Archivierter Artikel vom 17.04.2013, 07:00 Uhr
Boston

Trauer: Sabrina Mockenhaupt wollte nur heim

Einen Kindheitstraum wollte sie sich erfüllen. Aus dem Glück der Sportlerin Sabrina Mockenhaupt, die als Zehnte bei einem der ältesten Marathonläufe der Welt das Ziel erreichte, wurde von einer Sekunde auf die nächste das blanke Entsetzen, an einem Ort des Terrors zu sein. 2:30:09 Stunden war die 32-Jährige auf der berühmten Strecke zwischen Hopkinton und Boston unterwegs.

Die Grafik zeigt, wo sich die Explosionen im Zielbereich des Bostoner Marathons ereignet haben. Die Bomben gingen binnen zwölf Sekunden hoch.
Die Grafik zeigt, wo sich die Explosionen im Zielbereich des Bostoner Marathons ereignet haben. Die Bomben gingen binnen zwölf Sekunden hoch.
Foto: DPA

Während Mockenhaupt und die anderen Spitzenläufer längst im nahen Athletenhotel sind, explodieren kurz vor dem Zielstrich inmitten der Zuschauer zwei Sprengsätze. Als sich Mockenhaupts Fans in Deutschland über Nachrichten der Läuferin beim Kurznachrichtendienst Twitter und bei Facebook freuen, platzt die Eilmeldung dazwischen: Explosion beim Boston-Marathon, Verletzte, Tote. Die 32-Jährige ist in ihrem Hotelzimmer, kommt gerade aus dem Bad. Da erreicht sie die unfassbare Nachricht.

Sabrina Mockenhaupt
Sabrina Mockenhaupt

„Ich bin o. k. und hoffe, dass es nicht zu viele Opfer und hoffentlich keine Toten gibt!“, schreibt sie bei Twitter. Auch an Thomas Wenning, einem deutschen Fotografen, der auch für unsere Zeitung arbeitet, geht die Explosion selbst vorüber. Der Bocholter konzentriert sich auf das Elitefeld; als die Nachricht von dem Angriff kommt, stellt er gerade die ersten Bilder von Sabrina Mockenhaupt ins Internet.

„Lade jetzt Bilder hoch, hier im Hotel sitzen die Sportler wie gelähmt vor dem Fernseher“, schreibt er. Bei Marathons ist es üblich, dass die Topläufer gemeinsam in einem Hotel wohnen, meist in direkter Nachbarschaft zum Zielbereich. Auch in Boston ist das so. In den Stunden des Schreckens sitzt Mockenhaupt mit anderen Weltklasseläufern zusammen. Sie bittet darum, von Interviews abzusehen. Ihre Gedanken teilt sie über ihren Twitter-Account @RunningMocki.

Was sie schreibt, spricht Freunden und Anhängern aus der Seele. Das Foto vom großen weißen Zelt, in dem die Athleten nach dem Zieleinlauf versorgt werden, kommentiert sie so: „Alles leer, wo vor Stunden Träume in Erfüllung gingen und manche auf die grausamste Art vernichtet wurden!“ Sie hat kurz zuvor ein Bild von sich in diesem Zelt ins Netz gestellt.

Zwei Stunden nach dem Anschlag schreibt Mockenhaupt: „Ich will nur noch nach Hause. Warum müssen unschuldige Menschen bluten?“ Ihr Lauf, auf den sie sich monatelang vorbereitet hat, ist ausgelöscht. „Mein Rennen ist total weg, und daran denke ich gar nicht mehr!“

Von unserem Redakteur Marco Rosbach