Archivierter Artikel vom 07.01.2011, 00:00 Uhr

Interview mit Gesundheitsminister Philipp Rösler

Interview mit Gesundheitsminister Philipp Rösler

War das der erhoffte Befreiungsschlag für die FDP?

Rösler: Wir haben ein gutes Dreikönigstreffen erlebt. Es war ein gute Rede und ein schöner Auftakt für das liberale Wahljahr 2011. Der Start in das politische Jahr ist der FDP rundum gelungen.

Westerwelle steht massiv unter Beschuss, die Umfragen sind mies. Haben Sie nicht ein wenig Selbstkritik des Vorsitzenden erwartet?

Er hat deutlich gemacht, dass die Erwartungen, auch unsere eigenen, höher waren, als die FDP in der Regierung bisher umsetzen konnte. Aber Guido Westerwelle hat auch erklärt, warum das so ist. Und das eine Koalition eben kein Wunschkonzert ist. Man muss sich jeden Schritt hart erarbeiten und große Veränderungen brauchen ihre Zeit. Das ist für unsere Anhänger manchmal enttäuschend, aber am Ende haben wir noch immer deutlich machen können, dass die Liberalen in der Bundesregierung eine Bereicherung sind und das Land voranbringen.

Taugt Guido Westerwelle noch als Wahlkampfzugpferd?

Natürlich, das hat man heute gesehen. Seine Rhetorik, seine Leidenschaft hat die Zuschauer begeistert. Er ist der beste Wahlkämpfer, den die FDP je hatte. Das wird der FDP in den anstehenden Landtagswahlen nutzen.

Sie haben mit ihren Kollegen Daniel Bahr und Christian Lindner einen Neujahrsappell veröffentlicht und eine thematische Öffnung angeregt. Geht das mit dem Vorsitzenden Westerwelle?

Es ist ja nicht völlig neu, das wir Jüngere eine inhaltliche Erweiterung der FDP fordern. Dass die Liberalen keine einseitige Wirtschaftspartei sind, findet sich aber auch in der Rede Westerwelles wieder. Nur ein ganzheitlicher liberaler Ansatz, egal ob in der Gesundheits, Wirtschafts-, Innen- oder Sozialpolitik, macht dieses Land zukunftstauglich. Guido Westerwelle hat deutlich gemacht, dass andere Nationen nicht auf uns warten beim weltweiten Kampf um Wohlstand. Die FDP als freiheitiche Reformkraft wird mehr denn je gebraucht.

Also ist alles gut?

Guido Westerwelle hat keine „Alles-ist-gut“-Rede gehalten. Es ist schon so, dass die Ziele der FDP in der Regierung bisher noch nicht alle umgesetzt werden konnten, aber das heißt nicht, dass wir sie aus den Augen verlieren. Es dauert eben länger als wir es uns gewünscht haben. Wir müssen uns jetzt im Wahlkampf auch intensiver mit der Opposition auseinandersetzen. Die Alternative zur bürgerlichen Koalition ist eine linke Mehrheit, die den Wohlstand in Deutschland gefährdet.

Ist Guido Westerwelle nach den Landtagswahlen noch FDP-Vorsitzender?

Rösler Die FDP will gute Ergebnisse bei den Landtagswahlen erzielen. Insofern stellt sich die Frage nicht.

Müssen die Jüngeren noch mehr Verantwortung übernehmen?

Das tun wir doch schon. Daniel Bahr ist Vorsitzender des größten Landesverbandes, ich führe einen mittelgroßen Landesverband und Christian Lindner ist der Generalsekretär der Partei. Wir werden uns auch künftig energisch zu Wort melden, wenn es um die Zukunft der FDP geht.

Muss das in der Parteispitze noch stärker verankert werden?

Wir stehen auf unseren Posten heute alle schon unseren Mann. Jeder an seiner Stelle.