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    Wochenrückblick: Experten in der "Vierergedde"

    Es gibt Menschen, die etwas zu sagen haben – und es gibt TV-Experten. Mit dieser allzu bösen Ansicht schaltet sich mancher Fernsehzuschauer durch die Sportübertragungen. Demnach wissen die prominenten Co-Kommentatoren nicht wirklich viel, dafür aber alles besser. Dabei gibt es TV-Experten und TV-Experten, gute und weniger gute, angenehme und nervige. Jedenfalls kommt kaum eine Sport-Bewegtbild-Sendung mehr ohne aus.

    RZ-Sportressortleiter Jochen Dick
    RZ-Sportressortleiter Jochen Dick

    Von Jochen Dick

    Skilanglauf-Größe Tobias Angerer ist der vorerst letzte, der auf den Bildschirm drängt und im Zweiten alsbald die Unterschiede zwischen Doppelstockschub und Halbgrätenschritt erörtern wird. Hoffentlich zumindest, denn die persönlichen Erfahrungen, die Sicht des Ex-Athleten sind ja das, was die Sendungen bereichern soll. Im Wintersport kann dies besonders hilfreich sein. So erklären die dreimalige Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm bei der ARD und der viermalige Olympiasieger Sven Fischer im ZDF, wie sich eine Strafrunde so anfühlt.

    Dass er einen Schanzentisch schon mal aus nächster Nähe gesehen hat, wird Martin Schmitt den meisten Normalbürgern voraus haben. Deshalb steigt der zurückgetretene Milka-Frontmann als Kommentator bei Eurosport ein. Den Abflug hat hingegen Skisprung-Floh Jens Weißflog beim ZDF gemacht. Man wird ihn vermissen, den knuddeligen Sachsen aus Steinheidel-Erlabrunn, der stets in die großen Winterjacken des Mainzer Senders reinzuwachsen versuchte. Auch Kati Witt ist allen wohlbekannt, die einstige Eisprinzessin kurvt seit jeher verbal durch sämtliche Kurz- und Pflichtprogramme. Und Franziska van Almsick analysierte aus sicherer Entfernung schon so manches Becken-Debakel der deutschen Schwimmer.

    Prominenz ist auch beim Bezahlsender Sky Programm. Bei den Übertragungen der Handball-Champions-League geben die Ex-Weltklassespieler und -trainer Heiner Brand und Martin Schwalb ihren fachkundigen Senf dazu. Im Fußball wird gleich eine ganze Armada an Experten aufgefahren. Der Norweger Jan-Aage Fjörtoft flötet gut gelaunt im Wechselspiel mit Lothar Matthäus. Ja, der deutsche Rekordnationalspieler macht auch noch etwas anderes, als jüngere Frauen zu heiraten. Mit seinem Konsonanten aufweichenden Fränkisch erleuchtet er manches Bundesligaspiel, lobt etwa den Dortmunder Marco Reus als "absoluden Dob-Spieler" und geißelt zugleich die Löcher in der "Vierergedde" des FC Bayern.

    Matthäus hat sich als TV-Experte auch auf internationalem Parkett seine Meriten verdient. Das Engagement beim arabischen Sender Al Jazeera vor drei Jahren endete jedoch abrupt mit einer veritablen Wutrede auf Englisch – oder Ähnlichem. Mit "Äii, ei dell ju nau samsing" begann der Ausbruch und schloss mit einem trotzigen "Ei woss hier". Frei übersetzt hieß das ganze Gezeter: "Ein Loddar Maddäus hat so was nich' nödich."

    Gute Manieren sind eben auch hinter der Mattscheibe gefragt. Auch hier bewies Diego Armando Maradona, dass er in einem lebenslangen Lernprozess steckt. Er holte während der WM in Brasilien zum Rundumschlag aus – in einem venezolanischen Sender. Erst zeigte er dem argentinischen Verbandspräsidenten den Stinkefinger und beschimpfte dann Pele und Franz Beckenbauer: "Diese beiden kommen aus dem Museum und sagen dumme Dinge, weil sie zwei Idioten sind." Nicht jeder TV-Experte wählt das Stilmittel der sachlichen Analyse.

    Hierzulande ist man ebenfalls gesegnet mit Fach-Attachés der Moderatoren. Sie greifen zurück auf ihren Erfahrungsschatz, so wie Oliver "Zu-meiner-aktiven-Zeit" Kahn, sind einfach nur relativ inhaltsleer wie "Kaiser" Franz Beckenbauer oder Wortschöpfer wie Mehmet Scholl. Der Ex-Bayer verspürte während der WM in Brasilien vor Begeisterung schon mal eine "Gänsehautentzündung". Dass medizinische Begriffe eine gehörige Wucht entwickeln können, erfuhr Scholl bei der EM 2012. Seit seiner geäußerten Sorge, dass sich der bewegungsgeizige Mario Gomez "wund liegen" könnte, kommt der Stürmer aus Florenz auf keinen grünen Zweig mehr.

    Die Wurzeln des TV-Expertentums legte einst Günter Netzer. Der Altvordere ging 1997 erstmals auf Sendung. Nach seinem letzten Dreh 2010 verriet er sein Erfolgsgeheimnis: "Eigentlich hasse ich das Fernsehen."

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