Archivierter Artikel vom 16.11.2010, 08:15 Uhr
Karlsruhe

Kanzlerin trifft die „schwarze Seele“ – Delegierte aus Rheinland-Pfalz schwärmen

Wer wissen will, wie gut die Rede von CDU-Chefin Angela Merkel war, der muss jemanden fragen, der die Reden aller Vorsitzenden gehört hat: Heinz Schwarz aus Leubsdorf (Kreis Neuwied).

„Da hat nicht mehr die Physikerin, sondern die Politikerin gesprochen.“
„Da hat nicht mehr die Physikerin, sondern die Politikerin gesprochen.“
Foto: dpa

Karlsruhe. Wer wissen will, wie gut die Rede von CDU-Chefin Angela Merkel war, der muss jemanden fragen, der die Reden aller Vorsitzenden gehört hat: Heinz Schwarz aus Leubsdorf (Kreis Neuwied). Das Urteil des früheren rheinland-pfälzischen Innenministers ist eindeutig: „Das war eine der großen Reden, die ich auf Parteitagen gehört habe. Da hat nicht mehr die Physikerin, sondern die Politikerin gesprochen.“ Für den 82-Jährigen steht Merkel jetzt in einer Reihe mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl.

Besonders freut Schwarz, dass seine Parteichefin endlich einmal auf die Erfolge der CDU hingewiesen hat. „Die fünf Millionen Arbeitslosen waren die Arbeitslosen der Politik. Aber die zwei Millionen, die wir jetzt weniger haben, wären ohne die Politik nicht möglich gewesen.“ Außerdem habe sie angemessen auf die „Traumprinzerei der Grünen“ reagiert. All dies ist für ihn Beleg dafür, „dass sie auf kritische Situationen reagieren kann“.

Besonders gepunktet hat Merkel bei den Konservativen im Land. Indem sie in ihrer Rede auch die Fehler und Schwächen der schwarz-gelben Koalition eingestand, hat sie aus Sicht von Gisela Stahl, CDU-Vorsitzende in Erpel (Kreis Neuwied), an Glaubwürdigkeit gewonnen. Sehr berührt hat sie auch die Rede von Finanzminister Wolfgang Schäuble. „Ich finde es enorm, wie dieser Mann seine Leistungen vollbringt. Angela Merkel wird nicht gern auf ihn verzichten. Davon bin ich überzeugt.“ Für Andreas Biebricher (Koblenz) hat Merkel in ihrer kämpferischen Rede unterstrichen, „dass die CDU staatstragende Säule bleibt, auch wenn man Gegenwind spürt“.

Beifall bekommt Merkel auch von christlich-sozial eingestellten Christdemokraten wie Karl-Heinz Boll aus Hachenburg. „Ich habe mich sehr gut vertreten gefühlt.“ Und Karola Krämer aus Langenhahn (Westerwaldkreis) freut, dass ihre Chefin bei der Präimplantationsdiagnostik andere Meinungen zulässt.

Wer wissen will, wie gut Merkels Rede war, der kann auch jemanden fragen, der sie sehr gut kennt. Unionsvize Michael Fuchs. Er sagt: „Das war eine schwarze Rede, die beste, die ich von ihr gehört habe. Und ich habe weit über 100 gehört.“ Mit ihren kämpferischen Worten, schwärmt Fuchs, habe die Kanzlerin mitten in die „schwarze Seele“ getroffen. Sie habe deutlich gemacht, dass konservativ keinesfalls rückwärtsgewandt sei, sondern fortschrittlich.

Aus Karlsruhe berichtet unser Redakteur Christian Kunst