Archivierter Artikel vom 25.01.2011, 20:26 Uhr
Berlin

Die 52. „Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten“: Bundeswehr-Führung steht am Pranger

Offiziell heißt das Dokument „Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten“. Am Dienstag wurde der 52. Wehrbericht vorgestellt. Und der erste Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) geht mit der politischen und militärischen Führung hart ins Gericht.

Berlin – Offiziell heißt das Dokument „Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten“. Am Dienstag wurde der 52. Wehrbericht vorgestellt. Und der erste Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) geht mit der politischen und militärischen Führung hart ins Gericht.

Mit deftigen Sätzen beschreibt er, wie hilflos Führungspersonal in der Truppe teilweise agiert. „Vorgesetzte sollten wissen, dass Schwangerschaft keine Krankheit ist und auf solche Fälle durch entsprechende Schulungen vorbereitet werden“, heißt es da. Gerade unerfahrenen Vorgesetzten fehlt teilweise das Gespür dafür, die Grenze zum Dienstvergehen oder zur Straftat zur erkennen.

Zur Veranschaulichung schildert Königshaus einige Fälle von Beleidigung, übertriebenem Drill und Körperverletzung, die ihm 2010 gemeldet wurden. Die Vorkommnisse hält er zwar für Fälle, die nicht auf den Gesamtzustand der Truppe übertragbar sind. Trotzdem attestiert er der Offiziersriege „zum Teil erhebliche Mängel“ beim Führungsverhalten. Viele Soldaten zeigten sich von der Entwicklung der Bundeswehr „nachhaltig enttäuscht“. Den Zeitpunkt für eine Besserung hält er aber für günstig. Die Bundeswehrreform soll genutzt werden, um „seit Langem bekannte Defizite abzustellen“.

Die „Gorch Fock“ war Königshaus keine Zeile in seinem Bericht wert. Das Wort Feldpost kommt ebenso wie der mysteriöse Schießunfall in der nordafghanischen Unruheprovinz Baghlan nur in einem Nebensatz vor. Die Bundeswehraffären, die Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) derzeit in Bedrängnis bringen, kamen zu spät ins Rollen, um in dem 70-seitigen Werk noch berücksichtigt zu werden. Der FDP-Politiker hatte alle drei Affären im Verteidigungsausschuss ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Spektakuläre Enthüllungen darüber hinaus bot er in seinem Erstlingswerk nicht.

Dennoch unterstrich Königshaus, dass das Krisenmanagement von Minister Guttenberg Mängel aufweist. Die Untersuchung der Feldpost-Affäre hält er für unbefriedigend. Auch die schleppende Informationspolitik beim tödlichen Schießunfall im Dezember prangert er an, auch wenn im Bericht noch von einem „Unfall beim Waffenreinigen“ die Rede ist. Als Widersacher Guttenbergs will der Wehrbeauftragte trotz seiner Kritik aber nicht gelten. Spekulationen, die FDP habe ihn auf den Minister angesetzt, wies er als absurd zurück.

Inzwischen ist Guttenberg offenbar die Feierlaune vergangen: Er lässt sich bei der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ vertreten. Laut Aachener Karnevalsverein hat der nominierte Ritter seine Absage mit der „Lage in Afghanistan“ begründet. Stellvertretend wird nun ein „Knappe“ den Orden entgegennehmen.