Archivierter Artikel vom 21.09.2011, 07:00 Uhr

Klare Distanzierung von Tätern vermisst

Hoyerswerda. Sachsens früherer Innenminister Heinz Eggert (CDU) hält tagelange ausländerfeindliche Ausschreitungen wie vor 20 Jahren in Hoyerswerda kaum noch für möglich. Übergriffe seien zwar nicht auszuschließen, sagte der 65-Jährige in seinem Heimatort Oybin im Landkreis Görlitz.

Hoyerswerda – Sachsens früherer Innenminister Heinz Eggert (CDU) hält tagelange ausländerfeindliche Ausschreitungen wie vor 20 Jahren in Hoyerswerda kaum noch für möglich. Übergriffe seien zwar nicht auszuschließen, sagte der 65-Jährige in seinem Heimatort Oybin im Landkreis Görlitz.

Es sei heute aber mit entschlossenerem Widerstand aus der Zivilgesellschaft zu rechnen. Diese sei gereift und „ein ganzes Stück weiter“ als damals.Der frühere evangelische Pfarrer forderte zugleich eine konsequente Verfolgung von rechten Straftätern. Rechtsextreme seien keine „politisch aufrechten Kämpfer“ für eine Weltanschauung, sondern normale Kriminelle, betonte Eggert. „Wir brauchen eine Kultur der Verachtung in der Bevölkerung.“ Hoyerswerda erinnert in diesen Tagen an die ausländerfeindlichen Krawalle vom 17. bis 23. September 1991. Zu einer Gedenkveranstaltung am Wochenende, zu der die Stadt eingeladen hatte, kamen 150 Menschen.

Im September 1991 attackierten Neonazis zwei Ausländerheime unter anderem mit Brandsätzen und Steinen. Hunderte Bürger stachelten die Gewalttäter mit Beifall an. Eggert übernahm wenige Tage später bis 1995 das Innenressort.

Er habe damals versucht, den Bürgern in Hoyerswerda klarzumachen, dass Probleme nicht mit Gewalt gelöst werden dürften, sagte Eggert. Eine klare Distanzierung von den Gewalttätern habe er aber vermisst. Die linke Initiative „Pogrom 91“ wirft der Stadt bis heute die Verdrängung der Krawalle vor.

Am Sonntag gedachte man in einem Gottesdienst in der Johanneskirche der Ereignisse von 1991. Die Stadt zeigt außerdem seit vergangener Woche eine Ausstellung über die Ausschreitungen in der „Orange Box“ ganz in der Nähe des Hauses in der Albert-Schweitzer-Straße, wo es vor 20 Jahren zu den gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war.