Archivierter Artikel vom 16.07.2010, 08:04 Uhr

Gier nach Rohstoffen

Die wachsende Kontrolle Chinas über Rohstoffvorkommen in Afrika und Südamerika könnte der deutschen Industrie nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Bunds der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, eines Tages massive Probleme bereiten.

Die wachsende Kontrolle Chinas über Rohstoffvorkommen in Afrika und Südamerika könnte der deutschen Industrie nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Bunds der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, eines Tages massive Probleme bereiten.

„Die Chinesen werden immer mehr zu den Rohstoffherren dieser Welt“, warnt Schnappauf. „Mit seinem Staatsfonds kauft China die Minen in Ländern wie Peru oder dem Kongo auf, die Rohstoffsicherheit wird deshalb für die deutsche Industrie mit der Zeit zu einem Problem werden“, befürchtet Schnappauf.

Konflikt global angehen

Der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister hofft in dieser Frage auf die Unterstützung der Politik: „Die Frage der Ressourcenverfügbarkeit muss nicht nur direkt mit den Chinesen thematisiert werden, sondern auch im Rahmen von G8, G20 und bei der Welthandelsorganisation.“ Er fordert: „Wer vom freien Welthandel profitieren will, der muss auch den freien Zugang zu den Rohstoffen gewährleisten.“

Kritisch könnte es laut Schnappauf etwa bei Rohstoffen wie Lithium werden, das bei der Produktion von Handys und Batterien für Elektroautos eingesetzt wird, sowie bei Kobalt und Kupfer. Weitere Negativ-Beispiele für Chinas Bemühungen, sich in Zeiten steigender Nachfrage den mehr oder weniger exklusiven Zugang zu wertvollen und seltenen Rohstoffen zu sichern, sieht der BDI in Guinea (Bauxit) und im Kongo (Kupfer).

Investitionen als Druckmittel

Diese Entwicklung gelte es zu verhindern: „Wenn man da nichts unternimmt, dann entscheidet letztlich China darüber, wer bestimmte Güter produzieren darf.“ Ein möglicher Ansatzpunkt, um mit der chinesischen Führung auf diesem Gebiet eine Einigung zu erzielen, könnte nach Ansicht Schnappaufs Pekings Wunsch nach deutschen Investitionen im Westen Chinas sein. „Das könnte ein Hebel sein, denn da haben sie konkrete Wünsche“, erklärte er.