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Oberdürenbach

Friedsam: Ich bin in der Weltspitze etabliert

Es liegt ein bewegtes Jahr hinter Anna-Lena Friedsam. Einem durchweg verkorksten Auftakt, unter anderem mit der Trennung vom langjährigen Trainer Bijan Wardjawand, folgte für die 21-jährige Tennisspielerin aus Oberdürenbach in der Eifel ein Hoch.

Kraftvolle Rückhand: Anna-Lena Friedsam aus Oberdürenbach in der Eifel hat das Tennisjahr auf Platz 95 der Weltrangliste beendet.  Foto: dpa
Kraftvolle Rückhand: Anna-Lena Friedsam aus Oberdürenbach in der Eifel hat das Tennisjahr auf Platz 95 der Weltrangliste beendet.
Foto: dpa

Zweite Runde bei den French Open in Paris, wo sie die Weltranglistenerste und spätere Turniersiegerin Serena Williams an den Rand einer Niederlage (7:5, 3:6, 3:6) brachte, der Sieg beim ITF-Turnier auf Rasen in Ilkey (England), zweite Runde in Wimbledon. Gerade, als sie im Sommer auf dem Sprung unter die besten 70 in der Weltrangliste war, der Rückschlag: Ein Bänderriss warf sie neun Wochen zurück.

Trotzdem gelang noch ein positiver Jahresabschluss. Im Oktober stand sie in Linz/Österreich im Finale eines WTA-Turniers der gehobenen Güte. Auch wenn sie dort der Russin Anastasia Pawljutschenko in zwei Sätzen unterlag, blickt Friedsam, aktuell die Nummer 95 der Weltrangliste, im Interview mit unserer Zeitung zufrieden auf die letzten Monate zurück – und zuversichtlich auf die nächsten Aufgaben. Dazu zählt am Wochenende zunächst die deutsche Meisterschaft in Biberach. Ende des Jahres geht es über ein Turnier in China dann zu den Australian Open in Melbourne.

2015 ist Ihr erstes Profijahr, in dem es in der Weltrangliste nicht weiter nach oben ging. Wie fällt Ihre sportliche Bilanz aus?

Ich bewerte das nicht nur nach der Rangliste. Ich sehe auch, wie ich mich weiterentwickelt habe, menschlich und spielerisch. Das bringt mich nach vorn. Ob ich das Jahr dann auf Position 80 oder 95 beende, spielt keine Hauptrolle.

Was war für Sie der Höhepunkt im zu Ende gehenden Jahr?

Da gab es einige. Das Spiel in Paris gegen Serena Williams im großen Stadion, in dem ich die Leute begeistern konnte – das war schon ein schönes Erlebnis. Natürlich sehe ich es auch als Erfolg, bei einem Grand Slam die zweite Runde erreicht zu haben. Und in Linz, wo ich im Finale stand, habe ich meine beste Leistung gezeigt.

Hat sich Ihre Wahrnehmung bei den großen Turnieren verändert?

Es entwickelt sich eher eine positive Aufregung. Bei meinem ersten Auftritt in der Quali der French Open vor zwei Jahren war ich sehr nervös. Aber jetzt, da ich auch mal eine Runde gewonnen habe, weiß ich, dass ich das Niveau habe. Nichtsdestotrotz sind es aufregende Turniere. Aber es ist nicht mehr der Ausnahmezustand.

Spüren Sie mehr Respekt bei den Gegnerinnen?

Man wird schon wahr- und ernst genommen. Ich bin nicht mehr die Quereinsteigerin, ich habe mich etabliert.

Gibt es eine Hackordnung unter den Spielerinnen?

Natürlich werden Megastars wie Serena Williams bevorzugt behandelt, aber das ist ja auch normal. Die können nicht einfach auf den Trainingsplatz gehen, sonst werden sie von den Fans überrannt. Darum trainieren sie in den Stadien. Letztes Jahr habe ich bei den Australian Open gegen Eugenie Bouchard gespielt, da wollte ich auch mal im Stadion trainieren. Aber sie hat den Platz für vier Stunden gebucht, danach war noch ein Männermatch, so konnte ich erst am Abend um acht auf den Platz. Aber von so großen Leuten lebt das Turnier. Und die sind ja nicht da hineingeboren, das haben sie sich erarbeitet.

Begleitet Sie auch manchmal die Familie zu den Turnieren?

Ja, häufig. Mal mein Bruder, mal mein Vater, mal meine Mutter. Am liebsten nehme ich meinen Bruder mit. Aber wer mitfahren will, kann mitfahren.

Weil Sie mehr Ansprache bei Turnieren brauchen?

Die Turniere sind einfach schöner geworden, daran möchte ich meine Familie teilhaben lassen. Wenn man seine Liebsten um sich hat, ist man auch leistungsfähiger.

Geht die Familie denn kritisch mit Ihnen um?

Nein, sehr unterstützend. Meine Familie sah eher den von mir eingeschlagenen Weg kritisch, aber ihre Einstellung hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Es war auch keine einfache Entscheidung. Ich war nicht schlecht in der Schule und ging trotzdem in der zehnten Klasse ab, um Profi zu werden. Aber ich bin von meinem Naturell her sehr zielstrebig und gewissenhaft, und es ging Stückchen für Stückchen nach vorn. So habe ich meine Eltern überzeugt. Sie haben mich von Beginn an unterstützt, weil sie wissen, wie ich bin.

Können Sie, Stand heute, sagen, dass Sie sich richtig entschieden haben, dass es sich gelohnt hat?

Ja. In allen Bereichen, auch in meiner persönlichen Entwicklung. Im Vergleich zu vielen 21-Jährigen habe ich viel mehr erlebt und bin dadurch reifer geworden. Und ich hatte viele Erfolge, auch auf finanziellem Gebiet.

Mussten Sie in Ihrem privaten Leben auf viele Dinge verzichten?

Nein, ich bin aufgewachsen mit dem Leistungssport. Das hat mir immer Spaß gemacht. Wenn die Schule aus war, freute ich mich, Tennis spielen zu können. Natürlich bekam ich so manches nicht mit, aber es mir auch nie so wichtig, immer "up to date" zu sein.

Können Sie sich vorstellen, dass Sie in der Weltrangliste bei Position 40 oder 50 stehen bleiben?

Das wäre gar nicht schlimm. Ich werde wahrscheinlich keine Serena Williams, aber wer wird das schon? Wenn man das mal vergleicht: Der 40.-beste Arzt der Welt zu sein – das heißt schon was. Das ist ein erfolgreicher Lebensweg.

Andrea Petkovic hat unlängst in einem Interview gesagt, dass sie es abends allein im Hotel mitunter bedauert, keine Mannschaftskolleginnen zu haben, mit denen sie Freud und Leid teilen kann. Können Sie diese Gefühle nachvollziehen?

Klar, Mannschaftssport ist auch schön. Wenn man verliert, kann man die Schuld auch mal auf den Mitspieler abschieben. Aber im Ernst: Tennis ist ein Einzelsport, und ich mag es, für mich verantwortlich zu sein. Darum bin ich zufrieden mit meiner Wahl.

Das Gespräch führten unsere Redakteure Uli Adams, Stefan Kieffer und Marcus Pauly

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