Archivierter Artikel vom 10.04.2012, 14:50 Uhr
Mainz

Hechtsheimer pflegen Traditionen und arbeiten gleichzeitig an der Zukunft

Unser neuer Orts-Check beginnt: Hechtsheim hat trotz seiner Größe den Ortskern eines Bauerndorfes bewahrt. Die gute Infrastruktur macht den Stadtteil besonders für junge Familien attraktiv.

Eingebettet zwischen Rebenhängen hat sich das 1969 nach Mainz eingemeindete Hechtsheim seine dörfliche Idylle bewahrt. Ganz besonders im alten Ortskern. 
Foto: Harry Braun
Eingebettet zwischen Rebenhängen hat sich das 1969 nach Mainz eingemeindete Hechtsheim seine dörfliche Idylle bewahrt. Ganz besonders im alten Ortskern.
Foto: Harry Braun

Hechtsheim – Gefragt nach den Vorzügen, die der Stadtteil Hechtsheim seinen rund 15.000 Einwohnern bietet, muss Ortsvorsteherin Ursula Groden-Kranich nicht lange überlegen: „Die Nähe zur Stadt, verbunden mit einer ländlichen Struktur, kurze Wege nach Mainz über die Anbindung durch drei Straßenbahn- und eine Buslinie sowie die A60 mit zwei Anschlussstellen, die gute Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten, Bäcker, Metzger, Lebensmittelhändler und natürlich die Hofläden, in denen die Landwirte ihre Produkte vermarkten“, zählt die Ortschefin auf. Dazu noch Winzerhöfe und Weinberge, so weit das Auge reicht.

Der alte Ortskern verleiht Hechtsheim sein eigenes Ambiente. Dort befindet sich auch der Kartäuserhof (ca. 1421), einer der ältesten und größten heute noch bestehenden Höfe. Die katholische Sankt-Pankratius-Kirche, das alte Rathaus, wo sich das älteste Hechtwappen noch über der Tür befindet, das früher an der Einfahrt zur heutigen Heuerstraße lag und heute als Ortsverwaltung an der Morschstraße zu finden ist, evangelische Kirche, Schulen, Kindergärten und Bürgerhaus spannen sich wie ein Ring um den alten Ortskern. Ein weiterer Anziehungspunkt, der Besucher nach Hechtsheim bringt, ist das acht Hektar große Messegelände für Events und große Veranstaltungen wie etwa die Rheinland-Pfalz-Ausstellung und das Mainzer Oktoberfest.

Eine der „Säulen“ von Hechtsheim nennt Groden-Kranich den Weinbau, „innovativ gepflegt durch die jungen Winzer und Winzerinnen“. Die idyllischen Weinberge, verbunden mit den Einkehrmöglichkeiten, ziehen Erholung Suchende und Freunde der Rebsäfte an. Ebenso die vielen Feste und Veranstaltungen. Auch die weiten Felder laden zum Spazierengehen und Radfahren ein.

Die Ortsvorsteherin weist zudem auf das lebhafte Vereinsleben im Stadtteil hin und das besondere Engagement der Kirchen. Alles Gründe, warum es junge Familien nach Hechtsheim zieht. Doch das Angebot an Wohnraum lässt noch zu wünschen übrig. „Ich werde oft darauf angesprochen, dass Menschen hierherziehen möchten, aber keine Wohnung finden“, erklärt Groden-Kranich. „Aber in den letzten Jahren sind keine weiteren Baugebiete mehr ausgewiesen worden.“ Immerhin entsteht ganz im Süden an der Rheinhessenstraße demnächst das Neubaugebiet „Am Weidezehnten“. Auf dem Areal der früheren Gärtnerei Holl ist Platz für 90 Wohneinheiten.

Das alte Bauern- und Weindorf – 808 wurde der Ort erstmals schriftlich erwähnt – hat sich inzwischen zu einem modernen Gewerbestandort entwickelt. Durch die Rheinhessenstraße vom Ortskern getrennt, bietet der Gewerbepark Süd viel Platz für Firmen. Im Herbst öffnet hier Möbel Martin in einem vierstöckigen Gebäude mit 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche seine Pforten.

Damit einher geht die Schaffung von mehr als 300 Arbeitsplätzen. Für Groden-Kranich ein großer Gewinn. „Möbel Martin ist ein positives Beispiel, wie ein großes Unternehmen die Anbindung an den Ort lebt“, freut sie sich, dass die Verantwortlichen sofort den Kontakt zum Ortsbeirat gesucht haben. Auch bei der Feier zum ersten Spatenstich seien Hechtsheimer Firmen einbezogen worden. „In einem Gewerbegebiet, das seit Jahren brach liegt, haben wir nun einen Anker, der weitere Unternehmen anziehen wird“, sagt die Ortschefin. Natürlich stehe dem einen oder anderen Betrieb Konkurrenz ins Haus. „Da müssen wir schauen, was wir im Ortskern verbessern können“, sieht die Christdemokratin durchaus positive Impulse.

Wie sich die Neuansiedlung auf den Verkehr in Hechtsheim auswirkt, bleibt abzuwarten. Ein Problem, das dem Ort ohnehin zu schaffen macht. „Unser Stadtteil ist von ehemals 5000 auf 15.000 Einwohner angewachsen, die Straßen aber nicht mit“, bringt es die Ortschefin auf den Punkt. Bis Möbel Martin eröffnet, sollte der Ausbau des Zubringers Ludwig-Erhard-Straße fertig gestellt sein.

Eine Entlastung erhoffen sich die Einwohner auch vom Abschluss der Ausbauarbeiten an der A 60, der im Sommer erfolgen soll, und derzeit noch für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Ort sorgt. Ebenfalls zur Entspannung soll die neue Querspange zwischen Emy-Roeder-Straße und Am Hechenberg beitragen. Sabine Jakob

Redaktion vor Ort: Die MRZ-Redaktion steht am Mittwoch, 18. April, von 15 bis 17 Uhr auf dem Lindeplatz vor der Ortsverwaltung, Morschstraße 1.