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    Koblenz

    Krematorium: Der Ofen wird 1200 Grad heiß

    Es ist schon etwas anderes, sich ein Krematorium erklären zu lassen als einen normalen Betrieb. Oder? Spürt man die Präsenz des Todes in diesen Räumen, die ja in allererster Linie funktionale Zweckbauten sind?

    Mitarbeiter Dieter Schmitz trägt Schutzkleidung, wenn er die Überreste aus dem Ofen in den Trog räumt. Denn im Inneren des Ofens können Temperaturen bis 1200 Grad herrschen. Die Knochenreste werden später in einer Mühle zu Asche zermahlen.
    Mitarbeiter Dieter Schmitz trägt Schutzkleidung, wenn er die Überreste aus dem Ofen in den Trog räumt. Denn im Inneren des Ofens können Temperaturen bis 1200 Grad herrschen. Die Knochenreste werden später in einer Mühle zu Asche zermahlen.
    Foto: Denise Remmele

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Die Antwort ist eindeutig: nein. Das komische Gefühl weicht schnell dem Interesse an den technisch komplizierten und dennoch nachvollziehbaren Abläufen.

    Zwischen 70 und 120 Minuten dauert es, bis in einem der beiden Öfen aus einem menschlichen Körper Asche geworden ist, je nach Gewicht. Und auch dann ist es nicht nur Asche, sondern es sind Knochenstücke dazwischen. Die werden später in der Aschenmühle zu einer Art feinkörnigem weißen Sand zermahlen.

    Doch von Anfang an: Die Bestatter bringen die Leichen in extra zugelassenen Särgen, oft aus Pressholz, zum Krematorium, erklärt Dieter Hug. Er ist technischer Betriebsleiter des Koblenzer Krematoriums, das vor 15 Jahren im Bubenheimer Weg erbaut und drei Jahre später um einen zweiten Ofen erweitert wurde. Bevor der Sarg mit einer Art Hubwagen in eins der 30 Kühlfächer geschoben wird, sind jede Menge Formalitäten zu erledigen. Unter anderem bestätigt einer der Amtsärzte, die im Krematorium ihren regelmäßigen Dienst versehen, nach dem Hausarzt ein zweites Mal den Tod, damit ausgeschlossen ist, dass jemand bei lebendigem Leib verbrannt würde. Und es sind etliche Formulare auszufüllen.

    Fünf Tage in der Woche, jeweils von 8 bis 16.45 Uhr, wird im Krematorium gearbeitet. Und auch außerhalb dieser Zeiten ist eine Einäscherung vereinbar, wenn die Kunden es wünschen, erklärt Hug. Die Angehörigen können sich in einem separaten Raum vom Verstorbenen verabschieden. Und vermutlich können sie bald auch zuschauen, wie der Sarg in den Ofen geschoben wird: Das Koblenzer Krematorium will wahrscheinlich noch in diesem Jahr einen Raum bauen, von dem aus man durch eine Glasscheibe den Vorgang verfolgen kann. In anderen, privat betriebenen Krematorien ist das schon möglich. Und die Konkurrenz drückt.

    Denn viele Bestatter aus Koblenz kommen gar nicht mehr ins hiesige Krematorium, sondern fahren nach Dachsenhausen oder in eine andere Einrichtung, die mehr Einäscherungen macht und somit günstiger ist. „Es gibt sogar eine Art Bonus, den die Privaten den Bestattern zahlen“, weiß Hug. Der würde dann auf den Rechnungen zwar anders deklariert, aber es ändere nichts an der Sache.

    „So können wir nicht arbeiten“, sagt Hug. Das kommunale Unternehmen versucht deshalb, mit Seriosität und Service zu punkten. Rund 100 Bestatter vor allem aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz sehen das genauso und arbeiten mit dem Krematorium fest zusammen. Wenn der Sarg im Krematorium von der Kühlung zum Ofen gerollt wird, wird ein feuerfester Stein hineingelegt, der den Weg bis in die Aschenkapsel begleitet. So ist gewährleistet, dass später keine fremde Asche im Urnengrab beigesetzt wird. Die Einfahrmaschine, die ein bisschen wie ein metallenes Bett aussieht, hebt den Sarg auf Ofentürhöhe an, dann öffnet sich die Tür und der Sarg wird in die glühende Hitze geschoben. Zwischen 850 und 1200 Grad herrschen hier. Wichtig ist, dass der Oberkörper des Toten Richtung Brenner zeigt. Denn er hat am meisten Masse, verbrennt also am langsamsten.

    Der Ofen ist ein ausgetüfteltes technisches Gebilde mit verschiedenen Lüftungsvariationen und Brennern. Der Leichnam verbrennt hier zu Knochenstücken und Asche. Durch etliche Rohre und Filteranlagen laufen die Abgase und werden gereinigt, bevor sie durch den Schornstein in den Himmel geblasen werden. Beständig werden diese technischen Daten von einem der Mitarbeiter überwacht. Drei Mitarbeiter sind da, wenn einer der beiden Öfen läuft, fünf, wenn beide in Betrieb sind.

    Wenn die Einäscherung beendet ist, werden Asche und Knochen in einen Trog gezogen. Hier kühlen sie noch etwa eine Dreiviertelstunde ab, bevor sie in einem anderen Behälter zur Aschenmühle gebracht werden. Etwaige Überreste wie zum Beispiel künstliche Gelenke werden entfernt und – wenn die Angehörigen das wünschen – später mit der Urne übergeben, sonst entsorgt. Zahngold wird übrigens im Koblenzer Krematorium nicht entnommen, manche andere machen das.

    Schwere runde Steinkugeln mahlen die Überreste in der Mühle zu Asche. Und dann wird das, was von einem Körper übrig bleibt, in eine Aschenkapsel gefüllt und verschlossen. 3,9 oder 4,5 Liter kann diese Kapsel fassen – je nachdem, wie groß und schwer der lebende Mensch war, braucht er auch einen größeren Behälter. Die Kapseln sind meistens aus Stahlblech, es gibt aber auch die „Bio-Variante“ aus gepressten Maisbestandteilen.

    Die Bestatter holen die Kapseln ab oder lassen sie sich schicken. Angehörige dürfen die Überreste nicht mit nach Hause nehmen. Und dann werden die Urnen bestattet – anonym, in einem Rasenfeld mit Steinen oder in einer Urnenwand zum Beispiel.

    Von anonymen Bestattungen hält Dieter Hug übrigens nicht so viel. „Wir nehmen wahr, dass den Menschen der Ort zum Trauern fehlt“, sagt er und berichtet von Angehörigen, die mit dem Zollstock auf der Wiese herumlaufen, um genau auszumessen, wo ihr Verwandter liegt und dann ein Kerzchen aufstellen. 1300 Aschenkapseln sind in der Wiese neben dem Krematorium schon sozusagen unter die Erde gebracht. „Für mich ist das nichts“, sagt der 61-Jährige entschieden. Einäscherung ja, aber keine anonyme Bestattung – das ist für ihn klar.

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