Archivierter Artikel vom 13.07.2012, 17:28 Uhr
Mainz

Intersexualität hat viele Varianten

Zahlen zu Intersexualität zu erhalten, ist schwierig. Zentral erfasst werden die vielen Varianten nicht.

Noch dazu ist das Phänomen, das ein Mensch nicht eindeutig Mann oder Frau ist, mit Tabus belegt. Das Mainzer Geburtenregister hat von 1990 bis 2010 Daten von 66.470 Neugeborenen aus Rheinhessen erhoben. Das entspricht 95 Prozent aller Babys, die von hiesigen Müttern geboren wurden. Die häufigste Variante ist das Turner-Syndrom, das bei 10.000 Babys im Schnitt 3,6 Mal vorkommt, es folgen das Klinefelter-Syndrom (1,35) und der Echte Hermaphroditismus (0,45).

Turner: Diese Kinder haben nur ein funktionsfähiges X-Chromosom statt der üblichen zwei X-Chromosomen (weiblich) oder der Kombination aus X und Y (männlich). Diese Besonderheit kann Kleinwüchsigkeit, Unfruchtbarkeit und Fehlbildung innerer Organe zur Folge haben. Die Kinder sind jedoch normal intelligent und erreichen das übliche Lebensalter.

Klinefelter: Betroffen sind Jungen. Sie haben ein zusätzliches X-Chromosom. Welche Symptome sich hieraus entwickeln, ist unterschiedlich, möglich sind Muskelschwäche, verkleinerte Hoden und Unfruchtbarkeit.

Echter Hermaphroditismus: Die genetische Grundlage ist unterschiedlich. Die äußeren Genitalien können männlich, weiblich oder uneindeutig sein, außerdem sind sowohl Eierstöcke als auch Hoden angelegt.

Rechnet man alle Formen der Intersexualität zusammen, ergibt sich, dass in Rheinhessen pro Jahr zwei bis drei Kinder mit uneindeutigem Geschlecht geboren werden. Nicht eingerechnet sind die, die vom Register nicht erfasst wurden oder deren Besonderheiten erst später auffallen. ax