den Kurs des Weißen Hauses, wonach man kurzfristig noch höhere Schulden in Kauf nehmen muss, um das Wachstum kräftig anzukurbeln. Und zu Hause wird der Chor der Kritiker immer lauter.

Sogar ein loyaler Mann wie Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Chef der Fed, der Notenbank, geht jetzt auf Distanz. Dem alten Herrn missfällt der Plan seines Nachfolgers Ben Bernanke, der Anleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar zurückkaufen will, um billiges Geld unter die Leute zu bringen. Damit verfolgt die Notenbank „eine Politik der Währungsschwächung“, ganz ähnlich wie die Chinesen, tadelt der Veteran.

Gewiss, die Fed ist unabhängig. Dennoch werden Greenspans Worte als Standpauke in Richtung Obama verstanden. Die Republikaner frohlocken, ohnehin skizzieren sie den früheren Juraprofessor am liebsten als falsch beratenen Schuldenmacher, allerdings ohne selbst belastbare Alternativen anzubieten. Eine 18-köpfige Expertenrunde, die nach monatelanger Kleinarbeit eine Blaupause für den Abbau des Defizits vorlegte, beißt fürs Erste auf Granit, auch bei den Konservativen. Die Kommission schlägt vor, heilige Kühe zu schlachten: das Militärbudget drastisch zu reduzieren, das Rentenalter auf 69 Jahre anzuheben, die Mineralölsteuer zu erhöhen. Der gestresste Asienreisende Obama bittet um Zeit, damit er die Vorschläge genauer studieren kann. So verständlich das ist, so reflexartig gerät er dafür unter Beschuss. Von Wankelmut ist die Rede.

Zu allem Überfluss ist auch noch ein Handelsabkommen mit Südkorea geplatzt. Von dem Papier hatten sich besonders die Autobauer Detroits bessere Exportchancen erhofft. Am Donnerstag wollten es Obama und sein südkoreanischer Amtskollege Lee Myung-bak unterschreiben. Daraus wurde nichts. Die Südkoreaner, die zurzeit zehnmal mehr Autos in die USA exportieren, als sie von dort importierten, sollten auf Drängen der Amerikaner konkretere Kaufzusagen machen. Als sie sich weigerten, vertagte Obama den Deal.

Obama als hochkarätiger Handelsvertreter für „America Incorporated“: So war sein zehntägiger Trip nach Indien, Indonesien, Südkorea und Japan angekündigt worden. Zwischen Neu-Delhi und Tokio wollte sich der Staatschef kräftig ins Zeug legen, damit in Chicago oder Cincinnati neue Jobs entstehen. Nun wirkt er wie einer, dem in der Pechsträhne einfach nichts mehr gelingt

Von unserem USA-Korrespondenten Frank Herrmann