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    "Wer klaut ein Bienenvolk?" – Diebe bei den Bauern

    Beim Besuch seiner Bienenstöcke machte der Imker eine unangenehme Entdeckung: Ein Unbekannter hatte ihm kurzerhand ein Volk der kleinen Honigproduzenten gestohlen. Der Diebstahl bei Ingelbach im Westerwald ist noch nicht geklärt. Die Tat von Ingelbach steht für Diebstähle, die Bauern und Winzern zu schaffen machen.

    Rheinland-Pfalz - Beim Besuch seiner Bienenstöcke machte der Imker eine unangenehme Entdeckung: Ein Unbekannter hatte ihm kurzerhand ein Volk der kleinen Honigproduzenten gestohlen. Der Diebstahl bei Ingelbach im Westerwald ist noch nicht geklärt. "Wir haben das Bienenvolk nicht zurückbekommen", sagt Jürgen Kugelmeier von der Polizeiinspektion Altenkirchen. "Und wir haben keine Hinweise, wo es geblieben sein kann." Die Ermittler gehen aber davon aus, dass der Diebstahl von einem Fachmann begangen wurde. "Wer klaut schon ein Bienenvolk?", fragt Kugelmeier, der den Schaden auf bis zu 120 Euro beziffert. Wer das tue, habe dafür Bedarf.

    Die Tat von Ingelbach steht für Diebstähle, die Bauern und Winzern zu schaffen machen. Den Imker aus der Verbandsgemeinde Altenkirchen traf es bereits zum zweiten Mal: Er hatte schon vor zwei Jahren zwei Völker an unbekannte Langfinger verloren. "Es kommt schon vor, wir waren auch schon betroffen", sagt der Biologe Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen in der Osteifel. Das seien aber Einzelfälle, und man könne nicht sagen, dass im großen Stil Bienen gestohlen würden. Auch vor dem Hintergrund dieses Winters, den schätzungsweise jede fünfte Biene wegen Schädlingen nicht überlebte, habe er nichts dergleichen gehört. Ottens Fazit: "Es kann nicht so gravierend draußen sein."

    Dass es durchaus gravierend sein kann, musste jedoch bereits mancher Winzer erfahren. "Wir hatten ja schon Weinberge, die abgeerntet wurden", berichtet die Sprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Andrea Adams. Und auch Weinblätter, die in manchen südlichen Ländern gefüllt gegessen werden, kamen bereits abhanden. Auch Hightech zieht Langfinger an: So verschwanden im vergangenen Jahr von solarbetriebenen Starenschussgeräten in einem rheinhessischen Weinberg die Solarmodule.

    "Der normale Mundraub ist vor allem in Ballungsgebieten ein Problem", sagt Adams. "Da wo mehr Spaziergänger und Jogger sind, kommt das häufiger vor." Betroffen sind bestimmte Kulturen, etwa der Obstbaum mit reifen Kirschen oder Äpfeln. Im Einzelfall sei das kein Problem, aber wenn das jeder tue, "ist der Baum leer". Den Spargel suchen Langfinger nach Adams Einschätzung seltener heim - "da müssten sie ja buddeln", sagt sie. Aber ausschließen könne man das nicht, denn es gebe Leute, "die können alles gebrauchen". Auch landwirtschaftliches Gerät kommt mitunter abhanden, dann müssen die Langfinger aber auch schwere Geschütze auffahren. "Wenn Sie eine Maschine zur Feldbearbeitung klauen wollen, brauchen Sie einen Traktor zum Anhängen", sagt Adams. Der häufigste Fall sei deshalb der Obst- und Gemüseklau am Wegesrand. Wer dabei erwischt wird, muss unter Umständen mit einer Anzeige rechnen.

    Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV/Berlin) - die Dachorganisation der privaten Versicherer - sind derartige Diebstähle nicht das Hauptproblem. 2008 seien weniger als 1000 Einbruchdiebstähle mit einem Schadensvolumen von "deutlich" unter einer Million Euro registriert worden, berichtet GDV- Pressesprecher Christian Lübke. Ob die Wirtschaftskrise das Treiben der Langfinger angetrieben hat, lässt sich nach Adams' Angaben derzeit nicht sagen. Dafür müsse man die Haupterntesaison abwarten, sagt sie. Den Hauptschaden in der Landwirtschaft machen nach Lübkes Angaben aber ohnehin die Brände aus. 2008 gab es davon bundesweit 20 000 mit einem Schaden von 174 Millionen Euro.

    Dass ein beklauter Landwirt sein Eigentum zurückbekommt, scheint zumindest im Fall der Bienen unwahrscheinlich. "Das Problem ist natürlich, dass wir die Bienen nicht identifizieren können", sagt Polizist Kugelmeier. "Sie haben keine Rückennummern und keinen Namen." Vielleicht gestehe der Täter, wenn er mal in einem anderen Zusammenhang erwischt werde. Der Biologe Otten empfiehlt, die Bienenkästen immer zu markieren - "damit man einen Beweis hat, wenn man sie wiederfindet".

    Von Jasper Rothfels

    -GDVÜ: http://dpaq.de/wBA0u

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