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Koblenz

Bei Abdallahs WM-Kampf leidet nur die Frisur

Mohamed Abdallah schnaufte, sein Brustkorb hob und senkte sich, Schweiß lief ihm die Stirn runter. Es war exakt 23.31 Uhr. Für Abdallah ging es in diesen Minuten um sehr viel. Er kämpfte um den Schwergewichts-Weltmeistertitel im K 1-Boxen, einer Kampfsportart mit Techniken aus Boxen, Karate, Muay Thai, Taekwondo, Kickboxen und Savate.

Zwei Runden lang hatte Mohamed Abdallah aus Sinzig seinen türkischen Kontrahenten Hamza Kendircioglu genau studiert, um dann in der dritten zuzuschlagen. Durch einen K.o.-Sieg holte der 23-Jährige bei der Champions-Gala in Koblenz seinen zweiten WM-Titel im K 1. Fotos: Björn Reuter
Zwei Runden lang hatte Mohamed Abdallah aus Sinzig seinen türkischen Kontrahenten Hamza Kendircioglu genau studiert, um dann in der dritten zuzuschlagen. Durch einen K.o.-Sieg holte der 23-Jährige bei der Champions-Gala in Koblenz seinen zweiten WM-Titel im K 1. Fotos: Björn Reuter
Foto: Reuter

Als sein Kontrahent Hamza Kendircioglu orientierungslos durch den Ring taumelte, spürte der Sinziger , dass der Kampf in den Endzügen lag. Zwei, vielleicht auch drei gezielte Schläge fehlten ihm jetzt noch bis zum WM-Titel. Abdallah packte eine krachende Links-rechts-Kombination aus und schickte den Türken unsanft auf die Bretter. Die Entscheidung war damit gefallen: Sieg durch Knockout in der dritten Runde.

Zwei Runden lang hatte Mohamed Abdallah aus Sinzig seinen türkischen Kontrahenten Hamza Kendircioglu genau studiert, um dann in der dritten zuzuschlagen. Durch einen K.o.-Sieg holte der 23-Jährige bei der Champions-Gala in Koblenz seinen zweiten WM-Titel im K 1. Fotos: Björn Reuter
Zwei Runden lang hatte Mohamed Abdallah aus Sinzig seinen türkischen Kontrahenten Hamza Kendircioglu genau studiert, um dann in der dritten zuzuschlagen. Durch einen K.o.-Sieg holte der 23-Jährige bei der Champions-Gala in Koblenz seinen zweiten WM-Titel im K 1. Fotos: Björn Reuter
Foto: Reuter

Insgesamt 15 Kämpfe bekamen die Zuschauer an diesem Abend in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle zu sehen. Neben dem WM-Fight von Abdallah gehörte der Auftritt von Lokalmatador Thorsten Kornatzki zu den Höhepunkten der Champions-Gala, die unter der Regie der Orion Fight Arena (OFA) stand. „Eigentlich kämpfe ich sonst eher auf internationaler Bühne“, sagte Kornatzki. „Umso schöner ist es natürlich, sich auch mal dem eigenen Publikum zu präsentieren. Ein solcher Heimauftritt kommt nicht alle Tage vor.“

Mit seinem Gegner Ali Akyol machte der Koblenzer im Ring kurzen Prozess. Unermüdlich ließ Kornatzki im Duell mit dem Türken seine Fäuste und Beine fliegen, schlug und trat wie wild auf ihn ein. Nach nicht einmal zwei Minuten hatte der Ringrichter genug gesehen. Er sprang dazwischen und brach den Kampd vorzeitig ab, um Akyol vor weiteren Treffern zu beschützen.

Akyol war nicht der einzige K 1-Boxer, der an diesem Abend einiges einstecken musste. Immer wieder kam es zu klaffenden Wunden, geschwollenen Lippen und blutigen Cuts. „Dieser Sport ist nichts für weiche Gemüter. Nur wer wirklich hart im Nehmen ist, kann hier bestehen“, meinte ein Zuschauer, während ein paar Meter weiter eine aufgeplatzte Augenbraue notdürftig verarztet wurde.

