Archivierter Artikel vom 18.04.2013, 07:00 Uhr

RZ-Kompakt: Fragen und Antworten zu Bostoner Bomben

Einfache Bauart, verheerende Wirkung: Die Bomben, die in Boston gezündet wurden, könnten in jeder Küche gebaut worden sein. Das US-Heimatschutzministerium hat schon mehrfach vor Schnellkochtöpfen als Terrorwaffe gewarnt. Die Komponenten sind überall verfügbar. Doch das ist nicht das einzige, was den Ermittlern Sorgen macht.Unser Überblick gibt Antworten auf die drängendsten Fragen rund um die Anschläge.

Dieses Bild eines Bombenfragments brachte das FBI in Umlauf.
Dieses Bild eines Bombenfragments brachte das FBI in Umlauf.
Foto: DPA

Was waren das für Sprengsätze in Boston?

Die Bomben waren simpel gebaut: Nach bisherigen Ermittlungen wurden sie aus handelsüblichen Schnellkochtöpfen hergestellt, die mit Nägeln, Metallkugeln und Schwarzpulver gefüllt waren, wie man es in den USA in vielen Supermärkten kaufen kann. Gezündet wurden die Sprengsätze vermutlich mittels einfacher Eieruhren. Versteckt waren sie in dunklen Nylontaschen oder Rucksäcken, die auf der Straße oder dem Bürgersteig in der Nähe der Ziellinie des Marathonlaufes abgestellt waren. Ein wichtiger Hinweis für die Ermittler ist zurzeit die Markierung „6L“ für sechs Liter auf den Überresten der Schnellkochtöpfe. Sie könnten einen Hinweis auf den Hersteller der Behälter geben.

Wurden mit Schnellkochtöpfen bereits früher Attentate verübt?

Ja, immer wieder. Nach Erkenntnissen der US-Behörden wurden sie bei Anschlägen unter anderem in Afghanistan, Indien, Nepal oder Pakistan verwendet – alles Länder, in denen diese Kochtöpfe weit verbreitet sind. Auch die vier algerischen Islamisten, die im Dezember 2000 eine Bombe auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt zünden wollten, hatten sich einen pakistanischen Dampfkochtopf aus Aluminium bestellt, der bei einer Explosion in besonders kleine Teile zersplittert wäre. Auch bei der Bombe, die der pakistanischstämmige US-Bürger Faisal Shazad im Mai 2010 auf dem New Yorker Times Square zünden wollte, spielte ein Schnellkochtopf eine Rolle. Wegen eines fehlerhaften Zünders explodierte sie nicht.

Lässt die Art der Bombe auf islamistische Täter schließen?

Die US-Behörden wenden sich gegen vorzeitige Festlegungen. Schließlich sind die Anleitungen zum Bombenbau für jedermann im Internet verfügbar. Das USHeimatschutzministerium warnte schon 2004 vor der Verwendung von Schnellkochtöpfen beim Bau von Terrorwaffen. In dem Bulletin wurde allerdings darauf hingewiesen, dass diese Technik vor allem in afghanischen Terror- Trainingscamps gelehrt wird. 2010 veröffentlichte das Heimatschutzministerium zusammen mit dem FBI einen weiteren Warnhinweis. Im selben Jahr stellte das britische Internetportal „Inspire“, dem Verbindungen zu El- Kaida nachgesagt werden, einen Artikel mit der Überschrift: „Wie du eine Bombe in der Küche deiner Mutter baust“ in Netz. Darin heißt es: „Der Dampfkochtopf ist die effektivste Methode.“