Der spätere Champion Mohamed Abdallah bekam von alledem nichts mit. Als der Sinziger drei Stunden vor seinem WM-Kampf die Rhein-Mosel-Halle betrat, wirkte er angespannt. Nicht ohne Grund. „In den letzten Tagen hatte mich eine schwere Grippe außer Gefecht gesetzt. Ich musste sogar für drei Tage ins Krankenhaus, konnte vor meinem WM-Kampf nicht mehr trainieren“, berichtete Abdallah und bahnte sich seinen Weg durch die Menge: „Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich nervös bin.“ Dann verschwand der 23-Jährige in Richtung Kabine.

Erst um 23.15 Uhr, nachdem alle anderen Kämpfe beendet waren, trat er wieder hervor. Lautstarke „Mo, Mo“-Sprechchöre begleiteten Abdallah beim Einmarsch. Als der Sinziger über die Seile kletterte und in den Ring stieg, brach unter den Zuschauern frenetischer Jubel aus.

Über sechs Stunden hatten sie auf diesen Kampf hingefiebert. Nun stand der 23-Jährige also da und schlug im Takt der Musik mit seinen Fäusten Luftlöcher. Das helle Scheinwerferlicht strahlte zielgenau auf ihn und ließ seinen ohnehin zur Perfektion durchtrainierten Oberkörper noch muskulöser erscheinen. Sein Tunnelblick signalisierte: Er war bereit. Die Ringglocke schrillte, die Halle tobte. Der 130 Kilogramm schwere Herausforderer Hamza Kendircioglu (Abdallah: „Ein Monster mit einem unglaublichen Schlag“) versteckte sich nicht und hatte am Anfang auch ein paar gute Momente. Er schlug oft zu, ohne dabei entscheidende Treffer landen zu können. Abdallah wartete dagegen zunächst ab. Der 23-Jährige ließ sich nicht aus der Reserve locken und hielt seine Hände immer wieder schützend vor das Gesicht.

Nach zwei relativ ausgeglichenen Runden ging Abdallah zunehmend in die Offensive über. Er verpasste seinem Gegner eine schmerzhafte rechte Gerade, die Wirkung zeigte. Kendircioglu verlor die Ordnung und musste eine ganze Serie von gezielten Treffern einstecken.

Als der Türke benommen in den Seilen hing, nutzte Abdallah die Gunst des Augenblicks. Er hob die linke Faust, schlug zu, hob die rechte Faust, schlug wieder zu. Kendircioglu wankte und plumpste dann auf den harten Ringboden. Im gleichen Moment löste sich bei Abdallah die Anspannung der letzten Wochen. Der Sinziger ließ sich von seinem Betreuerteam hochheben und warf seine Handschuhe in die Menge. Die Zuschauer skandierten seinen Vornamen: „Mohamed, Mohamed.“

Kurz nach Mitternacht, als der offizielle Teil der Siegerehrung gerade beendet war, zog sich Abdallah für einen kurzen Moment zurück in seine Kabine. Lediglich zwei enge Vertraute begleiteten ihn. „Ich habe fünf Minuten nur für mich alleine gebraucht“, so Abdallah hinterher. „Ich bin überglücklich, dass jetzt endlich alles vorbei ist. Es war eine Horror-Zeit für mich. Ich hatte wegen der Grippe Angst um den Kampf. Aber für mich gab es keinen Weg zurück. Ich musste mich stellen und meinen Mann stehen. Zum Glück ist alles gut gegangen“, atmete Abdallah erleichtert auf.

Dann betrachtete sich der frischgebackene Weltmeister im Spiegel. Sein Gesicht wirkte frisch, keine Schrammen, keine Beulen. „Nur die Frisur hat beim Kampf etwas gelitten. Die Haare könnten ein bisschen besser sitzen“, scherzte Abdallah.

Von unserem Mitarbeiter

Dennis Smandzich

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